de.wedoany.com-Bericht: Deutschlands Chemie- und Pharmaindustrie konnte sich auch im ersten Halbjahr 2026 nicht aus der anhaltenden Krise befreien: Produktion und Umsatz gingen gleichermaßen zurück. Laut dem jüngsten Halbjahresergebnis des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) sank die Branchenproduktion im Jahresvergleich um rund 3 %, der Umsatz fiel um 1 % auf 106 Milliarden Euro. Besonders besorgniserregend: Die Investitionen in Immobilien, Anlagen und Ausrüstung gingen zum dritten Mal in Folge zurück und liegen nun 15 % unter dem Niveau von 2023.

VCI-Präsident Markus Steilemann bezeichnete dieses Ergebnis als „enttäuschend“ und betonte, dass eine leichte Erholung keine nachhaltige Wende bedeute. „Wir verschnaufen nur, es ist keine Trendwende“, so Steilemann. Der VCI führt die vorübergehende Stabilisierung des Inlandsgeschäfts auf besondere geopolitische Faktoren zurück, wie etwa die Schließung der Straße von Hormus, die den Wettbewerbsdruck aus Asien kurzzeitig milderte. Zudem legten Unternehmen vorsorglich Lagerbestände an, um mögliche Lieferengpässe aufgrund eines Golfkriegs zu vermeiden.
Trotz dieser temporären Effekte bleibt die Lage vieler Unternehmen schwierig. Die Exporte der Branche sind weiterhin schwach, und viele Produktionsanlagen sind nicht ausgelastet. Der VCI erwartet für das Gesamtjahr einen Produktionsrückgang von 1,5 %. Die deutsche Industrie steht unter enormem internationalem Wettbewerbsdruck: Hohe Energie- und Produktionskosten sowie bürokratische Hürden gelten als entscheidende Investitionshemmnisse. Besonders besorgniserregend ist die extrem niedrige Nettoinvestitionsquote in Deutschland, die einer Studie zufolge derzeit nur bei etwa 0,2 % der Wirtschaftsleistung liegt. In ganz Europa sinken die Kapazitäten, während es in Zukunftstechnologien an ausreichenden Investitionen mangelt.
Der VCI fordert umfassende Strukturreformen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland zu sichern. Steilemann betonte, das Reformpaket der Bundesregierung sei der „erste ernsthafte Versuch seit Jahren“, regulatorische Hürden abzubauen. Der Verband drängt auf wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern, niedrigere Arbeitskosten, schnellere Genehmigungsverfahren und weniger Bürokratie, um die ungünstigen Rahmenbedingungen zu verbessern. Trotz der aktuellen Herausforderungen sieht der VCI weiterhin großes Potenzial für den Industriestandort Deutschland. „Deutschland verfügt über eine industrielle Basis und Innovationskraft“, sagte Steilemann. „Jetzt ist es an der Zeit, diese Stärken wieder auszuspielen.“ Der Verband fordert einen Mentalitätswandel, mehr Veränderungsbereitschaft und Eigenverantwortung, um die Chancen des Wandels zu nutzen.










