Daimler Truck und KEYOU bringen 2027 Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor auf den Markt
2026-06-24 14:37
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de.wedoany.com-Bericht: Die Daimler Truck AG und die KEYOU GmbH haben eine Partnerschaft geschlossen, um den wasserstoffbetriebenen Verbrennungsmotor als ergänzende Antriebslösung für den Straßengüterverkehr zur Marktreife zu bringen. Ziel der Zusammenarbeit ist es, eine kurzfristig verfügbare, wirtschaftlich tragfähige und robuste Technologie bereitzustellen, die bestehende dekarbonisierte Antriebslösungen ergänzt. Als technische Grundlage dienen bestehende Fahrzeug- und Motorenmodelle von Daimler Truck, um eine schnelle Entwicklung und Markteinführung zu ermöglichen; KEYOU ist für die Wasserstoffumrüstung zuständig, bei der der Dienstleister des Münchner Unternehmens die Fahrzeuge und Motoren entsprechend modifiziert. Die entsprechenden Vereinbarungen wurden unterzeichnet, der Marktstart wird für 2027 erwartet.

„Die Straßengüterverkehrsbranche benötigt verschiedene Antriebslösungen für unterschiedliche Anwendungsszenarien. Wasserstoff kann sowohl in Brennstoffzellen als auch in Verbrennungsmotoren eingesetzt werden. Durch die Zusammenarbeit mit KEYOU nutzen wir die Expertise eines Spezialisten, um die Wasserstoffverbrennungstechnologie schnell und effizient auf den Markt zu bringen", sagte Andreas Gorbach, Vorstandsmitglied von Daimler Truck, verantwortlich für Lkw-Technologie. Thomas Korn, CEO und Mitgründer der KEYOU GmbH, erklärte: „Die Partnerschaft mit Daimler Truck ist ein wichtiger Schritt, um die KEYOU-inside-Technologie zur industriellen Anwendung zu bringen. Durch die Zusammenarbeit können wir die Entwicklung und Skalierung wasserstoffbasierter Antriebslösungen im Nutzfahrzeugbereich deutlich beschleunigen und so einen konkreten Beitrag zur Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs leisten."

Daimler Truck verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Entwicklung von Verbrennungsmotoren und erforscht die Wasserstoffverbrennungstechnologie seit Jahren in fortschrittlichen Engineering-Aktivitäten. Für die Markteinführung hat sich das Unternehmen für ein Kooperationsmodell entschieden. KEYOU ist auf die Umrüstung bestehender Motorplattformen auf Wasserstoff-Antriebssysteme spezialisiert und verfolgt einen Entwicklungsansatz, der auf serienreifen Fahrzeugen basiert. Durch diese Arbeitsteilung kann Daimler Truck die Forschungs- und Entwicklungsausgaben optimieren und gleichzeitig eine schnelle Markteinführung erreichen. Neben der Fahrzeugentwicklung ist auch die langfristige Kundenbetreuung ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit; beide Seiten planen, zu prüfen, wie bestehende Service- und Wartungssysteme genutzt werden können, um Flottenbetreibern eine höhere Betriebszuverlässigkeit und Verfügbarkeit zu bieten.

Gemäß der Vereinbarung plant Daimler Truck, KEYOU die Mercedes-Benz Actros L 1848 Zugmaschine sowie Motoren auf Basis der 12,8-Liter-Motorplattform aus dem Werk Mannheim zu verkaufen. Das in München ansässige Unternehmen KEYOU wird diese zu Wasserstoff-Verbrennungsmotoren umrüsten. Die technische Umrüstung der Fahrzeuge und die Integration der KEYOU-inside-Motoren erfolgen mit Unterstützung qualifizierter externer Umrüstungspartner.

Die daraus resultierende Zugmaschine KEYOU HICE.40 hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 40 Tonnen und verwendet 350 bar komprimierten Wasserstoff. Laut Hersteller beträgt die Reichweite bis zu 650 Kilometer, die Leistung bis zu 350 kW, und sie ist mit einem Saugrohreinspritzsystem (PFI) ausgestattet, das eine bewährte und zuverlässige Lösung für anspruchsvolle Transportaufgaben bietet. Langfristig ist die Technologie auch auf andere Fahrzeugmodelle erweiterbar.

KEYOU wird diese Fahrzeuge anschließend an Kunden liefern und möglicherweise mit einem vom deutschen Bundesministerium für Verkehr geförderten Projekt zur Entwicklung der Wasserstofftank-Infrastruktur kombinieren, um die Wasserstoffnachfrage und den Infrastrukturausbau zu fördern. Daimler Truck unterstützt die Entwicklung von Tankstellen, die sowohl gasförmigen als auch flüssigen Wasserstoff abgeben können, sodass alle gängigen Wasserstoffformen an einer Station angeboten werden können, ähnlich wie heute Benzin- und Dieseltankstellen. Dieses integrierte Modell trägt zur Entwicklung einer einheitlichen Infrastruktur bei und senkt die Kosten durch eine höhere Auslastung. Derzeit verwenden die Verbrennungsmotoren gasförmigen Wasserstoff, aber eine zukünftige Weiterentwicklung hin zur Flüssigwasserstofftechnologie ist möglich, wie sie bereits bei den Brennstoffzellen-Lkw von Daimler Truck erprobt wird.

Ab Ende 2027 könnten Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor in Serie auf den Markt kommen und so einen messbaren nachhaltigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs leisten. Daimler Truck verfolgt eine Zwei-Wege-Strategie, um das Fahrzeugportfolio durch batterieelektrische und wasserstoffbetriebene Technologien zu dekarbonisieren. Batterieelektrische Lkw eignen sich für vorhersagbare Routen, einschließlich schwerer Fernverkehrstransporte, und decken einen großen Teil der Kundenanwendungen ab. Die Brennstoffzellentechnologie bietet Vorteile im flexiblen und anspruchsvollen Fernverkehr; in Kombination mit der Flüssigwasserstofftechnologie sind Reichweiten von über 1.000 Kilometern bei kurzen Betankungszeiten möglich. Der Wasserstoff-Verbrennungsmotor zeichnet sich durch hohe Robustheit, eine im Vergleich zum Brennstoffzellensystem geringere Systemkomplexität und geringere Änderungen an der bestehenden Fahrzeugarchitektur aus und eignet sich daher für Anwendungen mit hoher Nutzlast. Aufgrund seiner kompakten Bauweise, die in den vorhandenen Motorraum passt, und der Nutzung bestehender industrieller Systeme kann diese Technologie zu geringeren Kosten implementiert werden. Daher stellen Lkw mit Brennstoffzelle oder Wasserstoff-Verbrennungsmotor zusammen mit batterieelektrischen Lkw aus Kundensicht eine sinnvolle ergänzende Lösung dar.

Wasserstoff wird eine Schlüsselrolle bei der Dekarbonisierung mehrerer Industriezweige spielen, darunter die Stahlindustrie und nahezu alle energieintensiven Branchen. Die Herausforderungen bei der Infrastruktur und Energieversorgung unterstreichen auch die Notwendigkeit von Wasserstoff im Straßengüterverkehr. Mit der fortschreitenden Elektrifizierung in Europa wird das Stromnetz zunehmend belastet; der Ausbau der Hochspannungsnetze erfordert viel Zeit und Investitionen. Der parallele Aufbau einer Strom- und Wasserstoffinfrastruktur wäre schneller und kosteneffizienter. Vor dem Hintergrund der jüngsten geopolitischen Entwicklungen ist Europa weiterhin stark von Importen fossiler Energien abhängig. Wasserstoff als global handelbarer, erneuerbarer und nahezu unerschöpflicher Energieträger trägt zur Erhöhung der Energiesicherheit und zur Entlastung des Energiesystems bei und stärkt gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Straßengüterverkehrs. Die industrielle Basis, die technologischen Fähigkeiten und die Fertigungssysteme in Europa bieten eine solide Grundlage für die weitere Entwicklung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie und ermöglichen so eine langfristige Wertschöpfung.

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