de.wedoany.com-Bericht: Am Swiss EA Connect Day 2026, der an der FFHS (Fernfachhochschule Schweiz) in Zürich stattfand, diskutierten Fachleute über das Thema digitale Souveränität. Die von BOC Schweiz und Adesso Schweiz organisierte Veranstaltung beleuchtete die neuen Herausforderungen, denen Organisationen angesichts geopolitischer Spannungen, schwankender US-Regierungspolitik und der zunehmenden Integration von Künstlicher Intelligenz in Geschäftsprozesse in Bezug auf Datenkontrolle, Regelungsautonomie und Systemabhängigkeiten gegenüberstehen.

Prof. Matthias Stürmer von der Berner Fachhochschule und Leiter des Instituts Public Sector Transformation wies darauf hin, dass Lock-in-Effekte in der Wirtschaft nicht neu seien, etwa bei Druckerpatronen oder Kapselkaffeemaschinen, wo Hersteller traditionell versuchten, Kunden an ihre Produkte zu binden. Stürmer betonte, dass die aktuelle politische Schärfe der Debatte auf steigende Lizenzkosten, die Marktmacht grosser Anbieter sowie Fragen des Datenzugriffs und des Vertrauens zurückzuführen sei. Der US Cloud Act und politischer Druck hätten die Risikobewertung verändert. Stürmer zufolge solle digitale Souveränität Organisationen nicht von der Welt isolieren, sondern ihre Handlungsfähigkeit stärken; der Schlüssel liege in der Wahlfreiheit: Organisationen müssten Alternativen kennen, Anbieter wechseln und kritische Systeme kontrollieren können.

Stürmer sieht Open Source in einer zentralen Rolle, da Open-Source-Software Wettbewerb und Wechselmöglichkeiten schaffe. Er verwies auf Alternativen zu Microsoft 365, in die der deutsche öffentliche Sektor investiere, und auf die Integration bestehender Open-Source-Plattformen. In der Schweiz hätten die Kantonsregierungen seit 2017 über 40 Motionen zur digitalen Souveränität eingereicht; der Ständerat habe kürzlich die Motion von Heidi Z'graggen für ein „Förderprogramm zur Stärkung der digitalen Souveränität der Schweiz“ angenommen. Das im Juli 2025 gegründete „Netzwerk SDS – Souveräne Digitale Schweiz“ zähle bereits über 200 Organisationen und ziele darauf ab, Akteure zu vernetzen und Fachwissen zu bündeln.
Aiko Frank, Enterprise Architect bei der Emmi Schweiz, zeigte die Unternehmenspraxis auf. Er betonte, dass die Betriebssicherheit oberste Priorität habe; kritische Produktionssysteme liefen weiterhin im eigenen Rechenzentrum, während andere Anwendungen in die Cloud verlagert werden könnten. Emmi verwalte über 500 Anwendungen nach Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Geschäftsrelevanz und sichere die digitale Souveränität durch Überblick und Priorisierung.
Matthew Turnbull, Consulting Director bei Adesso Schweiz, erklärte, dass digitale Souveränität für jede Organisation eine andere Bedeutung habe und es keine universelle Lösung gebe. Felix Meentken, Managing Director der BOC Schweiz, meinte, dass digitale Souveränität zunächst sichtbar gemacht werden müsse; Enterprise Architecture Management (EAM) solle diese Transparenz schaffen, um Prozesse, Anwendungen, Daten und Infrastruktur zu dokumentieren und kritische Abhängigkeiten aufzuzeigen.

Hélène Mourgue d'Algue, Chief Information Officer der Stadt Biel, betonte, dass es bei digitaler Souveränität vor allem auf die Fähigkeit ankomme, den Anbieter zu wechseln, und nicht darauf, alles selbst zu betreiben. Sie erwähnte, dass Biel inzwischen rund 95 % seiner Systeme samt Schnittstellen modelliert habe. Syrian Hadad, CTO von Adesso Schweiz und ehemaliger CTO des Kantons Aargau, führte aus, dass mit Open-Source-Technologie, Automatisierung und entsprechendem Fachwissen auch eigene Plattformen effizient betrieben werden könnten. Der Konsens der Diskussion war, dass digitale Souveränität mit Transparenz beginne: Organisationen müssten zunächst ihre eigenen Systeme, Daten und Abhängigkeiten verstehen.
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