de.wedoany.com-Bericht: Ein kürzlich vom BEGONIA-Projekt veröffentlichtes Vorschau-Dokument weist darauf hin, dass die Betriebliche Digitale Plattform (ODP) als digitale Infrastruktur für die sektorübergreifende und grenzüberschreitende Vernetzung und Koordination der europäischen Energie- und Verkehrssysteme dienen kann. Dieses Konzept wurde in drei grenzüberschreitenden Anwendungsfällen technisch validiert.
Die Energie- und Verkehrssysteme Europas werden zunehmend vernetzter, verteilter und digital gesteuert. Der Dekarbonisierungsprozess, die Integration erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung des Verkehrs und die wachsende Bedeutung der Datenverwaltung verändern die Art und Weise, wie diese Systeme verwaltet und koordiniert werden. BEGONIA ist eine von der EU finanzierte Koordinierungs- und Unterstützungsmaßnahme, die darauf abzielt, Betriebliche Digitale Plattformen (ODP) im europäischen Energie- und Verkehrssektor zu identifizieren, zu analysieren und für deren Einsatz vorzubereiten. Durch die Bewertung grenzüberschreitender und sektorübergreifender Anwendungsfälle hat das Projekt die Einsatzvorbereitung für drei ODPs durchgeführt und ein strukturiertes Verständnis der technischen, regulatorischen und Governance-Bedingungen solcher Plattformen gefördert.
Eine Betriebliche Digitale Plattform wird als eine digitale Infrastruktur definiert, die Daten in betrieblichen Wert umwandelt und eine Echtzeit-Koordination über Systeme, Organisationen, Sektoren und Länder hinweg in einem interoperablen und verwalteten Rahmen ermöglicht. Ihre Rolle besteht nicht darin, bestehende Systeme zu ersetzen, sondern sie zu verbinden und zu koordinieren. ODPs werden nicht als organisationsspezifische Systeme betrachtet, die um die Interessen eines einzelnen Unternehmens oder Mitgliedsstaates herum aufgebaut sind, sondern als strategische Infrastruktur, die europäische Ziele wie Dekarbonisierung, Resilienz, Energiesicherheit und digitale Souveränität unterstützt.
Aus technischer Architekturperspektive sind die meisten ODPs um vier miteinander verbundene Schichten herum aufgebaut. Die Wahrnehmungsschicht sammelt Echtzeitdaten von physischen Anlagen (wie Sensoren, intelligenten Stromzählern, Ladepunkten und Netzinfrastrukturkomponenten). Die Middleware-Schicht koordiniert heterogene Datenquellen und ermöglicht einen sicheren Austausch gemäß den europäischen Datenraumstandards. Die Dienstschicht nutzt Analyse- und Optimierungswerkzeuge, um Daten in betriebliche Entscheidungen umzuwandeln. Die Geschäftsschicht liefert Ergebnisse über Dashboards, Warnmeldungen und Koordinationstools und unterstützt Compliance- und Finanzmanagementfunktionen. Eine ODP muss keine mit ihr verbundenen Anlagen oder Dienste besitzen; die physische Infrastruktur bleibt unter der Kontrolle der Betreiber, und Softwaredienste können von Dritten bereitgestellt werden.
BEGONIA hat die Fähigkeiten von ODPs in verschiedenen Szenarien durch drei Konzeptnachweise getestet. Der erste Anwendungsfall ist eine kundenorientierte Strom-ODP, die den Verbraucher in den Mittelpunkt des Energiesystems stellt und eine Echtzeit-Nachfrageflexibilität, die Teilnahme an virtuellen Energie-Communities, den automatischen Anbieterwechsel und KI-basierte Netzempfehlungen ermöglicht. Dies demonstriert die Fähigkeit, Erzeuger-Verbraucher, Netzbetreiber und Dienstleister innerhalb eines einzigen Governance-Rahmens zu koordinieren.

Der zweite Anwendungsfall ist eine KI-gesteuerte ODP für Elektrofahrzeuge, Elektro-Lkw, erneuerbare Energien und das Stromnetz, die entlang des Korridors Österreich-Ungarn-Slowenien betrieben wird und die Ladeinfrastruktur, Elektrofahrzeugflotten, erneuerbare Stromerzeugung und den Netzbetrieb in Echtzeit koordiniert. Dies zeigt, wie verteilte Verkehrsanlagen zu Flexibilitätsressourcen werden können.

Der dritte ist eine ODP zur Digitalisierung von Rechenzentren, die Rechenzentrumsbetreiber, Netzbetreiber, Produzenten erneuerbarer Energien und Fernwärmenetze in Dänemark, Deutschland und Finnland verbindet. Sie ermöglicht eine kohlenstoffbewusste Planung von Rechenarbeitslasten und die koordinierte Abwärmenutzung und erweitert das ODP-Konzept auf die digitale Infrastruktur selbst.

Das Forschungsteam weist darauf hin, dass im europäischen digitalen Ökosystem bereits viele notwendige technische Bausteine vorhanden sind, die Entwicklung von Governance-, Regulierungs- und Interoperabilitätsrahmen jedoch weiterhin eine zentrale Herausforderung darstellt. Zu diesen Herausforderungen gehören regulatorische Fragmentierung zwischen den Mitgliedsstaaten, rechtliche Komplexität an den Sektorgrenzen, sich entwickelnde Datenraumstandards sowie die Gestaltung vertrauenswürdiger und kommerziell nachhaltiger Governance-Modelle. Die vollständigen Ergebnisse, einschließlich der formalen Definition von ODPs, Architekturprinzipien, Governance-Überlegungen und Einsatzleitlinien, werden in den folgenden BEGONIA-Whitepapers und Referenzdokumenten vorgestellt.
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