de.wedoany.com-Bericht: EnviTec Biogas hat auf der Hauptversammlung die strategische Neuausrichtung auf die Produktion von Biomethan klargestellt. Das Unternehmen räumte ein, dass trotz stabiler operativer Leistung regulatorische Gegenwinde die Ertragslage weiterhin belasten.
Vorstand und Aufsichtsrat stellten auf der Versammlung die Neupositionierungsstrategie, die jüngsten Erfolge bei Ausschreibungen der deutschen Bundesnetzagentur, die finanzielle Entwicklung 2025 sowie zukunftsgerichtete Investitionspläne vor. Die Aktionäre stimmten der vollständigen Thesaurierung der Gewinne zu und billigten den Vorschlag, für das Geschäftsjahr 2025 keine Dividende auszuschütten.
Im Jahr 2025 sank der Konzerngewinn trotz höherer Gesamtleistung und stabilem Betrieb. Das Management führte dies hauptsächlich auf regulatorische Änderungen zurück, darunter die Abschaffung der Doppelzählung von Treibhausgasquoten durch den deutschen Gesetzgeber sowie ein schwächeres Anlagenbaugeschäft im ersten Halbjahr. Dieser Druck zeigte sich bereits in den Daten für Anfang 2026. Im ersten Quartal meldete EnviTec eine Gesamtleistung von 92,4 Millionen Euro (85,3 Millionen Euro im ersten Quartal 2025), der Vorsteuergewinn sank jedoch von 8,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 4,1 Millionen Euro, was den Erwartungen nach den politischen Änderungen entspricht.
Finanzvorstand Jörg Fischer erklärte, dass das Geschäftsjahr 2025 trotz herausfordernder Marktbedingungen und regulatorischer Gegenwinde gezeigt habe, dass das Geschäftsmodell des Unternehmens durch strategische Investitionen in den letzten Jahren gestärkt worden sei. Dies zeige sich in der im Vergleich zu früheren Perioden höheren Leistung und der weiterhin starken internen Finanzierungsfähigkeit. Angesichts der aktuellen kurzfristigen Auswirkungen verschaffe der Dividendenverzicht dem Unternehmen die nötige finanzielle Flexibilität, um die Entwicklung in allen Märkten und Segmenten konsequent voranzutreiben. Insgesamt blicke das Unternehmen optimistisch auf die kommenden Jahre.
Vorstandsvorsitzender Olaf von Lehmden betonte die Dynamik des internationalen Biomethanmarktes und verwies auf einen wichtigen politischen Erfolg: Die Erfolge im EEG-Ausschreibungsverfahren sicherten für den Großteil des Stromportfolios des Unternehmens (etwa 16 Megawatt elektrische Leistung) Anschlussvergütungen. Diese Unterstützung verlängert die Betriebsdauer bestehender Anlagen um bis zu 12 Jahre und neuer Anlagen um bis zu 20 Jahre und sichert so langfristige Einnahmestabilität. Das Unternehmen beschleunigt derzeit den Übergang von der stromzentrierten Biogasproduktion hin zu Biomethan. EnviTec plant, zwischen 2026 und 2029 rund 100 Millionen Euro (einschließlich Equity-Methode-Investitionen) zu investieren, um bis 2031 bestehende Anlagen umzurüsten und die Biomethanproduktion deutlich auszuweiten. Diese Mittel sollen für den Weiterbetrieb von EEG-Anlagen unter dem neuen Vergütungssystem sowie für den Wechsel von der Stromerzeugung zur Gasaufbereitung verwendet werden.
Trotz verbesserter Preise für Treibhausgasquoten und eines bis 2040 stabilen RED-III-Rahmens warnte das Management, dass regulatorische Unsicherheiten weiterhin ein zentrales Risiko darstellten. Der Umsetzungsentwurf der EU-Gasmarktrichtlinie könnte es Biomethananlagen erlauben, sich bereits nach nur zehn Jahren vom Netz zu trennen, was Bedenken hinsichtlich der Investitionssicherheit aufkommen lässt. Olaf von Lehmden erklärte, dass für den Erdgasnetzanschluss zuverlässige und technologieneutrale regulatorische Rahmenbedingungen für den weiteren Ausbau grüner Gase unerlässlich seien. Gleichzeitig sieht das Unternehmen große Chancen für Biomethan im geplanten Gebäudeenergiegesetz (GEG), insbesondere durch den vorgeschlagenen „Biomethan-Treppenmechanismus". Die in der aktuellen öffentlichen Diskussion genannten Biomethanmengen könnten von der deutschen Industrie problemlos bereitgestellt werden, sofern die notwendige Planungssicherheit für den Netzanschluss geschaffen werde.
Für die Zukunft erwartet EnviTec für das Geschäftsjahr 2026 eine Gesamtleistung zwischen 330 und 370 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn wird auf 5 bis 15 Millionen Euro prognostiziert. Das Unternehmen rechnet für 2027 mit einer Erholung des Wachstums, begünstigt durch eine verbesserte Nachfrage im Anlagenbau, den Ausbau des Servicegeschäfts und ein steigendes Biomethanproduktionsvolumen.










