Asiens Solarstromerzeugung überholt erstmals Erdgas und wird zur drittgrößten Stromquelle der Region
2026-06-22 14:27
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de.wedoany.com-Bericht: Im Zeitraum von April 2025 bis April 2026 erreichte die asiatische Solarstromerzeugung 1.727 Terawattstunden und übertraf damit erstmals die Stromerzeugung aus Erdgas (1.711 Terawattstunden), womit sie zur drittgrößten Stromquelle der Region aufstieg.

Kürzlich veröffentlichte die britische Klima- und Energieforschungseinrichtung „Carbon Brief“ einen neuen Analysebericht, der zeigt, dass die asiatische Solarstromerzeugung im genannten Zeitraum 1.727 Terawattstunden erreichte und damit erstmals die Erdgasverstromung (1.711 Terawattstunden) übertraf, wodurch sie zur drittgrößten Stromquelle der Region wurde.

Photovoltaik gestaltet Asiens Stromlandschaft neu

„Carbon Brief“ wies darauf hin, dass sich das asiatische Stromsystem strukturell beschleunigt von einer „fossil dominierten“ hin zu einer „multiplen, kohlenstoffarmen“ Ausrichtung wandelt. Die Daten zeigen, dass Kohle- und Wasserkraft zwar mit 52 % bzw. 12 % dominieren, aber erneuerbare Energien, allen voran die Solarenergie, die asiatische Stromlandschaft in einem beispiellosen Tempo umgestalten. Seit 2020 hat sich die asiatische Solarstromerzeugung fast vervierfacht und ist damit der am schnellsten wachsende Sektor unter allen Stromquellen.

Dieses Wachstum verläuft nicht linear, sondern zeigt eine deutliche „Beschleunigungskurve“. Einerseits sinken die Kosten für Photovoltaikmodule kontinuierlich, was zusammen mit technologischen Effizienzsteigerungen die Solarenergie wirtschaftlich schnell an die konventionellen Stromquellen heranführt oder diese sogar übertrifft. Andererseits treiben politische Maßnahmen und der Bedarf an Energiesicherheit die großen asiatischen Volkswirtschaften dazu, Photovoltaik als prioritäre Option für die Energiewende zu betrachten. Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte bereits zuvor darauf hingewiesen, dass Solarenergie weltweit zur dominierenden Kraft bei den neu installierten Stromerzeugungskapazitäten geworden ist und deutlich schneller wächst als Wind-, Wasser- und Kernkraft.

Regional betrachtet sind China, Indien und Pakistan die Kernmotoren dieses Wachstums. Besonders in Südasien erlebt die dezentrale Photovoltaik einen explosionsartigen Aufschwung. In Pakistan beispielsweise verbreitet sich die Dachphotovoltaik rasant, was von der Branche als „über Erwarten erfolgreicher Energiewendeprozess“ beschrieben wird und die Abhängigkeit von zentralisierter, fossiler Stromerzeugung direkt verringert.

Bemerkenswert ist, dass dieser Photovoltaik-Boom auch deutliche „Spillover-Effekte“ zeigt. Asien trägt mit rund 60 % zum globalen Zuwachs an Photovoltaik-Kapazitäten bei und macht die Region damit zum Zentrum der globalen Energiewende. Gleichzeitig übertraf die monatliche Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie im April erstmals die aus Erdgas.

Allerdings stellt der rasche Anstieg des Photovoltaik-Anteils auf Systemebene höhere Anforderungen an die Flexibilität des Stromsystems. Wie die Integration fluktuierender Stromquellen durch Energiespeicher, Netzausbau und optimierte Marktmechanismen gelingen kann, wird zu einer zentralen Herausforderung für die asiatischen Länder.

Die Rolle von Erdgas wird neu bewertet

Im krassen Gegensatz zum Höhenflug der Solarenergie verliert die Erdgasverstromung in Asien deutlich an Dynamik. Mehrere internationale Institutionen hatten ursprünglich ein „explosives Wachstum“ von Erdgas als relativ kohlenstoffarmen Brückenenergieträger in Asien prognostiziert. Die Realität zeigt jedoch steigende installierte Kapazitäten bei stagnierender Stromerzeugung und sinkenden Auslastungsgraden.

Daten der britischen Klima- und Energie-Denkfabrik Ember zeigen, dass die installierte Erdgas-Kapazität in Asien zwischen 2019 und 2024 um etwa 22 % wuchs, die Stromerzeugung im gleichen Zeitraum jedoch nur um 6 % zunahm – deutlich unter den Erwartungen. Branchenkenner sehen die Ursachen für diese Diskrepanz zunächst in der Instabilität der Brennstoffversorgung. Seit Ausbruch des Russland-Ukraine-Konflikts ist der globale Markt für Flüssigerdgas (LNG) starken Schwankungen ausgesetzt, die Preise stiegen zeitweise auf historische Höchststände, was die Importkosten für Asien direkt in die Höhe trieb. Die jüngsten Spannungen im Nahen Osten verstärken zudem die Sorgen einiger Länder um die Sicherheit des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus und vergrößern die Unsicherheit bei der Erdgasversorgung zusätzlich.

Ebenso deutlich sind die infrastrukturellen Engpässe. Zwischen 2022 und 2023 wurden in Asien etwa 81 Gigawatt geplanter Gaskraftwerksprojekte gestrichen oder verschoben. In mehreren südasiatischen Ländern und Südkorea stieß der Bau von LNG-Terminals und Gaspipelines häufig auf Hindernisse, verursacht durch steigende Baukosten, erhöhten Finanzierungsdruck und schwächere Nachfrageerwartungen. Zudem verzögert die weltweit angespannte Versorgung mit Gasturbinen direkt den Kraftwerksbau in Ländern wie Vietnam und den Philippinen.

Der tiefere Grund liegt in der schwindenden wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit von Erdgas. Unter dem doppelten Druck der weiterhin kostengünstigen Kohleverstromung und der stetig sinkenden Kosten erneuerbarer Energien wird Erdgas in vielen Ländern zunehmend zur „Grenzkraft“. In Ländern wie Japan und Indien ist die Erdgasverstromung in den letzten Jahren sogar zurückgegangen. Der asiatische Erdgasmarkt zeigt insgesamt eine schwache Nachfrage.

Darüber hinaus verdrängt der rasche Ausbau sauberer Energien Erdgas auf der Nachfrageseite. Die Kombination aus dezentraler Photovoltaik, zentralisierten neuen Energiebasen in Wüsten- und Ödlandgebieten und Energiespeichern ermöglicht es immer mehr Ländern, bei neuem Strombedarf bevorzugt auf erneuerbare Energien zu setzen. Die IEA erklärte kürzlich, dass die jüngste Energiekrise die Bedenken asiatischer Importländer hinsichtlich der Bezahlbarkeit und Zuverlässigkeit von Erdgas deutlich verstärkt habe. Dieser Wandel in der Wahrnehmung verändert die Logik der Strominvestitionsentscheidungen in der Region grundlegend.

China führt den globalen Photovoltaik-Sprung an

In der Entwicklung der asiatischen und globalen Photovoltaikindustrie ist China zweifellos die zentralste treibende Kraft. „Carbon Brief“ stellt fest, dass seit 2020 etwa drei Viertel des Zuwachses der asiatischen Solarstromerzeugung aus China stammen. Ein Beitrag dieser Größenordnung bestimmt direkt das Tempo der regionalen und sogar globalen Energiestrukturentwicklung.

Auf der Anwendungsseite brechen Chinas Photovoltaik-Installationen und Stromerzeugung kontinuierlich Rekorde. Im Jahr 2025 erreichte die kumulierte installierte Photovoltaik-Leistung Chinas rund 1,2 Terawatt und bleibt damit unangefochten weltweit führend; die Neuinstallationen im selben Jahr blieben auf hohem Niveau und waren der entscheidende Faktor für das globale Wachstum der Photovoltaik-Kapazitäten.

Auf der Fertigungsseite hat China die weltweit vollständigste und wettbewerbsfähigste Photovoltaik-Industriekette aufgebaut. Derzeit konzentrieren sich über 80 % der globalen Photovoltaik-Produktionskapazitäten in China, die alle Schlüsselbereiche wie Polysilizium, Wafer, Zellen und Module abdecken.

Im externen Umfeld spielt die chinesische Photovoltaik zudem eine wichtige Rolle als „Stabilisator“. Aufgrund der Lage im Nahen Osten steigt der Energiesicherheitsdruck in vielen asiatischen Ländern, und die preiswerten, stabil lieferbaren chinesischen Photovoltaikprodukte werden zu einer wichtigen Alternative. Daten zeigen, dass die chinesischen Exporte von Photovoltaikmodulen nach Asien im März 2026 im Jahresvergleich auf ein Rekordhoch von 39 Gigawatt stiegen, was die schnelle Umsetzung von Projekten für erneuerbare Energien in der Region wirksam unterstützte.

Der technologische Fortschritt ist eine weitere wichtige Stütze für Chinas Führungsposition in der Photovoltaik. In den letzten Jahren beschleunigt sich die nächste Technologiegeneration, repräsentiert durch N-Typ-Zellen, TOPCon-Technologie und hocheffiziente Module, was die Stromerzeugungseffizienz kontinuierlich steigert und die Stromgestehungskosten senkt. Dieser geschlossene Kreislauf aus „Technologie – Fertigung – Anwendung“ verschafft China nicht nur einen Größen-, sondern auch einen Qualitäts- und Resilienzvorteil in der Industrie.

Mehrere Branchenanalyse-Institute prognostizieren, dass Photovoltaik mit dem anhaltenden Wachstum des globalen Strombedarfs und der fortschreitenden Elektrifizierung eine noch entscheidendere Rolle im zukünftigen Energiesystem spielen wird und China in diesem Prozess weiterhin eine führende Rolle einnehmen wird.

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