de.wedoany.com-Bericht: Das Schweizer Startup Mimic Robotics hat eine sehnengetriebene Roboterhand namens Mimic Hand M1 vorgestellt, die Lasten von über 25 kg (55 Pfund) greifen und Kräfte von 0,1 Newton wahrnehmen kann – was der Wahrnehmung eines etwa 50 Gramm schweren Objekts entspricht. Gleichzeitig wurde das tragbare Datenerfassungsgerät Wearable U1 veröffentlicht.
Die Mimic Hand M1 verfügt über 15 aktive Freiheitsgrade an 21 Gelenken, einschließlich Fingerabduktion und opponierbarem Daumen. Ihr Design orientiert sich an der menschlichen Anatomie: Die Aktuatoren sind nicht in der Hand selbst, sondern im Unterarm untergebracht und steuern die Fingerbewegungen über Sehnen. Die Fingerspitzen sind mit taktilen Sensoren ausgestattet, die Normalkräfte, Scherkräfte und Kontaktpositionen messen und dem System zusätzliches Feedback jenseits der Computer Vision liefern.
Mimic Robotics betont, dass die Herstellung einer menschenähnlich beweglichen Roboterhand nur ein Teil der Herausforderung sei. Das Unternehmen verfolgt eine vertikale Integrationsstrategie und liefert die Roboterhand-Hardware, Datenerfassungswerkzeuge und KI-Modelle als vollständiges Plattformpaket aus, anstatt die Roboterhand separat zu verkaufen. Dieser Ansatz soll die sogenannte „Cross-Embodiment-Kluft“ vermeiden – die Schwierigkeit, KI-Modelle, die mit Videos menschlicher Hände trainiert wurden, auf völlig andere Werkzeuge (wie Zweifingergreifer) zu übertragen.
Das Unternehmen gibt an, dass die Architektur der Mimic Hand M1 für Kraftmessung, Haltbarkeit und langfristige Zuverlässigkeit in industriellen Umgebungen optimiert sei, um wiederholten Stößen und Dauerbetrieb standzuhalten.
Die Mimic Wearable U1 ist ein passives Exoskelett, dessen Kinematik mechanisch der Bewegung der M1-Hand entspricht und die Sensorausstattung wie taktile Sensoren und Handgelenkkamera nachbildet. Benutzer können durch das Tragen dieses Geräts bei der Ausführung von Aufgaben Daten sammeln, die zum Training von Roboter-KI verwendet werden, ohne direkt einen echten Roboter bedienen zu müssen. Stephan-Daniel Gravert, Chief Product Officer bei Mimic Robotics, erklärte, dass die Teleoperation von Robotern auf skalierbarer Ebene grundlegende Einschränkungen aufweise, weshalb dieses tragbare Gerät entwickelt wurde.
Darüber hinaus hat das Unternehmen die eigene Robotik-Middleware mimic-ipc entwickelt, um Kommunikationslatenzen zu reduzieren und die Synchronisation zwischen Sensoren und Robotersteuerung zu verbessern. CTO Elvis Nava erklärte, dass die Eigenentwicklung des gesamten Technologie-Stacks eine Kernstrategie von Mimic sei, wobei jede Systemkomponente intern entwickelt werde, um die Leistung der KI-Modelle für Roboter zu maximieren.
Im industriellen Bereich sind Aufgaben wie Montage, Elektronikhandhabung, Verpackung und Sortierung aufgrund der Notwendigkeit feiner Manipulation, wechselnder Greifpositionen und der Anpassung an unvorhersehbare Objekte seit langem schwer zu automatisieren. Roboterhände mit Kraft-, Tastsensorik und menschenähnlicher Bewegungsfähigkeit könnten das Aufgabenspektrum von Robotern erweitern, ohne auf hochspezialisierte Spezialgeräte angewiesen zu sein. Dieser Ansatz steht im Einklang mit dem Branchentrend, KI-Modelle mit Sensoren und physischen Robotern zu kombinieren, um „physische KI“-Systeme aufzubauen – Unternehmen wie NVIDIA, Figure AI und Sanctuary AI investieren in diese Richtung.










