de.wedoany.com-Bericht: Das japanische Bauunternehmen Shimizu Corporation plant, bis zum Geschäftsjahr 2030 humanoide Roboter mit künstlicher Intelligenz auf Baustellen einzusetzen, um Arbeiten wie Maler- und Putzarbeiten zu übernehmen und so den Arbeitskräftemangel in der Baubranche zu lindern.
Derzeit konzentriert sich die Entwicklung von Baustellenrobotern weitgehend auf einzelne Aufgaben wie das Binden von Bewehrungsstahl, den Materialtransport oder die Vermessung von Baustellen. Obwohl solche Roboter bestimmte Aufgaben effizient erledigen können, sind sie nur schwer an andere Arbeitsszenarien anpassbar. Auf Baustellen gibt es oft zahlreiche Stufen und Treppen, die die Beweglichkeit von Radrobotern einschränken; zudem sind die meisten Bauwerkzeuge und -geräte für menschliche Hände konzipiert.

Shimizu möchte die Technologie von Roboterarmen im Bereich Maler- und Putzarbeiten mit den Steuerungssystemen humanoider Roboter kombinieren, um humanoide Roboter zu schaffen, die sich leicht auf Baustellen einsetzen lassen.
Als ersten Schritt führte das Unternehmen von April bis Mai dieses Jahres in seinem Bauprojekt „Torch Tower“ in Tokio Tests mit einem patrouillierenden Roboter durch. Der Torch Tower wird nach seiner Fertigstellung das höchste Gebäude Japans sein. Bei den Tests setzte Shimizu einen humanoiden Roboter von Unitree Robotics ein, der mit einer Kamera ausgestattet war, und nutzte ein System zur Echtzeit-Bildanalyse mit künstlicher Intelligenz. Die Ergebnisse zeigten, dass der Roboter auf einer komplexen Baustelle, die mit Geräten und Baumaterialien vollgestellt war, dennoch mit einer Geschwindigkeit von etwa einem Meter pro Sekunde selbstständig gehen und patrouillieren konnte.
Gleichzeitig entwickelt Shimizu Roboterarme für spezielle Bauaufgaben wie Maler- und Putzarbeiten. Im Januar dieses Jahres führte das Unternehmen einen ferngesteuerten Roboterarm von Trossen Robotics (USA) ein, der die haptischen Rückmeldungen der Bewegungen des Roboterarms in Echtzeit an den Bediener übermittelt. Shimizu nutzt dieses System, um die impliziten Erfahrungen erfahrener Arbeiter zu erfassen und die Daten für das Training von KI-Modellen zu verwenden.
In Zukunft plant das Unternehmen, diese beiden Technologien zu kombinieren, um humanoide Roboter zu entwickeln, die sich auf Baustellen selbstständig bewegen und verschiedene Bauaufgaben wie das Streichen erledigen können. Dem Plan zufolge wird das Unternehmen im Geschäftsjahr 2026 ein KI-System zur Steuerung des Oberkörpers humanoider Roboter entwickeln und dieses in den Geschäftsjahren 2027 bis 2029 schrittweise auf die Ganzkörpersteuerung ausweiten. Shimizu hat noch nicht entschieden, welchen humanoiden Roboter es für den zukünftigen praktischen Einsatz verwenden wird.
Neben Shimizu treiben auch andere japanische Bauunternehmen den Einsatz von Robotern auf Baustellen voran. Ein Konsortium der fünf größten japanischen Baukonzerne entwickelt gemeinsam Robotersysteme für Materialtransport, Bauhilfe und Bauprüfungen. Allerdings konzentriert sich dieses Projekt derzeit hauptsächlich auf spezialisierte autonome Roboter, bei denen für jeden Bauprozess das System neu installiert, angepasst und umgerüstet werden muss. Selbst in China, das bei humanoiden Robotern führend ist, ist deren praktischer Einsatz auf Baustellen noch relativ begrenzt.
Der Arbeitskräftemangel ist zu einer großen Herausforderung für die japanische Bauindustrie geworden. Laut einer Umfrage des japanischen Ministeriums für Innere Angelegenheiten und Kommunikation lag die Zahl der qualifizierten Bauarbeiter in Japan im Jahr 2025 bei 2,99 Millionen, ein Rückgang um 24 % im Vergleich zu vor 20 Jahren. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Gesamtbeschäftigungszahl in Japan aufgrund der Zunahme von Frauen und älteren Arbeitnehmern kontinuierlich steigt. Gleichzeitig führt die Überalterung der Belegschaft in der Baubranche dazu, dass traditionelle Fertigkeiten wie das Verputzen nur schwer weitergegeben werden können. Im Jahr 2025 waren 37 % der Beschäftigten in der japanischen Bauindustrie 55 Jahre oder älter, während nur 12 % 29 Jahre oder jünger waren; zum Vergleich: Der Branchendurchschnitt in Japan lag bei 33 % bzw. 17 %.
Der Arbeitskräftemangel in der Bauindustrie wird tiefgreifende Auswirkungen auf die japanische Wirtschaft haben. Derzeit passen Stadtentwicklungsprojekte in ganz Japan bereits ihre Pläne an. Wenn die Zahl der Bauarbeiter weiter sinkt, werden etwa 25 % der Infrastrukturen des Landes, wie Wasserversorgungsnetze, die ihre geplante Nutzungsdauer bereits überschritten haben, in Zukunft nur schwer rechtzeitig erneuert und modernisiert werden können. Obwohl humanoide Roboter vor einem breiten Einsatz noch Herausforderungen wie Betriebsstabilität, Arbeitsgenauigkeit und Kostenkontrolle bewältigen müssen, könnten sie der Bauindustrie helfen, den Arbeitskräftemangel zu lindern, die Produktionseffizienz zu steigern und den Bedarf an risikoreichen Arbeiten durch Menschen zu reduzieren.






