de.wedoany.com-Bericht: Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE), MAN Truck & Bus und die Technische Universität München (TUM) haben im Rahmen des NEFTON-Forschungsprojekts zum Lkw-Laden und zur Netzanbindung in diesem Monat erstmals einen stabilen Betrieb des gesamten Ladepfads bei einer Stromstärke von 3000 Ampere erreicht.
Der Megawatt-Ladestandard (MCS) sieht eine maximale Spannung von 1250 Volt und eine maximale Stromstärke von 3000 Ampere vor. Das Fraunhofer ISE weist darauf hin, dass die aktuellen Ladestationen ihr volles Potenzial noch nicht ausschöpfen und bestehende Systeme maximal etwa 1 Megawatt Leistung bieten. Fabian Schweizer, Projektleiter bei MAN, erklärte, dass dieser Erfolg es ermöglichen werde, Lkw in 10 bis 15 Minuten eine Reichweite von über 400 Kilometern nachzuladen. Dafür müssten jedoch speziell für extrem hohe Ladeleistungen ausgelegte Batteriesysteme der nächsten Generation entwickelt werden, die es derzeit noch nicht gebe.
Die Forscher testeten auf einem speziellen Niederspannungsprüfstand der TUM den gesamten Ladepfad – bestehend aus Kabeln, Steckverbindern, Verteilereinrichtungen und Fahrzeugbatterie – bei Strömen von bis zu 3000 Ampere und einer Spannung von 1250 Volt. Dabei wurden das thermische Verhalten, Schaltkomponenten, Kühlsysteme und die Sicherheitsarchitektur bewertet. Professor Malte Jaensch, der an dem Projekt beteiligt ist, bezeichnete die Ergebnisse als „entscheidende Grundlage für die industrielle Nutzung der 3-Megawatt-Ladetechnologie“.
Dirk Kranzer, Projektleiter am Fraunhofer ISE, erklärte, dass der neue Prüfstand in die bestehende Fault-Ride-Through-Testanlage des Instituts integriert wurde, die kurzzeitige Spannungseinbrüche simulieren kann. So könne neben der Bewertung der Ladehardware auch die netzseitigen Steuerungsanforderungen getestet werden.
Die EU hat Fördermittel in Höhe von bis zu 1,6 Milliarden Euro (etwa 1,8 Milliarden US-Dollar) für Lkw-Ladeprojekte auf deutschen Autobahnen genehmigt. Ein nationales Förderprogramm, das 2026 startet, wird Lager- und öffentliches Schwerlastladen, Netzanbindung, Batteriespeicher und Lastmanagement abdecken. Deutschland plant die Einrichtung von rund 350 Lkw-Ladepunkten bundesweit; die erste Förderphase deckt etwa 130 Standorte und 1410 Ladepunkte ab, darunter Anschlüsse mit einer Nennleistung von mindestens 1000 kW nach MCS.
Eine weitere Studie des Fraunhofer ISE zum Betrieb von E-Lkw-Flotten, die 2026 veröffentlicht wurde, ergab, dass die Kombination aus Dach-Photovoltaik, stationären Batteriespeichern und Energiemanagement-Software die kosteneffizienteste Konfiguration für Logistiklager unter den getesteten Szenarien darstellt. Die Studie zeigt, dass die Kombination von Batterien mit 1 bis 2 Megawattstunden und einer Photovoltaik-Leistung von etwa 2275 Kilowatt-Peak (kWp) etwa 60 % des Gebäudestrombedarfs und 77 % des Eigenverbrauchs für das Laden decken kann. Im Vergleich zu einem ungeregelten Betrieb könne diese Konfiguration die Stromkosten um bis zu 62,5 % pro Jahr senken.









