de.wedoany.com-Bericht: Der lettische Entwickler für nachhaltige Kraftstoffe NorSAF hat mit KBR eine unbefristete Lizenzvereinbarung zur Nutzung der PureSAF-Technologie unterzeichnet. Dies könnte die Grundlage für die erste kommerzielle Anlage in Europa schaffen, die zu 100 % direkt einsetzbaren nachhaltigen Flugkraftstoff (SAF) produzieren kann.

Die geplante Anlage im Hafen von Liepāja in Lettland soll SAF aus fortschrittlichem Bioethanol sowie E-Kraftstoffe (eSAF) aus grünem Wasserstoff und biogenem CO₂ herstellen. Die PureSAF-Technologie wurde ursprünglich von der schwedischen Biokraftstofffirma Swedish Biofuels AB entwickelt; KBR besitzt die exklusiven Rechte für ihre kommerzielle Nutzung. Im Gegensatz zu herkömmlichen SAF-Produktionsverfahren erzeugt diese Technologie Kraftstoffe, die chemisch dem traditionellen fossilen Kerosin sehr ähnlich sind und ohne jegliche Umrüstung direkt in bestehenden Flugzeugtriebwerken und Tank-infrastrukturen eingesetzt werden können. Die Technologie ist bereits zertifiziert und darf in einer Beimischung von bis zu 50 % mit herkömmlichem Kerosin verwendet werden. Branchenakteure erwarten, dass Europa bis 2026 durch das ASTM-Zulassungsverfahren eine Zertifizierung für die 100-prozentige direkte Substitution erreichen könnte.
Die Vereinbarung gewährt NorSAF das exklusive Recht zur Nutzung dieser Technologie und legt damit die strategische Grundlage für die langfristige SAF-Strategie des Unternehmens. Die Entwicklung und der endgültige Bau der Anlage hängen jedoch weiterhin von der Unterstützung strategischer Partner und zusätzlichen Investitionen ab.
Die Anlage soll voraussichtlich 100.000 Tonnen SAF und eSAF pro Jahr produzieren, der Betriebsbeginn ist vorläufig für 2031 geplant. Das Projekt entspricht den Anforderungen der EU-Verordnung ReFuelEU Aviation, die eine schrittweise Erhöhung des Anteils nachhaltiger Flugkraftstoffe im Luftverkehr bis 2050 vorsieht. NorSAF plant, die Rohstoffe vollständig in Europa zu beschaffen und in Kombination mit erneuerbarem Strom, grünem Wasserstoff und abgeschiedenem biogenem CO₂ einen geschlossenen Produktionskreislauf zu schaffen.
Das Projekt unterstützt direkt die Dekarbonisierung des europäischen Luftverkehrs und die Ziele der Energiesicherheit. Nach Angaben des Unternehmens kann der Kraftstoff im Vergleich zur herkömmlichen Kerosinherstellung die Treibhausgasemissionen um etwa 83 % reduzieren und gleichzeitig die Energieunabhängigkeit und industrielle Widerstandsfähigkeit Europas stärken. Projektverantwortliche erklärten, dass das Projekt den Hafen von Liepāja in ein regionales Drehkreuz für nachhaltige Kraftstoffe verwandeln und Lettland zu einem wichtigen Beitrag zur aufstrebenden SAF-Wertschöpfungskette in Europa machen könnte.
NorSAF arbeitet zudem mit dem Luftfahrtpartner Avia Solutions Group zusammen, dessen Tochtergesellschaft Baltic Ground Services über Erfahrung in der Versorgung und Verteilung nachhaltiger Flugkraftstoffe verfügt, was den Weg von der Produktion zu den Kunden der Fluggesellschaften in ganz Europa ebnen könnte.
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