de.wedoany.com-Bericht: Das finnische multinationale Unternehmen Neste treibt sein Ausbauprojekt für die Biokraftstoffraffinerie im Rotterdamer Hafen in den Niederlanden mit einer Investition von 2,5 Milliarden Euro voran. Das Projekt soll die jährliche Produktionskapazität für erneuerbare Produkte von derzeit 1,4 Millionen Tonnen bis 2027 auf 2,7 Millionen Tonnen steigern, wovon 1,2 Millionen Tonnen speziell für die Herstellung von nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) vorgesehen sind. Diese Entscheidung wurde vor dem Hintergrund getroffen, dass die globale Marktnachfrage im Jahr 2022 noch unklar war.
Nach Abschluss des Ausbaus wird sich die SAF-Produktionskapazität von Neste von etwa 100.000 Tonnen im Jahr 2023 um das 22-fache erhöhen. Die Raffinerie ist bereits die größte Biokraftstoffraffinerie Europas, und ihr Ausbau sticht besonders hervor, da Energieunternehmen wie Shell und BP wieder verstärkt auf Öl und Gas setzen.
Die Rohstoffe der Raffinerie bestehen hauptsächlich aus tierischen Fetten und gebrauchtem Speiseöl. Nachdem die Rohstoffe per Schiff am Terminal ankommen, müssen sie bei einer konstanten Temperatur von 60 Grad Celsius gelagert und gepumpt werden, um ein Erstarren zu verhindern. Im Produktionsprozess werden die Rohstoffe einer Tiefenreinigung und chemischen Behandlung unterzogen, wobei die Isomerisierung ein entscheidender Schritt ist, um die Molekülstruktur von Biokraftstoffen neu zu ordnen und ein Gefrieren bei hohen Flughöhen oder niedrigen Temperaturen zu verhindern. Der Katalysator ist die zentrale chemische Komponente im Prozess und muss jährlich ausgetauscht werden, was eine sechswöchige Produktionspause erfordert. Das Endprodukt, erneuerbarer Diesel und SAF, ist eine farb- und geruchlose, transparente Flüssigkeit.
Der Betrieb der Anlage ist hochgradig digitalisiert; nur 15 Fachkräfte steuern sämtliche Prozesse von einer zentralen Leitwarte aus und können auch ferngesteuert eingreifen. Das Labor analysiert jährlich rund 100.000 Proben zur Qualitätssicherung; nach dem Ausbau wird diese Zahl auf 300.000 steigen. Die Anlage hat zudem ein Pilotprojekt mit 60 Kilogramm grünem Wasserstoff gestartet, um Wege zur weiteren Reduzierung der CO₂-Emissionen im Produktionsprozess zu erkunden.
Im Vergleich zu herkömmlichen Raffinerien für fossile Brennstoffe gibt es zwei wesentliche Unterschiede. Erstens der Geruch: Vor Ort riecht es nicht nach Kohlenwasserstoffen, sondern eher nach Olivenölpressung. Zweitens die Fackel: Während die Fackeln traditioneller Raffinerien oft durch das Abfackeln von Abgasen ständig rauchen, ist die Fackel hier die meiste Zeit ausgeschaltet, was auf eine sauberere und effizientere Prozesssteuerung hinweist.
Das Management von Neste erklärt, dass die aktuelle Herausforderung der Branche nicht in der Versorgungskapazität, sondern in der Unsicherheit der Nachfrage liegt. Die Kosten für SAF sind derzeit dreimal so hoch wie die für fossiles Kerosin, aber die EU-Verordnung schreibt vor, dass Fluggesellschaften den SAF-Beimischungsanteil schrittweise von derzeit 2 % auf 6 % bis 2030 und 20 % bis 2035 erhöhen müssen, was dem Markt einen langfristigen Antrieb verleiht. Mario Mifsud, Vice President für den Handel und Vertrieb erneuerbarer Kraftstoffe in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und dem asiatisch-pazifischen Raum bei Neste, weist darauf hin, dass das Unternehmen in Zyklen von 20 bis 25 Jahren investiert und nicht auf kurzfristige politische Winde achtet.
Das Unternehmen stellt zudem klar, dass die Verbrennung von SAF nicht CO₂-neutral ist, aber im Vergleich zu fossilen Brennstoffen kann die Netto-Treibhausgasreduktion über den gesamten Lebenszyklus (einschließlich Rohstoffsammlung, Produktion und Logistik) 80 % bis 90 % betragen. Bei der Verbrennung von SAF werden deutlich weniger Rußpartikel freigesetzt, was dazu beiträgt, die Bildung von Kondensstreifen in großer Höhe zu reduzieren und deren thermische Wirkung zu verringern. Neste hat eine strategische Allianz mit der DHL Group geschlossen; seit 2022 hat der Logistikriese Verträge über den Kauf von mehr als 800 Millionen Litern SAF unterzeichnet. Beide Parteien streben bis 2030 eine jährliche SAF-Liefermenge von 300.000 Tonnen an.

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