Deutscher Werkzeughersteller Zecha entwickelt 0,05 mm Mikro-PKD-Bohrer
2026-07-14 17:28
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de.wedoany.com-Bericht: Der Präzisionswerkzeughersteller Zecha hält trotz des vielfältigen Drucks auf die heimische Fertigungsindustrie in Deutschland an der Linie „Made in Germany“ fest und bietet durch kontinuierliche Forschung und Entwicklung innovative Werkzeuglösungen für industrielle Herausforderungen.

Der Zerspanungsspezialist Zecha aus Königsbach-Stein, ein im Nordschwarzwald verwurzeltes Familienunternehmen, konzentriert sich seit über sechs Jahrzehnten auf Präzisionsfertigung und technische Exzellenz. Im Jahr 2025 trat Yannik Zecha, ein Mitglied der dritten Generation, in das Familienunternehmen ein und setzt gemeinsam mit seinem Vater, dem Geschäftsführer Stefan Zecha, die Entwicklung des Unternehmens fort.

Die Präzisionswerkzeugbranche steht derzeit unter enormem Druck. Die Rohstoffpreise sind zuletzt stark gestiegen, insbesondere für Hartmetall, das für leistungsfähige Werkzeuge von entscheidender Bedeutung ist. Die Preisschwankungen bei kritischen Ausgangsmaterialien wirken sich direkt auf die Kostenstruktur, die Lieferkette und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der Branche aus. Gleichzeitig verschärft sich der internationale Wettbewerb; Unternehmen in anderen Regionen, insbesondere in Fernost, haben in vielen Fällen niedrigere Kostenstrukturen und günstigere Rahmenbedingungen. Der Verantwortliche von Zecha weist darauf hin, dass deutsche und europäische Hersteller nicht allein über den Preis gewinnen können; entscheidend sind vielmehr die Steigerung von Qualität, Standzeit, Prozesssicherheit, technischer Beratung und Innovationskraft. Wenn Rohstoffe teurer werden, gewinnt die Leistungsfähigkeit der Werkzeuge an Bedeutung. Ein Werkzeug, das länger hält, stabiler läuft und Ausschuss reduziert, ist letztlich wirtschaftlicher als ein günstigeres Werkzeug mit geringerer Leistung.

„Viele Unternehmen üben derzeit Kritik am Standort Deutschland“, sagt Stefan Zecha. „Das ist nachvollziehbar, denn die Belastungen sind real. Energiekosten, Bürokratie, Fachkräftemangel, regulatorische Anforderungen und internationale Wettbewerbsnachteile sind keine theoretischen Diskussionen, sondern tägliche Realität.“ Trotz aller Schwierigkeiten hält Zecha am Standort Deutschland fest. Er ist der Ansicht, dass Deutschland weiterhin enorme Vorteile besitzt: technisches Wissen, industrielle Erfahrung, hohe Ausbildungsqualität, ein starkes Mittelstandsnetzwerk, die Nähe zu anspruchsvollen Anwendern sowie eine lange Tradition im Maschinenbau und in der Präzisionstechnik.

„Diese Vorteile müssen jedoch gepflegt werden; sie laufen nicht von allein“, betont Stefan Zecha, der gleichzeitig Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ist. „Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen, mehr Vertrauen in Unternehmertum, weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiekosten, Forschungsförderung, die tatsächlich dort ankommt, wo Innovationen entstehen, und Technologieoffenheit. Darüber hinaus darf Industriepolitik nicht darin bestehen, ganze Technologien vorzeitig auszuschließen, sondern muss Innovationen fördern und die industrielle Wertschöpfung sichern.“

Präzisionswerkzeughersteller spielen eine zentrale Rolle für die Leistungsfähigkeit der industriellen Wertschöpfung. Ohne hochpräzise Zerspanungswerkzeuge lassen sich keine hochpräzisen Produkte herstellen. Ohne die Mikrowerkzeuge von Zecha könnten komplexe Bauteile, die engste Toleranzen im Mikrometerbereich einhalten müssen, in Bereichen wie Medizin- und Dentaltechnik, Uhrenindustrie, Werkzeug- und Formenbau, Mikrozerspanung und Maschinenbau nicht gefertigt werden. Derzeit beschäftigt Zecha 133 Mitarbeiter, darunter Ingenieure, Techniker sowie Spezialisten in den Bereichen Fertigung, Entwicklung, Qualitätssicherung und Vertrieb.

Zecha konzentriert sich auf Werkzeuglösungen für Mikrowerkzeuge, Fräswerkzeuge und Stanztechnik, die hauptsächlich im Werkzeug- und Formenbau, in der Dental- und Medizintechnik, im Stanzwerkzeugbau, im Maschinenbau, in der Schmuck- und Uhrenindustrie sowie in der Mikrozerspanung eingesetzt werden. Diese Branchen stellen höchste Anforderungen an Präzision, Oberflächengüte, Standzeit, Prozesssicherheit und Wiederholgenauigkeit. Das Unternehmen legt großen Wert auf Forschung und Entwicklung und arbeitet kontinuierlich an neuen Geometrien, neuen Werkzeugkonzepten und anwenderspezifischen Sonderwerkzeuglösungen.

Die Internationalisierung ist ein zentraler Bestandteil der Zecha-Strategie. Bereits Ende der 1990er Jahre ging das Unternehmen eine indisch-deutsche Kooperation ein und investierte in die im Großraum Mumbai (Indien) ansässige Zecha Precision Tools Limited (ehemals Dagger Master Tools Limited). Dieses Unternehmen mit Sitz in Chhatrapati Sambhajinagar (Aurangabad) ist auf Mikrobohrer höchster Präzision spezialisiert und beschäftigt rund 155 Mitarbeiter. Zecha ist der Ansicht, dass die internationale Aufstellung dazu beiträgt, den Standort Deutschland zu sichern, indem weiterhin in Forschung, Entwicklung und Hochtechnologie am Standort Königsbach-Stein investiert wird. Die 2017 in Berlin gegründete AlienTools GmbH hat sich zu einer wichtigen internationalen Vertriebsplattform entwickelt, gefolgt von der Gründung der AlienTools USA in Tucson, Arizona.

Die technologischen Trends in der Branche orientieren sich teilweise an neuen Werkstoffen. So müssen beispielsweise für bleifreie Messinglegierungen, Keramiken, superharte Schneidstoffe und Hybridmaterialien optimierte Werkzeugkonzepte entwickelt werden. Die zunehmende Verbreitung der additiven Fertigung erfordert ebenfalls eine Nachbearbeitung, für die Spezialwerkzeuge benötigt werden. Darüber hinaus erfordern die Trends zur Automatisierung und Digitalisierung stabilere Prozesse; Werkzeuge müssen durch engere Toleranzen, hohe Wiederholgenauigkeit und zuverlässige Standzeiten überzeugen. Zecha begegnet Anforderungen wie Rückverfolgbarkeit und Prozessanalyse mit einem vor Jahren eingeführten Lebensnummernsystem.

Die aktuelle weltwirtschaftliche Lage macht die Unternehmensplanung unsicherer. Zecha reagiert darauf mit dem Ausbau des „Zecha Innovation Center“ am Standort Königsbach-Stein. Dieses Zentrum bündelt zentrale Zukunftsfelder wie Forschung und Entwicklung, Anwendungstechnik, Produktmanagement sowie moderne Multimedia-Schulungsräume unter einem Dach. Ziel ist es, ganzheitliche Fertigungslösungen zu entwickeln und den Dialog mit Kunden, Partnern und Mitarbeitern zu fördern.

Zecha entwickelt kontinuierlich neue Werkzeuglösungen, darunter die Erforschung lasergeschärfter Mikrowerkzeuge und die Erschließung von Anwendungen für superharte Werkstoffe. Ein Beispiel ist der neue Mikro-PKD-Bohrer Marlin/971P Mikro mit Abmessungen zwischen 0,05 und 0,5 Millimetern. Mit Hilfe von Femtosekundenlasern können superharte Materialien wie PKD (polykristalliner Diamant) oder CBN (kubisches Bornitrid) mit höchster Präzision und nahezu ohne thermische Beeinflussung bearbeitet werden. Diese Technologie ermöglicht erstmals die wirtschaftliche Bearbeitung von PKD- und CBN-Materialien im Mikrobereich und erlaubt innovative Werkzeuggeometrien, die mit herkömmlichen Schleifverfahren nicht herstellbar sind, da das Ergebnis nicht mehr von der Geometrie der Schleifscheibe abhängt. Die Technologie legt den Grundstein für die Herstellung von Mikro-PKD-Bohrern mit einem Durchmesser von nur 50 Mikrometern. Im Vergleich zu herkömmlichen Vollhartmetallwerkzeugen können die lasergenerierten Schneidkantenkonturen die Schnittkräfte reduzieren, die Spanabfuhr optimieren und während des Bohrvorgangs eine deutlich längere Standzeit erzielen. Diese Werkzeuge finden Anwendung in Bereichen wie Medizintechnik, Feinmechanik, Halbleitertechnik sowie der Schmuck-/Uhrenindustrie, beispielsweise bei Mikroimplantaten, hochpräzisen Flow-Batterien oder komplexen 3D-Konturen in Zirkonoxid.

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