TenneT berichtet: Niederlande werden ab 2030 den Standard von maximal vier Stunden Stromausfall pro Jahr überschreiten
2026-06-11 10:42
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de.wedoany.com-Bericht: Der niederländische Netzbetreiber TenneT weist in seinem Jahresbericht „Security of Supply Monitor 2026", der dem niederländischen Ministerium für Wirtschaft und Klimapolitik (Dutch Ministry of Economic Affairs and Climate Policy) vorgelegt wurde, darauf hin, dass das Risiko für die Stromversorgungssicherheit des Landes in den kommenden Jahren deutlich steigen wird. Der Bericht zeigt, dass in den untersuchten Szenarien ab 2030 der Versorgungssicherheitsstandard von durchschnittlich maximal vier Stunden Stromausfall pro Jahr überschritten wird.

TenneT weist auf niederländische Energiesicherheitsrisiken hin

Der „Security of Supply Monitor" ist eine jährliche Bewertung, die untersucht, ob das niederländische Stromsystem in Zukunft über ausreichende Erzeugungskapazitäten verfügt, um die Nachfrage zu decken. Der aktuelle Bericht deckt den Zeitraum bis 2035 ab und basiert auf Szenarien für die Jahre 2028, 2030, 2033 und 2035. Die Analyse umfasst die erwarteten Entwicklungen bei Erzeugungskapazitäten, Energiespeichern, Stromimporten und Nachfragesteuerung.

Aufgrund der Unsicherheit über den Zeitpunkt des künftigen Anstiegs des niederländischen Strombedarfs legt der Bericht zwei Szenarien zugrunde: ein Szenario mit schnellerem und eines mit langsamerem Nachfragewachstum. Eine Sensitivitätsanalyse berücksichtigt zudem eine Verlangsamung des gesamteuropäischen Strombedarfs. Für jedes Szenario werden Dutzende von Wetterbedingungen und Ausfällen von Kraftwerksblöcken bewertet. Das potenzielle Ausmaß von Stromausfällen wird anhand von zwei Indikatoren gemessen: der erwarteten Anzahl von Stunden mit Stromausfall (Loss of Load Expectation, LOLE) und der erwarteten nicht gedeckten Energiemenge (Expected Energy Not Supplied, EENS), die gemeinsam die Häufigkeit und Schwere von Stromausfällen widerspiegeln.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass das Risiko für die Versorgungssicherheit des niederländischen Stromsystems bis 2035 erheblich zunimmt. In allen betrachteten Szenarien wird ab 2030 der Standard von durchschnittlich maximal vier Stunden Stromausfall pro Jahr überschritten. Ob der Standard im Jahr 2028 überschritten wird, hängt von den Annahmen zum Strombedarf ab; der LOLE-Wert liegt zwischen 0,7 und 4,5 Stunden pro Jahr. Ab 2030 ist eine strukturelle Überschreitung des Standards wahrscheinlicher, und die erwartete Anzahl von Stunden mit Stromausfall steigt danach rapide an, wobei der LOLE-Wert bis 2035 37 bis 46 Stunden pro Jahr erreicht. Hauptursachen für die Verschlechterung sind der durch die Elektrifizierung getriebene rasche Anstieg des Strombedarfs sowie der Rückgang der verfügbaren regelbaren Erzeugungskapazitäten in den Niederlanden und den Nachbarländern. Obwohl die Stromerzeugung aus Solar- und Windenergie sowie flexible Optionen wie Batterien und Nachfragesteuerung zunehmen, reichen diese Entwicklungen nicht aus, um den Rückgang der thermischen Erzeugungskapazitäten von Gas- und Kohlekraftwerken sowie den Anstieg der Nachfrage vollständig zu kompensieren. Während längerer Stromausfälle bleibt der Beitrag von Batterien und Nachfragesteuerung begrenzt.

Die Versorgungssicherheit der Niederlande wird stark von Entwicklungen im Ausland beeinflusst. Während Stromausfällen wird erwartet, dass die Stromimporte von etwa 1 Gigawatt (GW) im Jahr 2028 auf fast 9 GW im Jahr 2035 ansteigen. Auch Nachbarländer wie Belgien, Deutschland und Dänemark werden voraussichtlich in Zukunft mit Stromausfällen konfrontiert sein und daher möglicherweise auf niederländische Erzeugungskapazitäten angewiesen sein. Der Bericht stellt fest, dass die gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen den Ländern erheblich zunehmen werden. Eine neue „Fehlmengenanalyse" zeigt, dass in den angenommenen Szenarien im Jahr 2030 etwa 0,4 GW zusätzliche Kapazität erforderlich sind, um den Versorgungssicherheitsstandard zu erfüllen; falls die Nachbarländer keine Maßnahmen zur Sicherung ihrer eigenen Versorgungssicherheit ergreifen, könnte dieser Bedarf auf 3,7 GW steigen, wobei der Großteil der zusätzlichen niederländischen Kapazität dann für den Export verwendet würde.

Angesichts der obigen Analyse erklärte Maarten Abbenhuis, Chief Operating Officer von TenneT, dass TenneT durch den Monitoring-Bericht seit Jahren deutlich mache, dass nicht nur das Wachstum des Strombedarfs wichtig sei, sondern auch, dass die Niederlande und die Nachbarländer über ausreichende regelbare Kapazitäten verfügen müssten. Die Energiewende erfordere Weitsicht und rechtzeitiges Handeln. Nur durch rechtzeitige Entscheidungen und die Umsetzung verbindlicher Maßnahmen zur Lösungssuche könne sichergestellt werden, dass die Niederlande auch in Zukunft über ein nachhaltiges, zuverlässiges und unabhängiges Stromsystem verfügten.

TenneT hat dem Ministerium für Wirtschaft und Klimapolitik drei Empfehlungen vorgelegt. Das Unternehmen fordert die Einführung eines Kapazitätsmechanismus, der als marktweiter Mechanismus, strategische Reserve oder eine Kombination aus beidem ausgestaltet werden kann und bis zum Winter 2029/2030 in Betrieb genommen werden sollte, wenn die Versorgungssicherheit besonders kritisch ist. TenneT empfiehlt außerdem, die Nachfragesteuerung explizit in den Kapazitätsmechanismus einzubeziehen, um ihren konkreten Beitrag zur Versorgungssicherheit sicherzustellen und den Marktteilnehmern einen finanziellen Wert für ihre Investitionen zu bieten. Darüber hinaus drängt TenneT das Ministerium, die Entwicklungen in den Nachbarländern zu beobachten und sich mit jenen Ländern abzustimmen, die bereits Kapazitätsmechanismen eingeführt haben oder deren Einführung erwägen. Eine engere Koordinierung werde zu einer schnelleren Umsetzung, einer höheren Vergleichbarkeit und Möglichkeiten für eine internationale Abstimmung beitragen.

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