Japan hat ein Pilotprojekt zur Gewinnung von Seltenen Erden aus Tiefseeschlamm gestartet, um seine Bezugsquellen für kritische Mineralien zu erweitern. Das staatlich unterstützte Bohrschiff „Chikyū“ ist kürzlich in See gestochen und steuert Gewässer in der Nähe der Insel Minami-Torishima im Pazifik an, wo es Schlamm in etwa 6,4 Kilometern Tiefe erkunden soll. Der Schlamm in diesem Gebiet gilt als reich an Seltenen Erden. Sollte der Einsatz erfolgreich sein, wäre es der erste industrielle Versuch, seltenereichen Sediment direkt aus der Tiefsee zu gewinnen.
Die Aktion findet vor dem Hintergrund sich ständig ändernder internationaler Handelsdynamiken bei kritischen Mineralien statt. Berichten zufolge hat China kürzlich die Exportkontrollen für entsprechende Güter verschärft, was jedoch nicht offiziell bestätigt wurde. Das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) erklärte, seine Ressourcenpolitik ziele auf eine langfristige Diversifizierung und Stabilisierung der Lieferketten ab. Historisch gesehen hat Japan durch Investitionen in Überseeprojekte und technologische Verbesserungen seine Abhängigkeit von einer einzigen Quelle für Seltene Erden von einem hohen Niveau aus schrittweise reduziert.
Das Minami-Torishima-Projekt ist Japans erster Versuch, Seltene Erden in heimischen Gewässern zu gewinnen. Der leitende Ökonom des Nomura Research Institute, Takahide Kiuchi, wies darauf hin: „Im Grunde ist die inländische Produktion von Seltenen Erden eine Lösung. Sollte sich der Umfang der Exportkontrollen ausweiten, werden Unternehmen erneut versuchen, ihre Abhängigkeit zu verringern, aber dieser Prozess ist nicht einfach.“ Das Projekt hat derzeit noch keine spezifischen Produktionsziele festgelegt. Sollten die vorläufigen Tests die erwarteten Ergebnisse liefern, plant die japanische Regierung, bis Februar 2027 eine umfassende Demonstrationsoperation durchzuführen, um Schlamm in gleichem Umfang zu fördern.
Da der Schlamm nicht direkt auf See verarbeitet werden kann, wird er zunächst zur Vorbehandlung und Entwässerung nach Minami-Torishima gebracht, wodurch sein Volumen um etwa 80 % reduziert wird, bevor er zur Trennung und Raffination der Seltenen Erden auf das japanische Festland transportiert wird. Laut Shoichi Ishii, dem Programmmanager des Förderprogramms für strategische Innovation (SIP), wurden seit 2018 etwa 400 Milliarden Yen (ca. 2,56 Milliarden US-Dollar) in diese staatlich geförderte Forschung investiert. Eine Bewertung der spezifischen Ressourcenvorkommen wurde noch nicht veröffentlicht.
Ishii erwähnte auch, dass während einer Meeresbodenuntersuchung durch ein japanisches Forschungsschiff in der ausschließlichen Wirtschaftszone im Juni dieses Jahres Schiffe anderer Nationen in den betreffenden Gewässern beobachtet wurden. Er sagte: „Wir sind uns der komplexen Umgebung, die die Ressourcensicherheit mit sich bringt, sehr bewusst.“









