de.wedoany.com-Bericht: Singapur hat auf dem 23. Shangri-La-Dialog GUIDE (Guiding Principles for Underwater Infrastructure Defense Exchange) vorgestellt und ins Leben gerufen. Dieser neue Rahmen soll der erste speziell dem Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur gewidmete, regionsübergreifende Kooperationsmechanismus sein. Führungskräfte aus über vierzig Ländern nahmen an diesem wichtigsten internationalen Sicherheitsforum Asiens teil, die USA wurden durch Kriegsminister Pete Hegseth vertreten.
Die Unterwasserinfrastruktur entwickelt sich zu einer der unsichtbaren Säulen der nationalen Sicherheit, des Wirtschaftswachstums und der industriellen Wettbewerbsfähigkeit. Der Meeresboden trägt über 95 % des internationalen Datenverkehrs und die maritimen Energieverbindungen und ist damit zu einer strategischen Dimension der globalen geopolitischen Rivalität geworden. Das GUIDE-Abkommen zielt darauf ab, die wachsende Besorgnis über Vorfälle in den letzten Jahren zu adressieren, die Unterseetelekommunikationskabel, Energiepipelines und andere strategische Infrastrukturen betreffen.
GUIDE ist weder ein verbindlicher Vertrag noch verpflichtet es die Mitgliedstaaten zu finanziellen Verpflichtungen. Ziel ist die Einrichtung einer ständigen Kooperationsplattform, die den Informationsaustausch, die gemeinsame Nutzung bewährter Verfahren, technischer Expertise und operativer Abläufe zwischen den Verteidigungsinstitutionen der Länder fördert, die Frühwarnfähigkeiten verbessert, ein gemeinsames Verständnis von Bedrohungen vertieft und bei Bedarf die Reaktion auf Vorfälle und Krisen koordiniert. Singapurs Verteidigungsminister Chan Chun Sing betonte, dass die internationale Gemeinschaft noch gemeinsame Normen entwickeln müsse, nicht nur für die Verlegung von Unterwasserinfrastruktur, sondern vor allem für deren Wartung und die Verhinderung möglicher Störungen und Sabotageakte.

Dem Rahmen haben sich bereits siebzehn Länder aus Europa, dem asiatisch-pazifischen Raum und der Golfregion angeschlossen. Zu den europäischen Ländern gehören: Italien, Frankreich, das Vereinigte Königreich, die Niederlande, Finnland, Schweden, Estland, Lettland und Litauen. Zu den asiatisch-pazifischen und nahöstlichen Ländern gehören: Singapur, Australien, Neuseeland, Malaysia, Thailand, die Philippinen, Brunei und Katar. Die Zusammensetzung der Mitglieder zeigt eine starke europäische Präsenz, insbesondere der nordischen und baltischen Staaten. Die Teilnahme Katars ist ebenfalls bemerkenswert, angesichts der Lage im Golf und der Straße von Hormus, wo diese Infrastruktur zunehmend zu militärischen Zielen wird.
Für Italien hat die Teilnahme an GUIDE eine besondere strategische Bedeutung. Das Mittelmeer ist einer der wichtigsten Knotenpunkte für den globalen Datenverkehr sowie die Energieverbindungen zwischen Europa, Afrika und Asien; viele internationale Kabel durchqueren den italienischen Meeresboden, was Italien zu einem natürlichen Drehkreuz der globalen digitalen Kommunikation macht. Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto erklärte während des Shangri-La-Dialogs, dass Italien und Singapur den Willen bekräftigt hätten, die bilaterale Verteidigungszusammenarbeit weiter zu verstärken, mit besonderem Augenmerk auf den Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur, die für Energie- und Datentransporte zunehmend strategisch bedeutsam sei. Er erwähnte die Notwendigkeit, den internationalen Regulierungsrahmen zu stärken und angemessene Überwachungs-, Kontroll- und Interventionsfähigkeiten zu entwickeln, um jegliche Bedrohungen oder Vorfälle zu verhindern und zu bewältigen.

Auf geopolitischer Ebene ist das auffälligste Merkmal von GUIDE die gleichzeitige Abwesenheit der USA, Chinas und Russlands. Die Abwesenheit der beiden globalen Supermächte und Moskaus unterstreicht den Willen einer Gruppe von Mittelmächten zu einer autonomen Form der Zusammenarbeit, die dies als eine wichtige Angelegenheit betrachten, die nicht der Rivalität zwischen Washington und Peking untergeordnet werden darf. GUIDE spiegelt einen zunehmend deutlichen Trend in der internationalen Governance wider: das Entstehen funktionaler und thematischer Allianzen jenseits traditioneller Lager zwischen Staaten mit gemeinsamen strategischen Interessen.
Der strategische Wert von GUIDE liegt vor allem in seiner Funktion als Normenlabor. Das Abkommen führt keine neuen rechtlichen Verpflichtungen ein und ändert auch nicht den durch das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) festgelegten Rahmen, aber es schafft einen Kooperationsraum, der dazu beitragen könnte, künftige internationale Praktiken zum Schutz der Unterwasserinfrastruktur zu definieren. Für Italien und die anderen Unterzeichnerstaaten besteht die Herausforderung darin, den politischen Dialog in konkrete Instrumente zur Prävention, Überwachung und Reaktion auf Bedrohungen umzusetzen. Die Sicherheit des Meeresbodens wird zu einer der Schlüsseldimensionen der Sicherheit im 21. Jahrhundert, und GUIDE ist einer der ersten Versuche, eine kollektive Antwort auf diese neue strategische Realität zu konstruieren.
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