de.wedoany.com-Bericht: Das integrierte Stahlwerk von Tata Steel in Kalinganagar hat seinen Ausbau abgeschlossen und seine Kapazität zehn Jahre nach Inbetriebnahme verdoppelt. Vor dem Hintergrund der nachlassenden Nachfrage in China wird Indien zur Hauptantriebskraft des Wachstums auf dem Stahlmarkt.
Die inländische Stahlnachfrage in Indien wird durch die nationale Initiative „Make in India" von Premierminister Narendra Modi unterstützt, die darauf abzielt, Indien zu einem bedeutenden globalen Industriezentrum zu machen. Die indische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Stahlproduktion bis 2047 auf 500 Millionen Tonnen zu steigern. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 betrug die indische Stahlproduktion etwa 165 Millionen Tonnen, während China 961 Millionen Tonnen produzierte.
Experten weisen darauf hin, dass Indien nicht zum „zweiten China" wird und sich die Stahlindustrie des Landes nach ihrem eigenen Modell entwickeln wird. Die indische Stahlindustrie wird hauptsächlich durch private Investitionen vorangetrieben, während die Expansion in China weitgehend von staatlichen Unternehmen getragen wurde.
Große Stahlunternehmen bauen ihre Kapazitäten aus. Tata Steel plant, seine gesamte Rohstahlproduktion bis 2030 auf 40 Millionen Tonnen pro Jahr zu steigern. JSW Steel beabsichtigt, seine Kapazität auf 80 Millionen Tonnen zu erhöhen. Laut Schätzungen von Wood Mackenzie wird Indien in den nächsten zehn Jahren 147 Millionen Tonnen neue Stahlkapazität hinzufügen, wobei die erforderlichen Investitionen über 125 Milliarden US-Dollar betragen.
Die Entwicklung der Branche ist eng mit groß angelegten Infrastrukturprojekten verbunden. In diesem Geschäftsjahr hat die indische Regierung 12,2 Billionen Rupien (129 Milliarden US-Dollar) für die Infrastruktur bereitgestellt, darunter den Bau der ersten Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke des Landes, die Mumbai und Ahmedabad verbindet.
Die Rohstoffversorgung ist eine der größten Herausforderungen für die indische Stahlindustrie. Indien verfügt über reiche Eisenerzvorkommen, leidet jedoch unter einem gravierenden Mangel an Kokskohle. Prognosen zufolge werden die Importe von Kokskohle von 81 Millionen Tonnen im Jahr 2025 auf 115 Millionen Tonnen im Jahr 2030 steigen. Indien arbeitet aktiv an der Diversifizierung seiner Versorgungsquellen und bezieht Kohle nicht nur aus Australien, sondern auch aus den USA, Kanada, Russland und der Mongolei und entwickelt Projekte in Mosambik.
Große indische Stahlunternehmen erklären, dass sie nicht beabsichtigen, das chinesische Modell der Überkapazitäten zu kopieren oder zu einem Hauptexporteur von Billigstahl zu werden. Die neuen Kapazitäten werden in erster Linie der schnell wachsenden Inlandsnachfrage dienen, die durch Urbanisierung, steigende Einkommen und groß angelegte Infrastrukturprojekte gestützt wird. Das Management von Tata Steel ist der Ansicht, dass das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in Indien nachhaltiger sein wird als in China.
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