de.wedoany.com-Bericht: Die Delhi Metro Rail Corporation (DMRC) hat der Regierung von Kerala vorgeschlagen, das Kerala-Hochgeschwindigkeitsbahnprojekt mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von rund 6 Milliarden US-Dollar im Schlüsselfertig-Modus zu übernehmen, und verspricht eine Fertigstellung innerhalb von fünf Jahren ohne Kostenüberschreitung. Die geplante Hochgeschwindigkeitsstrecke verbindet Thiruvananthapuram mit Kannur, ist 473,2 Kilometer lang, für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h ausgelegt, zweigleisig und kostet durchschnittlich etwa 12,68 Millionen US-Dollar pro Kilometer. Die Finanzierung des Projekts soll von der indischen Zentralregierung und der Regierung von Kerala im Verhältnis 51:49 gemeinsam getragen werden. Derzeit führt ein von der Regierung Keralas eingesetzter Expertenausschuss eine technische, finanzielle und ökologische Machbarkeitsbewertung des Projektvorschlags durch.
Hintergrund dieses Angebots der Delhi Metro sind die erheblichen Verzögerungen und Kostenüberschreitungen bei Indiens erster echter Hochgeschwindigkeitsbahn – der Strecke Mumbai-Ahmedabad. Diese wird von der National High Speed Rail Corporation Limited (NHSRCL) umgesetzt, ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h ausgelegt und 508 Kilometer lang. Das Projekt begann 2017, sollte ursprünglich 2023 in Betrieb gehen, ist aber bisher erst zur Hälfte fertiggestellt. Die Gesamtkosten sind von ursprünglichen Schätzungen auf rund 20,8 Milliarden US-Dollar gestiegen, was durchschnittlich etwa 44 Millionen US-Dollar pro Kilometer entspricht. Japan hat dafür zinsgünstige Darlehen in Höhe von 8 Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Nach neuesten Fortschritten wird erwartet, dass ein Teilabschnitt (Surat-Vapi) 2027 in Betrieb geht, die gesamte Strecke jedoch erst 2028 oder 2029 eröffnet wird.
Neben den Kosten ist auch der Zeitplan ein unkontrollierbarer Faktor bei Hochgeschwindigkeitsbahnprojekten. Das Versprechen der Delhi Metro, die Strecke „in fünf Jahren und ohne Kostenüberschreitung" zu bauen, klafft deutlich auseinander mit der tatsächlichen Umsetzungserfahrung im indischen Hochgeschwindigkeitsbahnbau. Die Projekterfahrung des Unternehmens konzentriert sich hauptsächlich auf den U-Bahn-Bereich; es hat noch nie den Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke mit 200 km/h geleitet. Die Grundlage für die Zeitplanberechnung und der Mechanismus zur Kostenüberschreitungsprävention wurden bisher nicht öffentlich offengelegt. Ohne empirische Erfahrung mit vergleichbaren Projekten und konkrete Sicherungspläne wirkt dieses Versprechen derzeit eher wie eine einseitige Absichtserklärung.
Entlang der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke in Kerala sind insgesamt 22 Bahnhöfe geplant, mit einem durchschnittlichen Abstand von 21,5 Kilometern. Mit Ausnahme eines 6,5 Kilometer langen unterirdischen Abschnitts im Stadtgebiet der Hauptstadt Thiruvananthapuram wird die gesamte Strecke aufgeständert verlegt. In der Anfangsphase des Projekts sind Züge mit 12 Wagen vorgesehen, die Bahnsteige werden jedoch für eine zukünftige Erweiterung auf 16 Wagen ausgelegt. Langfristige Planungen sehen zudem eine Verlängerung des Hochgeschwindigkeitskorridors nach Norden bis Kasaragod sowie drei neue Zweigstrecken vor.
Der 94-jährige E. Sreedharan, der Initiator des Kerala-Hochgeschwindigkeitsbahnprojekts, gilt als „Vater der indischen U-Bahn". Von 1995 bis 2012 war er der erste Geschäftsführer der Delhi Metro Rail Corporation, baute die erste Phase der Delhi Metro termingerecht und im Budgetrahmen und leitete den Bau der technisch äußerst anspruchsvollen Konkan-Eisenbahn. Er wurde mit dem indischen Padma Shri und dem französischen Ritter der Ehrenlegion ausgezeichnet.
Obwohl die Delhi Metro Rail Corporation (DMRC) ihren Ursprung im Bau und Betrieb der Delhi Metro hat, ist sie in den letzten Jahren auch an der Bauleitung und technischen Dienstleistung für mehrere indische Schienenverkehrsprojekte beteiligt. Kürzlich gründete das Unternehmen zudem eine Tochtergesellschaft, die Delhi Metro International Pvt. Ltd., deren Kernaufgabe die Übernahme von in- und ausländischen U-Bahn-Projekten ist, einschließlich Projektmanagement, Betrieb und Wartung, Machbarkeitsstudien und Beratungsdiensten. Zielmärkte umfassen unter anderem Tel Aviv (Israel), Alexandria (Ägypten) und Ho-Chi-Minh-Stadt (Vietnam).






