de.wedoany.com-Bericht: Deutsche Glasfasernetzbetreiber setzen auf eine abschnittsweise Aktivierungsstrategie, um auf das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zum Beginn der Glasfaservertragslaufzeit zu reagieren. Dieses Urteil besagt, dass Glasfaseranschlussverträge ab dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses sofort in Kraft treten, nicht erst ab der tatsächlichen Verfügbarkeit. Dies bedeutet, dass die zweijährige Vertragsbindung für Nutzer ab dem Abschlussdatum beginnt und sie den Anbieter zu einem früheren Zeitpunkt wechseln können, was sich nachteilig für die Netzbetreiber auswirkt.
Die GVG Glasfaser mit Sitz in der Gemeinde Kirchdorf im Landkreis Diepholz treibt das Glasfasernetz namens „Licht im Rücken“ voran. Die Funktionsweise: Sobald ein Netzabschnitt fertiggestellt ist, wird er sofort an einen bereits aktiven Hauptverteiler angeschlossen und in Betrieb genommen, sodass die Haushalte den Anschluss aktivieren können, ohne auf den Abschluss des gesamten Ausbauprojekts warten zu müssen. In Kirchdorf plant GVG Glasfaser, 1.300 Haushalte anzuschließen. Am 17. Juni 2026 fand vor einem der beiden zentralen Glasfaserverteiler in der Gemeinde der offizielle Spatenstich statt. Dank „Licht im Rücken“ sollen die Tiefbauarbeiten voraussichtlich im August dieses Jahres abgeschlossen sein.

Ähnlich verhält es sich in Sulingen. Auch hier setzt GVG auf „Licht im Rücken“ und baut abschnittsweise mit zwei parallel eingesetzten Baufirmen aus. Die ersten Glasfaseranschlüsse sollen voraussichtlich im Juli aktiviert werden. Der Spatenstich in Sulingen erfolgte am 16. Juni 2026. GVG plant, in der gesamten Stadt 7.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten anzuschließen; das Projekt soll voraussichtlich Ende des ersten Quartals 2027 abgeschlossen sein.

Die Netzbetreiber stehen vor der Herausforderung steigender Kosten, da höhere Baukosten und Zinssätze die Ausgaben für Glasfasernetze in die Höhe treiben. Für diejenigen Einwohner in Kirchdorf und Sulingen, die sich kurzfristig für einen Anschluss entscheiden, ist der Glasfaseranschluss nicht mehr kostenlos. Interessierte Haushalte können einen Tarif unter der Marke nordischnet abschließen, müssen jedoch 399 Euro für den Glasfaseranschluss zahlen. Bei der NetCom BW in Malsch im Landkreis Karlsruhe, einer Tochtergesellschaft der EnBW, begannen die Bauarbeiten, nachdem sich 69 % der Eigentümer für einen Glasfaseranschluss entschieden hatten. NetCom BW errichtet FTTB-Anschlüsse für rund 1.500 Gebäude in den Ortsteilen Malsch, Burbach, Frauenalb, Pfaffenrot und Schielberg und verlegt auf 51 % der Gesamtstrecke koordiniert Stromkabel für fast 600 Haushalte. Das Projekt soll vor Ende 2028 abgeschlossen sein. Anschlusslängen bis zu 15 Metern werden von NetCom BW getragen; ab dem 16. Meter zahlen die Eigentümer 120 Euro pro Meter (inkl. MwSt.).
Auch im Versorgungsgebiet des Betreibers Stiegeler ist der Glasfaseranschluss kostenpflichtig. In Bad Krozingen-Tunsel im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald verlangt Stiegeler bei einer Anschlusslänge von unter 10 Metern 750 Euro. Für den Anschluss von 500 Gebäuden investiert das Unternehmen rund 1,2 Millionen Euro; die Bauarbeiten sollen im Juli beginnen. Stiegeler investiert zudem 1 Million Euro in das Glasfasernetz für 250 Gebäude im Stadtteil Bittelbronn der Stadt Horb am Neckar; die Anschlussgebühr für kurzfristig entschlossene Kunden beträgt 980 Euro. In Morbach-Hunolstein im Landkreis Bernkastel-Wittlich baut die zum E.ON-Konzern gehörende Westconnect ein Glasfasernetz für 140 Haushalte. Die Bauarbeiten begannen am 15. Juni 2026 und dauern bis Ende September. Bis dahin ist der Glasfaseranschluss kostenlos, sodass die Bewohner Baukosten in Höhe von 1.500 Euro sparen können; bei gleichzeitiger Buchung eines E.ON-Internettarifs entfällt auch die Aktivierungsgebühr von rund 400 Euro.

Um Kosten zu decken, verstärken die Netzbetreiber die Zusammenarbeit mit Internetdienstanbietern (ISP), um die Netzauslastung zu erhöhen und die Einnahmen zu steigern – sofern der Gesetzgeber nicht eingreift.
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