Deutschland bringt 2026 autonomes Fahrzeug mit Wechselaufbauten auf den Markt – U-Shift erhält Millionen-Förderung
2026-06-21 15:25
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de.wedoany.com-Bericht: Das Projekt „U-Shift II", an dem mehrere Forschungseinrichtungen aus Baden-Württemberg beteiligt sind, hat kürzlich ein neues Konzept für autonome Fahrzeuge vorgestellt. Die Plattform kann je nach Einsatzbedarf schnell und automatisch die Fahrgastzelle wechseln und so ein Fahrzeug für mehrere Zwecke nutzen. Am 18. Juni 2026 präsentierten Forscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) dem Wirtschaftsminister des Landes die neueste Version dieses Konzepts. Das Projekt baut auf dem Grundprinzip des vorherigen U-Shift-Projekts auf: Die Fahrplattform kann selbstständig verschiedene „Kapseln" mit unterschiedlichen Funktionen andocken oder abkoppeln, sodass dasselbe Fahrzeug morgens Personen befördern, mittags Pakete ausliefern und abends als mobiler Servicepunkt dienen kann.

Das Fahrmodul („Driveboard

An U-Shift II beteiligt sind das KIT, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Universität Ulm und das Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS). Das Projekt wird vom DLR verwaltet und koordiniert. Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg hat eine Förderung in Höhe von 10 Millionen Euro bereitgestellt, von denen rund 1,7 Millionen Euro an das KIT gehen. Die Projektpartner nennen verschiedene Anwendungsszenarien, darunter bedarfsgerechte öffentliche Verkehrsdienste, Paketzustellung, mobile medizinische Versorgung und sogar temporäre Unterkünfte. Das Konzept der Trennung von Fahrzeug und Funktion wurde ursprünglich vom Institut für Fahrzeugkonzepte des DLR entwickelt und in mehreren DLR-Projekten kontinuierlich weiterentwickelt.

Prof. Dr. Kora Kristof, Vizepräsidentin für Digitalisierung und Nachhaltigkeit am KIT, betont, dass Fahrzeuge nicht mehr für einen einzigen Zweck gebaut werden sollten. Fahrzeuge, die sich flexibel an verschiedene Aufgaben anpassen können, sparen Ressourcen und sind ein Bestandteil nachhaltiger Mobilität. Prof. Dr. Meike Jipp, Leiterin der DLR-Abteilung Energie und Verkehr, weist darauf hin, dass das U-Shift-II-Projekt viele neue Erkenntnisse hervorgebracht hat, die zur Weiterentwicklung modularer, automatisierter Fahrzeugkonzepte und verwandter Technologien beitragen und die Grundlage für die praktische Umsetzung und den Straßeneinsatz dieser Mobilitätsideen legen.

Das U-Shift-System kombiniert eine Fahrplattform („Driveboard

Präsentation der neuen Generation von U-Shift II: (von links) Prof. Dr. Andreas Wagner (FKFS); Prof. Dr. Kora Kristof, Vizepräsidentin für Digitalisierung und Nachhaltigkeit am KIT; Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg; Prof. Dr. Meike Jipp, Leiterin der DLR-Abteilung Energie und Verkehr; Prof. Dr. Michael Buchholz, Leiter der Forschungsgruppe Elektromobilität und Vernetztes Fahren/Vernetzte Infrastruktur an der Universität Ulm (Bildquelle: Magali Hauser, KIT)

Innenraum einer Personenkapsel: Das modulare Fahrzeugkonzept ermöglicht verschiedene Nutzungen, vom Personentransport bis zur Logistik. (Bildquelle: Amadeus Bramsiepe, KIT)

Kern dieser Mobilitätslösung ist ein flaches Driveboard, dessen technische Komponenten – entwickelt vom FKFS – vier radnabenmotorgetriebene elektrische Antriebe, eine Batterie, ein Lenksystem sowie die zentralen Funktionen für Steuerung, Überwachung und Energieversorgung umfassen. Das Driveboard kann selbstständig unter die für den aktuellen Einsatz benötigte Kapsel fahren, sie anheben und verriegeln – und das vollständig ohne menschliches Eingreifen. Dr. Michael Frey vom Institut für Fahrzeugsystemtechnik (FAST) des KIT erklärt, dass dies dem Prinzip eines Wechselbehälters ähnelt: Die Technik bleibt gleich, nur der Aufbau wird gewechselt. Das vom FAST entwickelte Fahrgestell mit integrierter Hubvorrichtung kann Kapseln ohne zusätzliche Infrastruktur selbstständig aufnehmen und absetzen; es wird lediglich ein Stellplatz für Kapsel und Fahrzeug benötigt.

Das Fahrzeug wird digital mit der Kapsel verbunden. Prof. Dr. Eric Sax, Leiter des Instituts für Technische Informatik (ITIV) am KIT, weist darauf hin, dass die flexible technische Architektur es dem Fahrzeug ermöglicht, seine Funktion je nach Verwendungszweck zu ändern. Das vom Institut entwickelte elektronische und softwarebasierte „Kontrollzentrum" ist für die Verbindung und Steuerung aller Fahrzeugfunktionen und Kapseltechnologien zuständig; Funktionen und Sensoren passen sich automatisch an die jeweilige Kapsel an (z. B. Personentransport oder Paketzustellung). Neue Software kann drahtlos aufgespielt werden, ähnlich wie bei einem Smartphone-Update. Das Fahrzeug erkennt seine Umgebung mithilfe von Sensoren wie Kameras, Radar und Lidar. Das Sensorkonzept, die Datenverarbeitung und das System zur Bewegungsplanung (das beim Andocken besonders präzise sein muss) wurden von der Universität Ulm entwickelt. In Kombination mit dem vom FKFS entwickelten System zur Bewegungsausführung sind präzise Rangier- und Andockmanöver im Zentimeterbereich möglich. Das vom DLR entwickelte Verriegelungssystem stellt sicher, dass die Kapsel während der Fahrt fest fixiert ist.

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