de.wedoany.com-Bericht: Das Londoner Fintech-Unternehmen MDOTM hat eine Wachstumsfinanzierungsrunde über 27 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Expedition Growth Capital. Ziel ist es, mit der KI-Plattform Sphere die mühsamen Prozesse zu ersetzen, bei denen Vermögensverwalter in der Middle-Office-Abteilung Portfolios noch mit Tabellenkalkulationen verwalten. Das 2015 gegründete Unternehmen mit Niederlassungen in New York und Mailand hat nach dieser Runde insgesamt 36,5 Millionen US-Dollar eingesammelt.

Sphere bedient derzeit über 60 Finanzinstitute und verwaltet ein Vermögen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Zu den Kunden zählen Morgan Stanley, Amundi und die Zurich Bank. Die neuen Mittel sollen für die Einstellung von Personal und den Ausbau der Marktpräsenz in den USA und Europa verwendet werden.
Die Kernfunktion von Sphere konzentriert sich auf die täglichen Abläufe vor und nach Anlageentscheidungen: Die Plattform liest Markt- und Makrodaten, erkennt veränderte Bedingungen, ermöglicht es Investmentteams, eigene Einschätzungen einzugeben, erstellt und gleicht Portfolios automatisch neu aus und verfasst über eine generative KI-Schicht Kundenberichte und Kommentare. Die Plattform ist in drei Module unterteilt: Das erste überwacht das Marktumfeld und generiert vorausschauende Signale; das zweite, Portfolio Studio, erstellt und gleicht Portfolios auf Basis von Signalen und Manageransichten neu aus; das dritte, StoryFolio, ist für das Verfassen von Kundenberichten zuständig. Die technologische Basis bildet das MDOTM Lab, ein akademisches Netzwerk aus über 20 Professoren und Doktoren, das sich mit maschinellem Lernen, Portfoliotheorie und KI-Ethik befasst.
MDOTM setzt genau dort an, wo die Vermögensverwaltungsbranche häufig vor einem Dilemma steht: Die Verwaltungsgebühren stehen unter Druck, während Kunden hochgradig individualisierte Portfolios verlangen – eine reine Aufstockung des Analysepersonals ist nicht nachhaltig. Steve Twomey, Partner des federführenden Investors Expedition, weist darauf hin, dass die Middle-Office-Arbeit immer noch in Tabellenkalkulationen steckt – das Neugewichten, das Sicherstellen der Übereinstimmung von Portfolios mit den Unternehmensansichten und das Erstellen von Kundenkommentaren seien genau die Bereiche, in denen KI echten Mehrwert bieten könne.
Im Wettbewerbsumfeld ist MDOTM kein Einzelfall. In den USA hat ein von ehemaligen Citadel-Quant-Analysten gegründetes Unternehmen 78 Millionen US-Dollar eingesammelt, um KI-Systeme für Vermögensverwalter zu bauen; große Banken wie Starling bringen ebenfalls eigene intelligente Assistenten auf den Markt. Die Logik der Automatisierung regulierter Middle-Office-Prozesse breitet sich von der Finanzbranche auf Bereiche wie Recht und Medizin aus. Die europäische Fintech-Branche steht vor einer Konsolidierung, von der Akteure mit stabilen Unternehmensverträgen eher profitieren dürften.
Der Verkauf von KI an Investmentinstitute ist mit Vertrauensherausforderungen verbunden: Vermögensverwalter müssen gegenüber Aufsichtsbehörden rechenschaftspflichtig sein und vertrauen Black-Box-Tools nicht. MDOTM ist im Vereinigten Königreich als benannter Vertreter unter der Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) tätig. Die Strategie besteht darin, auf der letztendlichen Verantwortung des Menschen zu bestehen und die KI ihre Entscheidungsprozesse offenlegen zu lassen. CEO Tommaso Migliore erklärt, dass Vermögens- und Anlageverwalter nicht mehr darüber diskutieren, ob sie KI einsetzen sollen, sondern wie sie KI unter Wahrung der Kontrolle über Tausende von Portfolios in großem Maßstab einsetzen können. Die Finanzierungsrunde brachte auch zwei erfahrene Vorstandsmitglieder: Twomey und James Hays, ehemaliger CEO von Wells Fargo Advisors mit fast 40 Jahren Branchenerfahrung.
Expedition neigt dazu, Softwareunternehmen zu unterstützen, die mit minimalen externen Mitteln gewachsen sind – was zu MDOTM passt, das mit insgesamt 36,5 Millionen US-Dollar über ein Jahrzehnt hinweg seine aktuelle Phase erreicht hat. Die Wette des Investors: Die triste Middle-Office-Welt der Finanzbranche wird zum nächsten Einzugsgebiet für KI-Kapitalströme.









