de.wedoany.com-Bericht: Die Stadtverwaltung von Rio de Janeiro führt Gespräche mit dem Nationalen Institut für Meeresforschung (Instituto Nacional de Pesquisas Oceânicas, INPO) über eine Zusammenarbeit zur Entwicklung eines digitalen Zwillingsmodells der Küste von Rio. Das INPO untersteht dem brasilianischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation (Ministério da Ciência, Tecnologia e Inovação, MCTI).
Das Modell soll eine digitale Karte des Meeresbodens innerhalb von 5 Kilometern vor der Küste zwischen dem Strand Praia do Flamengo und dem Strand Praia do Recreio erstellen. Rio wird der Ausgangspunkt für ein größeres Projekt des INPO sein, das die gesamte Atlantikküste modellieren soll.
Bernardo Ainbinder, stellvertretender Leiter für Unternehmertum und Innovation der Stadt Rio, erklärte gegenüber Mobile Time, dass das Modell zur Analyse der Wechselwirkungen zwischen Wellen und Starkregenereignissen genutzt werden soll, um Vorhersagen zu Überschwemmungen und anderen sozioökologischen Auswirkungen zu verbessern. Darüber hinaus könne es Sturmfluten und den Anstieg des Meeresspiegels genauer bewerten und die Küstenverwaltung, Umweltgenehmigungen sowie die Genehmigung wirtschaftlicher Aktivitäten an den Stränden unterstützen.
Der digitale Zwilling der Küste ist eine von mehreren Initiativen der Stadtverwaltung Rio de Janeiros, die digitale Technologien zur Bewältigung des Klimanotstands einsetzen, insbesondere in den armen Gemeinden der Stadt. Dazu gehört das Projekt „Polvos da Maré“ („Oktopusse der Gezeiten“), bei dem in der Favela da Maré mit 3D-Druck hergestellte Geräte zur Erfassung umweltgeografischer Referenzdaten (wie Temperatur) eingesetzt werden, die von Gemeindefreiwilligen bedient werden. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchgeführt und ist Teil der globalen Initiative „Senseable City Lab“.
Derzeit sind die Geräte des Projekts „Polvos da Maré“ noch nicht vernetzt und müssen Daten per Kabel übertragen, es ist jedoch eine neue Version mit mobiler Konnektivität geplant. Gleichzeitig wird eine Ausweitung des Projekts auf andere Favelas der Stadt geprüft. Eine weitere Initiative des Senseable City Lab Rio ist die 3D-Modellierung von Gemeinden in Rio mittels LiDAR (Light Detection and Ranging), also die Erstellung digitaler Zwillinge von Favelas. Diese Arbeit wurde in Teilen der Favela do Vidigal abgeschlossen. Die Ausweitung des Projekts auf andere Gemeinden verläuft langsam, da Vereinbarungen mit lokalen Führungspersönlichkeiten getroffen werden müssen.
Darüber hinaus gibt es das Projekt „Brisa Mais“ („Mehr Brise“), das Daten zur Inzidenz von Atemwegserkrankungen wie Tuberkulose kreuzanalysiert, um zu untersuchen, ob bauliche oder städtebauliche Maßnahmen mit geringen Auswirkungen die Luftzirkulation verbessern und damit die lokale Gesundheit fördern können. Diese Daten könnten künftig in die digitalen Zwillinge der Favelas eingespeist werden, um Sanierungsszenarien zu simulieren.
Rio de Janeiro ist vier großen Klimarisiken ausgesetzt: Meeresspiegelanstieg, Überschwemmungen, Erdrutsche und Hitzestress. Die oben genannten digitalen Technologieprojekte zielen darauf ab, die Stadtverwaltung bei der Überwachung und Milderung dieser Probleme zu unterstützen, insbesondere in den ärmsten Gemeinden. Ainbinder erklärte, das Ziel sei es, Daten zu generieren und zu integrieren, die für die virtuelle Nachbildung von Favelas und die Simulation von Klimaanpassungsszenarien verwendet werden können. Er führte als Beispiel an, dass die Situation in den einzelnen Gemeinden unterschiedlich sei: In Rio das Pedras, einer horizontal angelegten Gemeinde, bestehe keine Erdrutschgefahr, aber die Bedrohung durch steigende Flusspegel; in Rocinha hingegen sei das größte Risiko Erdrutsche. Der Einsatz von Technologien wie digitalen Zwillingen oder digitalen Modellen könne die Genauigkeit und Wirksamkeit präventiver Maßnahmen des öffentlichen Sektors angesichts von Risiken in gefährdeten Gebieten erhöhen.









