de.wedoany.com-Bericht: Das indische Startup GreenJams verwandelt landwirtschaftliche Abfälle in das kohlenstoffnegative Baumaterial Agrocrete, das die Baukosten senkt und gleichzeitig pro Tonne Material etwa 140 Kilogramm Kohlendioxid bindet.
Im Jahr 2019 erlebte der Bauingenieur Tarun Jami in Neu-Delhi schweren Smog, was ihn dazu veranlasste, die Verschmutzungsquellen zu verfolgen. Dabei stellte er fest, dass das Verbrennen landwirtschaftlicher Abfälle nach der Ernte eine der Hauptursachen war. Diese Erfahrung führte direkt zur Entwicklung von Agrocrete.

Laut The Better India kam Tarun Jami bereits während seines Bachelorstudiums im Jahr 2013 mit Hanfbeton (hempcrete) in Kontakt und forschte kontinuierlich an dessen Eigenschaften. Er schloss sein Studium 2016 ab, gründete 2017 GreenJams und reproduzierte 2019 erfolgreich hempcrete. Anschließend entschied er sich, Hanf durch breiter verfügbare landwirtschaftliche Abfälle zu ersetzen, was zur Weiterentwicklung der Rezeptur zu Agrocrete führte.
In der Beschreibung auf der GreenJams-Website wird Agrocrete als kohlenstoffnegativer Baustein definiert, der aus recycelten landwirtschaftlichen Abfällen und industriellen Nebenprodukten hergestellt wird. Das firmeneigene kohlenstoffarme Bindemittel BINDR ersetzt traditionellen Zement. Das Prinzip des Produkts besteht darin, den während des Pflanzenwachstums aufgenommenen biogenen Kohlenstoff in den Gebäudewänden zu fixieren, anstatt ihn durch Verbrennung wieder in die Atmosphäre freizusetzen. GreenJams gibt an, dass seine Umweltaussagen durch Dritte zertifiziert und verifiziert wurden und das Produkt ein EPD-Zertifikat erhalten hat.
Laut Unternehmensdaten bietet Agrocrete deutliche Leistungsvorteile: Im Vergleich zu herkömmlichen Lösungen verbessert es die Wärmedämmung um 350 %, erhöht die Mauerwerksgeschwindigkeit um 100 % und senkt die Baukosten um 50 %. Eine Simulation für ein 1000 Quadratfuß großes Gebäude zeigt Einsparungen von ₹1,25 Lakh (ca. 125.000 Indische Rupien) an Kosten, die Bindung von 4,4 Tonnen Kohlendioxid und eine Zeitersparnis von etwa 25 Arbeitstagen pro Maurer.
The Better India berichtete über einen praktischen Fall: Tarun Jami baute mit Agrocrete einen Büroanbau, der in nur 4 Tagen fertiggestellt wurde, mit deutlich geringeren Kosten, während die traditionelle Methode etwa 12 Tage benötigt hätte. In diesem Projekt wurden 3,1 Tonnen Kohlendioxid gebunden.
Neben den Umweltvorteilen zielt GreenJams darauf ab, eine neue ländliche Wirtschaftskette aufzubauen, indem Landwirte vom Verbrennen von Abfällen zur Lieferung von Rohstoffen übergehen und Fachkräfte für die Sammlung, Verarbeitung und Anwendung gewonnen werden. Dieses Modell integriert Luftreinhaltung, landwirtschaftliche Einkommenssteigerung und Emissionsreduzierung im Bausektor in einem einzigen Geschäftsrahmen.
Derzeit wird Agrocrete in 16 kommerziellen Projekten in Indien eingesetzt, hat insgesamt über 300 Tonnen Kohlendioxid gebunden, etwa 900 Tonnen Emissionen vermieden und fast 2.000 Kubikmeter Biobeton geliefert. Das Material erhielt zudem das Label „Solar Impulse Efficient Solution“ und ist damit zum Zeitpunkt der Bekanntgabe das einzige kohlenstoffnegative Baumaterial in Indien, das diese Zertifizierung erhalten hat.

Indem es Feldabfälle in bauliche Klimaressourcen verwandelt, zeigt Agrocrete das Anwendungspotenzial landwirtschaftlicher Rückstände im Bereich kohlenstoffarmer Bauweisen und bietet anderen Agrarstaaten einen technischen Referenzpfad zur Behandlung von Strohproblemen.






