EU plant für den 3. Juni die Einführung von Plänen zur Lokalisierung von Cloud-Diensten und Chips, öffentliche Beschaffung wird auf technologische Souveränität ausgerichtet
2026-06-02 11:09
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de.wedoany.com-Bericht: Die Europäische Kommission plant, am 3. Juni ein Paket von Maßnahmen zur technologischen Souveränität vorzulegen, das sich auf die lokale Beschaffung von Cloud-Diensten, Rechenzentren, Künstlicher Intelligenz-Systemen und Chips konzentriert. Die entsprechenden Pläne werden von der EU-Beauftragten für Technologiefragen, Henna Virkkunen, vorgestellt, mit dem Ziel, die Abhängigkeit der EU von US-amerikanischen Technologiegiganten und der ostasiatischen Halbleiterlieferkette bei kritischen digitalen Infrastrukturen zu verringern.

Ein Kernstück dieses Politikpakets ist die Einführung strengerer Souveränitätsanforderungen bei der Beschaffung von Cloud-Diensten für hochsensible öffentliche Sektoren. Nach dem Inhalt des bereits bekannt gewordenen Entwurfs plant die EU, bei nationalen Ausschreibungen in Schlüsselbereichen wie Banken, Energie und Gesundheitswesen nicht-preisliche Bewertungskriterien einzuführen. Dazu gehören, ob Software und Hardware innerhalb der EU entwickelt wurden, das Datenschutzniveau, ob die Regierung eines Drittstaates möglicherweise die Kontrolle über Daten und Dienste erlangen kann, sowie der Grad der Offenheit des Marktes, in dem der jeweilige Anbieter ansässig ist, für europäische Cloud-Dienste. Sollten diese Kriterien in den formellen Gesetzgebungsprozess einfließen, könnten sich die Zugangsbedingungen für US-amerikanische Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft und Google bei bestimmten strategischen öffentlichen Ausschreibungen deutlich verschärfen.

Die Europäische Kommission erwägt auch, selbst zur zentralen Beschaffungsstelle für Rechenzentren, Cloud-Computing, Software und KI-Systeme für EU-Institutionen und Mitgliedstaaten zu werden. Diese Regelung würde die dezentrale Beschaffung in eine stärker zentralisierte und politisch orientierte Bedarfsorganisation überführen und öffentliche Aufträge zu einem wichtigen Zugang für die Expansion europäischer lokaler Cloud-Dienste und digitaler Infrastrukturunternehmen machen. Für europäische Cloud-Anbieter werden Kriterien der technologischen Souveränität, Datenhoheit und lokale Kontrollfähigkeit zu Wettbewerbsfaktoren; für US-amerikanische Technologieunternehmen könnten die Einrichtung unabhängig betriebener Cloud-Regionen in Europa, die Gründung von Joint Ventures mit lokalen Unternehmen und die Stärkung lokaler Datenkontrollmechanismen zu notwendigen Bedingungen werden, um Kunden in sensiblen Branchen zu halten.

Die Genehmigung von Rechenzentren wird auch an die Verwendung lokaler Chips und Energieverbrauchsbeschränkungen geknüpft. Der Entwurf schlägt vor, Rechenzentren, die in Europa hergestellte Chips verwenden oder die Energiekosten senken, eine schnellere Genehmigung, bevorzugten Netzzugang und niedrigere Netzgebühren zu gewähren. Diese Regelung verbindet die Cloud-Dienst-Infrastruktur mit der Halbleiterindustrie-Politik: Einerseits möchte die EU das Angebot an lokalen Cloud-Diensten und KI-Infrastrukturen ausbauen, andererseits soll durch öffentliche Beschaffung und den Bau von Rechenzentren die Nachfrage nach europäischem Chipdesign, -fertigung und -anwendung stimuliert werden, um zu vermeiden, dass Chip-Projekte nur auf subventionierten Fabrikbau und Kapazitätsplanung beschränkt bleiben.

In der Chippolitik erwägt die EU die Einführung eines „Chip Act 2.0“-Ansatzes, der über die bestehenden Subventionen auf der Angebotsseite hinaus die Nachfrageseite stärken soll. Der Entwurf schlägt vor, durch einen „Nachfragebeschleuniger“, Beschaffungszusagen und ein Nachfrageforum europäische Chip-Anbieter mit öffentlichen Stellen und Industriekunden zu verbinden und durch öffentliche Innovationsbeschaffung Start-ups und wachsende Unternehmen in der EU zu unterstützen. Das Dokument erwähnt auch, dass das europäische Halbleiter-Ökosystem bis 2035 öffentliche und private Investitionen in Höhe von rund 120 Milliarden Euro benötigt, wovon etwa 30 Milliarden Euro für den Aufbau von Fertigungskapazitäten für fortschrittliche Halbleiterfertigung (Foundry) vorgesehen sind. Derzeit beträgt der Anteil Europas an der globalen Halbleiterproduktion etwa 10 %, und das ursprüngliche Ziel, diesen bis 2030 auf 20 % zu steigern, steht unter erheblichem Druck. Nachfrageseitige Mechanismen werden als wichtiges Mittel zur Vervollständigung des industriellen Kreislaufs angesehen.

Dieses Politikpaket benötigt noch die anschließende Unterstützung der EU-Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments, und der endgültige Text könnte sich vor oder nach der Veröffentlichung noch ändern. Seine Auswirkungen gehen bereits über den rein regulatorischen Bereich hinaus und entwickeln sich zu einer industriepolitischen Kombination, die sich auf öffentliche Beschaffung, Datenkontrolle, Recheninfrastruktur, Chip-Anwendungen und das Wachstum lokaler Unternehmen konzentriert. Der europäische Digitalmarkt war in der Vergangenheit lange Zeit von US-amerikanischen Cloud-Plattformen und globalen Chip-Lieferketten abhängig. Sollten die neuen Lokalisierungsmaßnahmen umgesetzt werden, würden sie die Bewertungslogik bei Cloud-Dienst-Ausschreibungen, dem Bau von Rechenzentren und der Chip-Beschaffung verändern und multinationale Technologieunternehmen auf dem europäischen Markt vor komplexere Compliance- und Lokalisierungsanforderungen stellen.

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