de.wedoany.com-Bericht: Die Schindler-Gruppe sieht in der adaptiven Wiederverwendung einen zentralen Weg für die zukünftige Stadterneuerung und bietet mit ihrem MetaCore-System eine programmierbare Lösung für die vertikale Erschließung bestehender Gebäude. Nach der COVID-19-Pandemie führte die Zunahme von Fernarbeit zu einem massiven Leerstand von Büroflächen in den wichtigsten Städten der Welt. Edward Glaeser, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Harvard University, und Carlo Ratti, Direktor des Senseable City Lab am MIT, wiesen darauf hin, dass allein die leerstehenden Büroflächen in New York City der Fläche von 26 Empire State Buildings entsprechen. Schindler prognostiziert, dass bis 2050 noch 80 % der bestehenden Gebäude genutzt werden.

Die moderne Stadtplanung ist stark von Le Corbusiers Idee der funktionalen Zonierung geprägt. Wolkenkratzer entwickelten sich zu hochspezialisierten Büromaschinen, deren technische Systeme, Brandschutzvorschriften und vertikale Erschließung auf den Massenstrom zu festen Zeiten ausgelegt sind. In den 1970er- und 1980er-Jahren entstand in den globalen Central Business Districts (CBDs) eine Skyline aus Glastürmen mit monofunktionaler Nutzung, deren Anfälligkeit sich unter dem Einfluss der Pandemie zeigte. Immobilienspekulation und die Abhängigkeit vom Auto verstärkten die funktionale Trennung weiter, wodurch Büro-, Wohn- und Gewerbenutzung streng voneinander getrennt wurden.

Dr. Florian Troesch, Leiter des globalen Digitalgeschäfts der Schindler-Gruppe, betont, dass Gebäude „vertikale Resilienz“ benötigen – also nicht nur die Anpassung an eine einmalige Veränderung, sondern die kontinuierliche Anpassung an sich wandelnde Anforderungen. Herkömmliche Aufzüge nutzen separate Schächte für verschiedene Funktionen, was zwar die Privatsphäre schützt, den Turm aber auf seine ursprüngliche Nutzung festlegt. Das MetaCore-System von Schindler ersetzt diese starre Konstruktion durch einen softwaredefinierten, programmierbaren Kern. Eine Gruppe von Kabinen bedient mehrere Funktionen wie Büro, Wohnen und Hotel, wobei die Trennung und das Nutzererlebnis durch Algorithmen in Echtzeit verwaltet werden, um funktionale Flexibilität zu ermöglichen.

Der Omniturm in Frankfurt ist ein Anwendungsbeispiel dieser Technologie. Büro-, Wohn- und ergänzende Nutzungen koexistieren, wobei jede Nutzergruppe das Gefühl hat, das Gebäude sei speziell für sie konzipiert. Das PORT-System von Schindler identifiziert Nutzer über eine App, einen Ausweis oder Gesichtserkennung. Ein Algorithmus weist Aufzüge basierend auf Zielort und Nutzerkategorie zu. Die gemeinsam genutzten Kabinen wechseln im Laufe des Tages ihren Modus, um sowohl Effizienz als auch personalisierte Wege zu gewährleisten.

Für die Umnutzung bestehender Bürogebäude hat Schindler gemeinsam mit Architekten eine Reihe von Etagenlayout-Strategien entwickelt. Im „Zickzack“-Design beispielsweise verzweigen sich die oberen und unteren Teile von Maisonette-Wohneinheiten zur Fassade hin und nutzen Hohlräume, um Tageslicht hereinzulassen. Andere Konzepte stapeln oder versetzen Funktionen vertikal, sodass Büro-, Einzelhandels- und Wohnnutzung auf derselben Etage koexistieren können. Diese Konfigurationen verwandeln monofunktionale Büroflächen durch die Modernisierung des vertikalen Transportsystems und die Neugestaltung der Etagengeometrie in anpassungsfähigere Mischnutzungssysteme.

Vor der Sanierung führt Schindler Simulationen auf Basis von Gebäudepopulation, Nutzungsströmen, Fahrgastgruppierungen und Aufzugsparametern durch, um die Reisezeiten und Interaktionsmuster verschiedener Nutzergruppen zu modellieren. Die Simulation kann die Auswirkungen von Trennungsanforderungen auf die gemeinsame Kapazität präzise bewerten und so die Anzahl der Funktionen bestimmen, die der Turm unterstützen kann. Das MetaCore-System fördert auch die finanzielle Resilienz: Eigentümer können durch diversifizierte Einnahmequellen auf Marktveränderungen reagieren, die Lebensdauer von Vermögenswerten verlängern und gleichzeitig den im Gebäude gebundenen Kohlenstoff erhalten.

Dieser technologische Ansatz wird als strategisches Element der Stadtentwicklung betrachtet. Indem es Gebäuden ermöglicht, ihre Nutzung zu ändern, ohne den Kern neu zu bauen, entfaltet das MetaCore-System das volle Potenzial der adaptiven Wiederverwendung und unterstützt Städte dabei, die funktionale Anordnung zukünftiger Gebäude innerhalb bestehender Hüllen neu zu gestalten.




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