de.wedoany.com-Bericht: UL Solutions hat die erste Zertifizierung nach UL 6260 vergeben, einem Rahmenwerk, das speziell für Inspektions- und Wartungsroboter in explosionsgefährdeten Industrieumgebungen mit brennbaren Gasen, Dämpfen oder Stäuben entwickelt wurde. Zertifiziert wurde der niederländische Hersteller ExRobotics aus Delft, dessen Kettenroboter ExR-2.5 die Prüfung bestanden hat. Damit wurde ein zentrales Risiko adressiert, das die Automatisierung in diesen Bereichen lange behindert hat: Der Roboter selbst, der Gefahren reduzieren soll, könnte zur Zündquelle werden. Diese Zertifizierung ist nicht nur ein Produktmeilenstein, sondern schafft auch einen branchenweit anerkannten Konformitätsweg.
Bislang fehlte Betreibern, die Roboter in Nordamerika in Gefahrenbereichen der Klasse I, Division 1 einsetzen wollten, ein einheitlicher, klarer Bewertungsmaßstab für die Gerätesicherheit. Einkaufsteams, Versicherungen und Sicherheitsingenieure mussten sich mit Ad-hoc-Lösungen behelfen, die auf für engere Anwendungen zertifizierte Geräte zurückgriffen.
In Raffinerien, petrochemischen Anlagen, LNG-Terminals, Offshore-Plattformen, Bergwerken, Getreidesilos, Kläranlagen sowie in den schnell wachsenden Bereichen Wasserstoff- und Batterieproduktion ist die Anlageninspektion sowohl eine betriebswirtschaftliche als auch eine Sicherheitsfrage. Geschulte Inspektoren werden zunehmend knapper, Industrieanlagen altern, und die Kosten ungeplanter Stillstände übersteigen die der Inspektion bei weitem. Ein zertifizierter Roboter, der auf festgelegten Routen fährt, Instrumente abliest und Lecks ortet, ohne dass Personal der Gefahr ausgesetzt werden muss, verändert die Kosten-Nutzen-Rechnung grundlegend. Klare Zertifizierungsstandards ermöglichen diese Kalkulation auf Basis von Vertrauen, nicht von bloßem Glauben.
UL Solutions bewertete die Gefahren des ExR-2.5 in Bezug auf Feuer, Explosion, Stromschlag und Mechanik und prüfte Batterien, elektrische Systeme und mechanische Komponenten unter Normal- und Fehlerbedingungen, einschließlich Szenarien mit möglicher explosionsfähiger Atmosphäre während des Routinebetriebs. Mark Mildon, CEO von ExRobotics, erklärte, dass die Zertifizierung von Inspektionsrobotern deren Kernkompetenz und kein Nebengeschäft sei. Dies spiegele die Marktentwicklung wider: Die Frage sei nicht mehr, ob ein Roboter patrouillieren könne, sondern ob er innerhalb eines von Sicherheitsfallanalysen und Versicherungen anerkannten Konformitätssystems arbeiten könne.
Der Markt für explosionsgeschützte Roboter wird bis Anfang der 2030er Jahre voraussichtlich um fast 10 % pro Jahr wachsen, wobei allein die Öl- und Gasindustrie fast zwei Fünftel der aktuellen Nachfrage ausmacht. Die Zertifizierung, nicht die Leistungsfähigkeit, war stets das Haupthindernis für die Einführung: Roboter für Gefahrenbereiche kosten ein Vielfaches der Standardversionen, die Genehmigungszyklen dauern Monate, und die Testkosten pro Modell können sechsstellige Beträge erreichen. Ein mobiler Roboter, der in Standardausführung 50.000 bis 80.000 US-Dollar kostet, kann nach der Zertifizierung für explosionsgefährdete Umgebungen 150.000 bis 200.000 US-Dollar kosten – ohne Integration, Schulung und spezielle Wartung.
UL 6260, der „Untersuchungsrahmen für ferngesteuerte Inspektions- und Wartungsgeräte in klassifizierten Gefahrenbereichen", dient als Zertifizierungsrahmenwerk, bevor ein formeller Konsensstandard vorliegt. Es verweist auf die Gefahrenbereichsdefinitionen des National Electrical Code und verankert die Zertifizierung damit im Klassifizierungssystem, das nordamerikanische Betreiber bereits verwenden. ExRobotics bringt den zertifizierten ExR-2.5 über seinen Exklusivpartner MicroWatt auf den nordamerikanischen Markt und stellte ihn auf dem Drohnen- und Robotik-Gipfel in Houston vor.
ExRobotics berichtet, bereits Tausende von Robotereinsätzen für Betreiber wie Shell, Repsol und BP durchgeführt zu haben. Der ExR-2.5 ist mit Sensoren wie akustischer Bildgebung ausgestattet, die hochfrequente Merkmale von Gaslecks und mechanischen Fehlern erfassen können. Der Bau von Wasserstoffproduktionsanlagen, Biomethananlagen, Batterie-Gigafabriken, LNG-Importterminals und modernen Kläranlagen schafft ständig neue klassifizierte Gefahrenbereiche, während die Zahl der Inspektoren nicht im gleichen Tempo wächst. Zertifizierte Roboter sollen diese Lücke schließen.
Der Markt für explosionsgeschützte Geräte wird bis Anfang der 2030er Jahre voraussichtlich auf rund 13,5 Milliarden US-Dollar anwachsen. Unternehmen, die die Zertifizierung als strategisches Asset betrachten, haben bessere Chancen, von diesem Wachstum zu profitieren. Ein First-Mover-Vorteil im neuen Rahmenwerk ist sowohl eine Sicherheitsqualifikation als auch eine kommerzielle Positionierung. Dass UL 6260 als Untersuchungsrahmen existiert, spiegelt wider, dass die technologische Entwicklung den Konsensstandardisierungsprozess überholt hat. Alternde Infrastruktur, Fachkräftemangel und die unverhandelbaren Kosten von Stillständen führen dazu, dass die tägliche Inspektion in Gefahrenbereichen zunehmend von Maschinen durchgeführt wird, die sich das Recht auf Anwesenheit verdient haben.

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