de.wedoany.com-Bericht: Forscher des Instituts für Geologie und Geophysik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und anderer Einrichtungen haben mithilfe von Mondbodenproben der Chang'e-6-Mission von der Mondrückseite erstmals aufgedeckt, dass es signifikante Unterschiede in der Art und Weise gibt, wie die Vorder- und Rückseite des Mondes Sonnenwindpartikel aufnehmen: Die Partikel auf der Rückseite haben eine höhere Energie und dringen tiefer in den Mondboden ein. Die Studie geht davon aus, dass die Ursache für diesen Unterschied in der Erdmagnetosphäre liegt. Die entsprechenden Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience“ veröffentlicht.

Die Wissenschaftler führten eine detailliertere Analyse der Edelgase im Mondboden von Chang'e-6 durch und verglichen diese mit Proben von der Mondvorderseite, die von Chang'e-5 mitgebracht wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Neon-Isotopenzusammensetzung der Chang'e-6-Proben signifikant niedriger ist als die aller bekannten Proben von der Vorderseite. Dieses Phänomen deutet darauf hin, dass die Mondrückseite einen extremeren Isotopenfraktionierungsprozess durchlaufen hat, bei dem die leichteren Neon-Isotope leichter entweichen können.
Der Unterschied in der Sonnenwind-Injektion zwischen Vorder- und Rückseite zeigt sich auch deutlich bei schwereren Edelgasen wie Krypton und Xenon. In Heizexperimenten wurden die aus dem Sonnenwind stammenden Edelgase in den Proben von der Vorderseite (Chang'e-5) sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Temperaturen freigesetzt, was ein bimodales Merkmal zeigt; die Proben von der Mondrückseite (Chang'e-6) zeigten dagegen nur einen einzelnen Peak bei hohen Temperaturen. Dr. Zhang Xuhang, Erstautor der Studie und Forscher am Institut für Geologie und Geophysik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, erklärte, dass dies darauf hindeutet, dass ein Teil der Sonnenwindpartikel im Mondboden der Vorderseite in geringerer Tiefe eingelagert ist, während die Partikel auf der Rückseite insgesamt tiefer eindringen.
Die Studie erklärt die Ursache des Unterschieds weiter: Wenn der Mond die Erdmagnetosphäre durchquert, sinkt die normale Sonnenwindgeschwindigkeit von etwa 400 km/s signifikant auf etwa 200 km/s. Dieser abgebremste „langsame Sonnenwind“ wirkt nur auf die Mondvorderseite ein, mit geringer Energie und flachem Eindringen; die Rückseite ist hingegen kontinuierlich dem nicht abgebremsten Sonnenwind ausgesetzt, der eine höhere Energie hat und daher tiefer eindringt.
Zhang Xuhang wies darauf hin, dass diese Studie erstmals mit materiellem Beweismaterial zeigt, dass das Erdmagnetfeld eine wesentliche geschwindigkeitsregulierende Wirkung auf den die Mondoberfläche erreichenden Sonnenwind hat. Die schweren Edelgase im Mondboden könnten als eine Art „fossile Aufzeichnung“ dienen, um die Grenzen der uralten Erdmagnetosphäre zu rekonstruieren und neue Hinweise zur Rückverfolgung des Entwicklungswegs des Erdmagnetfelds zu liefern.










