de.wedoany.com-Bericht: Das tschechische Architekturbüro Facha architekti hat in Brtev, einem Ortsteil von Lázně Bělohrad in der Tschechischen Republik, ein Umbauprojekt abgeschlossen, bei dem eine hundertjährige Scheune in ein modernes Wohnhaus umgewandelt wurde. Das Projekt trägt den Namen „La Caja en el Granero“ (Die Kiste in der Scheune). Anstatt abzureißen und neu zu bauen, fügte das Designteam einen eigenständigen Wohnkörper in die bestehende landwirtschaftliche Struktur ein.
Das Projekt war ursprünglich für die saisonale Nutzung geplant, doch durch Dämmung und Fußbodenheizung wird auch im Winter der Wohnkomfort gewährleistet. Die Scheune selbst fungiert als natürliche Klimabarriere und schützt den inneren Baukörper vor sommerlicher Überhitzung und widrigen Witterungseinflüssen.

Der erste Eindruck fasst den Kern des Projekts zusammen: altes Holz und schwarzer Asphalt – visuelle Gegensätze, die Jahrhunderte trennen, existieren im selben Bild nebeneinander. Der neue Baukörper versucht nicht, mit der Scheune zu verschmelzen, sondern zeigt sich bewusst zeitgenössisch, strukturell unabhängig und visuell ehrlich. Die Spannung zwischen Alt und Neu ist kein zu lösendes Problem, sondern das zentrale Thema des Projekts.

Eine der bedeutungsvollsten gestalterischen Maßnahmen ist, dass der eingefügte Baukörper leicht über dem Boden der ursprünglichen Scheune angehoben wurde. Der historische Boden der Tenne erstreckt sich weiterhin ungehindert unter der neuen Struktur und bleibt unverändert. Diese Entscheidung respektiert das Gedächtnis des Ortes und verstärkt die Idee, dass das Neue ein Gast und nicht der Herr ist.

Die Architekten identifizierten eine visuelle Achse, die durch beide Seiten der Scheune verläuft – vom Innenhof über den alten Apfelgarten bis zur offenen Landschaft. Die Innenraumaufteilung, die Position der großen Panoramafenster und der Esstisch sind entlang dieser Achse angeordnet.

Küche, Bad und Stauraum sind in einem kompakten, schwarzen MDF-Volumen untergebracht, das einen Kontrast zur Wärme des umgebenden Birkenholzes bildet. Dies ist das einzige Element, das farblich an die Außenhülle des Gebäudes anknüpft und so eine farbliche Kontinuität zwischen Innen und Außen schafft.

Das Projekt wurde im vergangenen Jahr fertiggestellt und vom vierköpfigen Büro Facha architekti entworfen. Das Büro gibt an, dass seine Arbeit auf rationaler Analyse basiert, hält jedoch Intuition und Leidenschaft für unersetzlich und oft wichtiger als präzise Parameter.

Das Projekt bietet eine andere Antwort auf Nachhaltigkeit: sich an das Vorhandene anpassen, anstatt abzureißen und von vorne zu beginnen. Die Erhaltung der Struktur, die Achtung der Eigenheiten und die Verlängerung der Nutzungsdauer werden zur Kernstrategie.

Im Innenraum setzt das Projekt auf Zurückhaltung, ohne Dekoration oder überflüssige Gesten. Natürliche Materialien übernehmen die gesamte Wirkung und schaffen einen warmen und stimmigen modernen Raum.
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