Deutschland startet 2026 Straßentests für autonome Shuttlebusse der Stufe 4
2026-07-06 14:13
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de.wedoany.com-Bericht: Deutschland erreicht einen wichtigen Meilenstein im autonomen öffentlichen Nahverkehr. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat gemäß der Verordnung über die Genehmigung des Betriebs von Kraftfahrzeugen mit autonomer Fahrfunktion eine bundesweit gültige Testgenehmigung für den autonomen Shuttlebus Holon urban der Stufe 4 erteilt. Damit sind Realfahrten mit Sicherheitspersonal auf öffentlichen Straßen in ganz Deutschland erlaubt.

Das Fahrzeugmodell wird im Hamburger Demonstrationsprojekt Alike eingesetzt. Ab 2026 fährt es von einer eigenen Betriebshofanlage aus und deckt ein Stadtgebiet von 37 Quadratkilometern ab, das den Stadtpark, das Elbufer sowie die Stadtteile Schlump und Wandsbek miteinander verbindet. Das Projekt wird die Mitfahrt für Fahrgäste schrittweise freigeben und die autonome Fahrtechnologie nach und nach in das reguläre Bussystem integrieren, um Realdaten für den kommerziellen Betrieb zu sammeln. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr fördert das Projekt mit 26 Millionen Euro.

Dieser barrierefreie Shuttlebus erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und kann bis zu 15 Fahrgäste befördern. Er führt Beschleunigung, Verzögerung, Lenkung und Ausweichmanöver vollständig autonom durch, während ein Sicherheitspersonal an Bord die Risiken überwacht. In der zweiten Jahreshälfte 2026 werden Probefahrten für Bürger angeboten; bis Jahresende wird das Fahrzeug in eine neu errichtete, speziell für autonome Fahrzeuge konzipierte Betriebshofanlage einziehen, und gleichzeitig wird ein Fernüberwachungs- und -steuerungszentrum aufgebaut. Die Genehmigung gilt bis Ende 2026 und kann verlängert werden. Sie erlaubt Fahrten auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, jedoch vorerst nicht auf Autobahnen.

Nicht nur Hamburg, sondern auch Hannover und Leipzig führen zeitgleich Pilotprojekte für automatisierte Busse durch. Die hannoversche Verkehrsbetriebe Üstra setzt seit Mitte September den ersten vollautomatischen mittelgroßen Elektrobus Deutschlands, den Karsan autonomous e-ATAK, im Linienbetrieb ein. Er wird auf einer festgelegten Strecke getestet und steht angemeldeten erwachsenen Bürgern zur Mitfahrt offen. Wissenschaftliche Teams evaluieren parallel die technische Stabilität, die Akzeptanz der Fahrgäste, die Barrierefreiheit und das Fahrerlebnis.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe haben bereits früher mit autonomen Fahrprojekten begonnen. Seit 2022 wird im Rahmen des Projekts Absolut ein kleiner Elektrotransporter vom Typ VW Crafter eingesetzt. Das Fahrzeug verkehrt auf einer 7 Kilometer langen Strecke zwischen einem S-Bahnhof im Umland und dem BMW-Werk. Es erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, kann mit Ampeln vernetzt kommunizieren, wird stets von Sicherheitspersonal begleitet und von einer zentralen Leitstelle fernüberwacht.

Das erste Absolut-Projekt wurde erfolgreich abgeschlossen und hat die Sicherheit und Kontrollierbarkeit autonomer Busse bestätigt. Anschließend startete vor Ort das zweite Projekt, Absolut II, mit dem Ziel, das vollständig fahrerlose Fahren der Stufe 4 zu erreichen. Angestrebt wird der Verzicht auf Sicherheitspersonal an Bord, sodass die Fahrzeuge nur noch von der Leitstelle aus ferntechnisch überwacht werden.

Das Entwicklungsteam arbeitet an einem System für Fernsteuerung und Notübernahme und plant, die gesamte technische Validierung bis Ende 2026 abzuschließen. Dieses zentrale Steuerungsmodell könnte die traditionelle Personalbesetzung von einem Fahrer pro Fahrzeug durchbrechen, die Betriebskosten des öffentlichen Nahverkehrs erheblich senken und den akuten Fahrermangel in der Branche lindern.

Die begleitende Mobilitätsplattform Flexa wird gleichzeitig aufgerüstet. Bürger können autonome Shuttlebusse per Smartphone buchen, was einen flexiblen, bedarfsorientierten Nahverkehr im Umland ermöglicht, weiße Flecken im regulären Busnetz schließt und ein vollständiges Streckennetz mit den bestehenden Hauptbuslinien und dem Schienenpersonennahverkehr bildet. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) erklärte, dass die gesammelten Erfahrungen aus den Realtests in Hamburg, Leipzig und Hannover in einer Branchenarbeitsgruppe geteilt werden, um die Standardisierung des autonomen Busverkehrs in ganz Deutschland zu beschleunigen.

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