de.wedoany.com-Bericht: Bundeskanzler Friedrich Merz eröffnete die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin 2026 und stellte die neue Strategie der Bundesregierung zur Integration der zivilen und militärischen Luftfahrt vor. Die Strategie zielt darauf ab, die Verteidigungsfähigkeit, die Technologiesouveränität und die Resilienz der Lieferketten zu gewährleisten. Die Luft- und Raumfahrtindustrie wurde als strategische Schlüsselindustrie Europas eingestuft, wobei nachhaltige Flugkraftstoffe, Wasserstofftechnologie, neue Werkstoffe wie thermoplastische Verbundwerkstoffe, Digitalisierung und additive Fertigung sowie Wartung, Reparatur und Überholung (MRO) die zentralen Technologiesäulen für einen klimaneutralen Flugverkehr bilden. Die Infrastruktur für die Weltraumforschung wird als zweite Säule betrachtet.
Das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung präsentierte auf der Messe einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung wasserstoffbetriebener Flugzeuge. Die HYTANK-Verarbeitungs- und Montageanlage zeigte die derzeit weltweit erste flexible Produktionsanlage für leichte CFK-Wasserstofftanks (kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff) in der Luftfahrt. Diese Anlage gilt als entscheidender Schritt in Richtung einer zukünftigen Serienproduktion von Flüssigwasserstofftanks für die Luftfahrt.
Markus Heß, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, betonte in seiner Grundsatzrede: „Wenn Sie die nächste Generation der Luft- und Raumfahrttechnologie entwickeln wollen, müssen Sie heute in Materialien, Fertigungsverfahren und industrielle Skalierung investieren. Materialien sind der Schlüssel – Materialien sind von entscheidender Bedeutung.“ Er hob hervor, dass Künstliche Intelligenz die Entwicklung neuer Materialien enorm beschleunigen könne und daher als technologischer Treiber und Schlüsselkomponente für die Dekarbonisierung der Luftfahrt angesehen werde.
Eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „KI-gestützte Entwicklung von Hochleistungsmaterialien und -strukturen“ befasste sich mit der erweiterten Anwendung von KI im Material- und Strukturdesign. Vertreter von Rolls-Royce, Airbus, Hexcel und dem gemeinnützigen Forschungszentrum Access e.V. waren sich einig, dass KI-gesteuerte Simulationen und Datenanalysen Materialeigenschaften genau vorhersagen und Entwicklungszyklen drastisch verkürzen können. Dr. Björn Hinze, Manager für Capacity Procurement bei Rolls-Royce Deutschland, wies darauf hin, dass KI nicht immer zuverlässig sei und ingenieurtechnisches Urteilsvermögen weiterhin entscheidend bleibe. Er empfahl, vorrangig in vertrauenswürdige KI-Infrastrukturen zu investieren und Entscheidungen den Experten zu überlassen. Mathias Jessrang, Director Business Development bei Hexcel, betonte: „Je tiefer der Einsatz von KI, desto wichtiger wird das menschliche Urteil.“ Dr. Christian Weimer, Leiter des Bereichs Materialien bei Airbus Central Research & Technology, veranschaulichte anhand von Beispielen, wie KI Arbeitsabläufe beschleunigen kann, insbesondere durch den europäisch gehosteten, DSGVO-konformen Haloon-Hub, der das Recycling von Thermoplasten aus älteren Flugzeugen und deren Wiedereingliederung in die Produktion neuer Flugzeuge ermöglicht.
Hexcel präsentierte zudem den FACC-Demonstrator für Hochleistungstragflächen, der mit Hexcel-Dauerfaser-Prepregs und Injektionstechnologie komplexe 3D-Geometrien aufbaut.

Dr. Josef Aschbacher, Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation, betonte, dass Leichtbaumaterialien an der Spitze der aktuellen Forschung und technologischen Entwicklung stünden. Er erwähnte, dass für geplante neuartige Weltrauminfrastrukturen wie Rechenzentren im Orbit in naher Zukunft, die Solarenergie und passives Wärmemanagement zur Unterbringung von Hochleistungsrechnern nutzen müssen, neue fortschrittliche Verbundwerkstoffe entwickelt werden müssten, um sich an diese herausfordernde Umgebung anzupassen.
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