de.wedoany.com-Bericht: Eine neue technische Kooperation ermöglicht erstmals die werkseitige Vorinstallation eines softwaredefinierten, fahrzeugseitigen Signalsystems in neu gebauten Regionalzügen. Dieses System integriert das European Train Control System (ETCS) direkt in die Zweikraft-Triebzüge des tschechischen Schienennetzes.

Moderne Schienenverkehrsnetze erfordern eine kontinuierliche Synchronisation zwischen fahrzeugseitigen Steuerungssystemen und der streckenseitigen Infrastruktur, um sichere Bremskurven und einen hohen Verkehrsdurchsatz zu gewährleisten. Bei der Aktualisierung von Software zur Erfüllung sich entwickelnder EU-Regulierungsstandards sind traditionelle Hardware-Implementierungen des automatischen Zugschutzes oft mit hohen Integrationskosten, strengen Platzbeschränkungen und komplexen Zertifizierungswegen verbunden. Um diese Integrationshürden zu überwinden, hat die Škoda Group gemeinsam mit ihrer Signalsparte ein gemeinsames Ingenieurprojekt durchgeführt, das die Fahrzeugherstellung mit modularem, softwaredefiniertem Sicherheitsrechnen kombiniert. Das Projekt basiert auf einer offenen, skalierbaren digitalen Lieferketten-Architektur, die die zugrunde liegende Signalsoftware von der speziellen Hardware entkoppelt und es dem System ermöglicht, mehrere sicherheitskritische und Diagnoseanwendungen gleichzeitig auf einer einzigen fahrzeugseitigen Recheneinheit auszuführen.
Die technische Lösung ist um die iEVC-RailOS Universal Digital Rail Platform herum aufgebaut, die als primäres fahrzeugseitiges Gateway für das European Train Control System fungiert. Die Systemarchitektur kombiniert kompakte modulare Hardwareschnittstellen mit einer abstrakten Softwareschicht, die lokalisierte Software-Updates ermöglicht, ohne dass die gesamte Hardware ausgetauscht oder eine vollständige Neuzertifizierung des Fahrzeugsignalsystems erforderlich wird. Die Fertigungsabteilung ist für die mechanische und elektrische Integration der Komponenten im Fahrerhaus des Fahrzeugs verantwortlich, während die Signalsparte die Software-Profile konfiguriert, um sie an die spezifischen regionalen Infrastrukturanforderungen anzupassen. Dieser softwaredefinierte Ansatz bietet eine Standardschnittstelle zur Integration von paneuropäischen Sicherheitsprotokollen und nationalen Signalsystemen auf derselben Hardwareplattform, wodurch der gesamte Bandbreiten-Overhead reduziert und die Datenlokalität für verbesserte Wartungsdiagnosen verbessert wird.
Die Produktionseinführung umfasst 34 Hybridzüge, die für den Regionalverkehr im Nordosten Böhmens bestellt wurden, darunter 18 Zweiwagen- und 16 Dreiwageneinheiten. Die Antriebskonfiguration ist mit Diesel-Antriebseinheiten und elektrischen Komponenten ausgestattet, sodass der Dienst auf Strecken ohne digitale Oberleitungsinfrastruktur möglich ist, bis die vollständige Elektrifizierung abgeschlossen ist. Durch die direkte Integration der modularen Signalarchitektur in die Fahrzeugproduktionsphase stellt das Ingenieurteam sicher, dass die Züge eine Echtzeit-Telemetrieverarbeitung und einen kontinuierlichen Zugschutz unter verschiedenen Infrastrukturkonfigurationen ermöglichen. Die ersten Züge sollen im Dezember 2029 auf bestimmten Strecken, darunter Prag–Tanvald und Kolín–Rumburk, den kommerziellen Betrieb aufnehmen und dabei ältere Dieseltriebzüge ersetzen.
Die in dieser Bereitstellung verwendete softwaredefinierte ETCS-Architektur stellt eine Abkehr von traditionellen hardwaregebundenen Systemen wie Alstom Atlas oder Siemens Trainguard dar, die auf proprietären und eng gekoppelten Hardware-Software-Topologien basieren. Durch den Betrieb auf einer offenen, softwaredefinierten Plattform, die nach den neuesten EU-Standards zertifiziert ist, ermöglicht das System den Betreibern Änderungen per Software-Update anstelle von physischen Komponentenüberholungen, wodurch typische Nachrüstungszyklen von Monaten auf Tage verkürzt werden. Die Architektur entspricht dem Trend der Europäischen Eisenbahnagentur hin zu modularen Architekturstandards und ermöglicht im Vergleich zu traditionellen monolithischen Signalsystemen eine messbare Reduzierung der langfristigen Wartungskosten.









