Ungarn: GYSEV-FLIRT-Fernverkehrszüge gehen in die Endmontage
2026-07-04 10:13
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de.wedoany.com-Bericht: Die Endmontage von 11 FLIRT-Fernverkehrs-Elektrotriebzügen, die Stadler für die ungarische Bahngesellschaft GYSEV produziert, hat begonnen. Nach der Fertigung der Wagenkästen im Stadler-Werk in Szolnok, Ungarn, wurden diese nach Siedlce, Polen, transportiert, wo derzeit die abschließende mechanische und elektrische Montage erfolgt. Die Auslieferung der Züge nach Ungarn zur Aufnahme der Typprüfung ist für Ende 2026 geplant. Nach Erhalt der behördlichen Zulassung sollen sie voraussichtlich zwischen 2027 und Sommer 2028 schrittweise in den Personenverkehr gehen.

GYSEV InterCity FLIRT-Züge gehen in die Montagephase

Diese Beschaffung stellt die erste Erneuerung von Fernverkehrsfahrzeugen in Ungarn seit 30 Jahren dar und gilt als grundlegende Maßnahme zur Modernisierung der nationalen Schieneninfrastruktur. Dem aktuellen Produktionsplan zufolge werden die lackierten Wagenkästen kontinuierlich im Werk Szolnok gefertigt und anschließend zur Endmontage nach Siedlce transportiert. Die fünfteiligen, zweisystemfähigen Züge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Nach der Indienststellung werden sie auf den GYSEV-Fernverkehrslinien Sopron–Budapest und Szombathely–Budapest eingesetzt. Dank der Zweisystem-Ausrüstung sind die Züge auch für den grenzüberschreitenden Einsatz im österreichischen Schienennetz geeignet.

Die Fahrgasträume sind für den Regionalverkehr auf langen Strecken optimiert und bieten eine Reihe technischer und servicebezogener Merkmale. Es gibt Niederflurbereiche mit klimatisierten Abteilen der ersten und zweiten Klasse; ein Bordrestaurant mit Automaten für Speisen und Getränke ist integriert; die Innenraumkonfiguration kann an saisonale Bedarfe angepasst werden, sodass im Sommerbetrieb Platz für bis zu 18 Fahrräder ist; jeder Sitzplatz verfügt über integrierte USB-C-Ladeanschlüsse, lokale WLAN-Infrastruktur sowie Halterungen für Tablets und Smartphones; ein digitales Fahrgastinformationssystem bietet Echtzeit-Routenverfolgung und Fernsteuerungs-Updates für den gesamten Zugverband.

Die Testprotokolle für die neu montierten Schienenfahrzeuge sollen im August 2026 beginnen. Zur Optimierung der Zulassungszeit werden die Validierungsarbeiten parallel in drei verschiedenen nationalen Rechtsräumen durchgeführt: Rumänien, Tschechische Republik und Ungarn. Nach diesen ersten Betriebsphasen werden die ersten fertig montierten Züge Ende 2026 in Ungarn eintreffen, um mit spezifischen nationalen Tests zu beginnen. Die vollständige Betriebsaufnahme aller 11 Züge wird für den Sommer 2028 erwartet.

Die Stadler-FLIRT-Plattform (Flinker Leichter Innovativer Regional-Triebzug) verwendet eine modulare Gelenkbauweise mit Jakobs-Drehgestellen zwischen den Wagenkästen. Im Gegensatz zu Standardwagen, die auf zwei separaten Drehgestellen ruhen, befindet sich das Jakobs-Drehgestell direkt unter der Gelenkverbindung zwischen zwei benachbarten Wagen. Diese Anordnung reduziert das Gesamtgewicht des Zugverbandes, verringert den Schienenverschleiß und verbessert die strukturelle Kollisionssicherheit, da ein Einknicken bei Entgleisungen verhindert wird. Die Niederflurbauweise ermöglicht einen stufenlosen Einstieg auf Höhe der Standardbahnsteige, erleichtert den Fahrgastwechsel und erfüllt die Technischen Spezifikationen für die Interoperabilität bezüglich Personen mit eingeschränkter Mobilität (PRM). Die Leistungselektronik, einschließlich Traktionsstromrichter und Hilfstransformatoren, ist auf dem Dach oder in speziellen Antriebsmodulen hinter dem Führerstand untergebracht, um den Fahrgastraum zu maximieren. Die Zweisystem-Konfiguration ermöglicht den FLIRT-Elektrotriebzügen ein nahtloses Umschalten zwischen dem ungarischen Standard-Oberleitungs-Elektrifizierungssystem (25 kV AC, 50 Hz) und dem österreichischen Standard-Elektrifizierungsnetz (15 kV AC, 16,7 Hz). Dieses Umschalten erfolgt über Hochspannungs-Vakuumleistungsschalter und einen mehrfach angezapften Haupttraktionstransformator, der die Hochspannung heruntertransformiert und die Gleichrichter in IGBT-Pulswechselrichter-Technologie (Insulated Gate Bipolar Transistor) speist. Gleichzeitig muss das fahrzeugseitige Signalsystem mehrere traditionelle nationale automatische Zugbeeinflussungssysteme (ATP) mit dem European Train Control System (ETCS Level 2) integrieren, um vollständige Kompatibilität mit dem ungarischen EVM-System, dem österreichischen PZB/Indusi-System sowie den standardisierten ETCS-Radio Block Centres zu gewährleisten, wodurch eine kontinuierliche Geschwindigkeitsüberwachung und automatische Bremseingriffe auf grenzüberschreitenden Strecken ermöglicht werden.

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