de.wedoany.com-Bericht: Die Kernarchitektur des Marketplace-Bereichs im Terminal 3 des Frankfurter Flughafens wurde von LAVA (Laboratory for Visionary Architecture) entworfen. Der Schlüssel liegt in der parametrischen Simulation der Passagierblicke und -ströme, um durch differenzierte Tageslichtanordnungen die Menschenmassen zu lenken und eine Raumatmosphäre zu schaffen, die sich von traditionellen Flughafen-Handelszonen unterscheidet.

Das Terminal 3 wurde im April eröffnet. Die Abflughalle wurde vom Architekten Christoph Mäckler entworfen, inspiriert von Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie, jedoch mit größeren Ausmaßen: 225 Meter lang und 127 Meter breit. Nach der Sicherheitskontrolle durchqueren Reisende einen Handelsbereich, den Rem Koolhaas im Jahr 2021 als „Junk Space“ beschrieb. Um dies zu verbessern, beauftragte der Flughafenbetreiber Fraport LAVA mit der Gestaltung der Umgebung des Einkaufszentrums. Ziel ist es, Reisende in einem entspannten Zustand zum Verweilen und Konsumieren zu bewegen, anstatt sie schnell durchzuleiten. Jährlich werden rund 19 Millionen Passagiere, die hier umsteigen, die 6.000 m² große Marketplace-Zone durchqueren.


Das LAVA-Team unter der Leitung von Alexander Rieck begann mit der Analyse der Personenströme und Blickachsen in der Marketplace-Halle. Sie verwendeten ein agentenbasiertes Simulationswerkzeug, um die Wege der Passagiere vom Sicherheitsbereich zu den Gates zu modellieren. Die Simulation ergab, dass die meisten Reisenden im Schengen-Raum verbleiben und nach links abbiegen, während eine Minderheit nach rechts in den Nicht-Schengen-Bereich abzweigt. Der aus der Besucherdichte generierte Grundriss zeigt geschwungene Muster: Bereiche mit hohem Verkehrsaufkommen sind hell beleuchtet, während wenig frequentierte Zonen, die sich für Ruhebereiche eignen, gedämpfteres Licht erhalten. In diesen dunkleren Bereichen platzierten die Architekten Sitzgelegenheiten und Pflanzkübel, umgeben von runden Geländern aus weißen Vollmaterialien, die an Atollstrukturen erinnern. Ihre Anordnung zielt darauf ab, freie Sicht auf die Geschäfte zu gewährleisten, um den Umsatz zu fördern.

Um das Ziel der Personenlenkung zu erreichen, entschied sich LAVA dafür, die Bewegungsrichtung durch differenziertes und verstärktes Tageslicht zu steuern. Anstelle der großen zentralen Glaskuppel aus Mäcklers Vorentwurf hängten die Architekten eine halbtransparente, wolkenartige, geschwungene Struktur von der Decke der zweigeschossigen Halle. Diese Struktur ist 97 Meter lang und 23 Meter breit und enthält drei trichterförmige Lichtschächte, die Tageslicht in die darunterliegenden Ruhezonen leiten.

Die Entwicklung der Decke begann 2015 und durchlief mehrere Designänderungen. Ein zunächst erkundetes Konzept eines sechseckigen Pailletten-„Kleides“ wurde aufgrund des zu schweren Unterbaus und der zu vielen Aufhängepunkte verworfen. Die endgültige Lösung verwendete gebogene Aluminiumrohre mit einem Außendurchmesser von 40 Millimetern als lineare Elemente. Diese Rohre können sich selbsttragend über mehrere Meter spannen und benötigen nur wenige Aufhängepunkte. Die aus 2 bis 5 Meter langen Rohrsegmenten bestehende Decke erstreckt sich über 100 Meter entlang der Hallenlänge; insgesamt wurden 23 Kilometer Aluminiumrohre verbaut. Diese Rohre sind mit insgesamt 4.700 laufenden Metern Rundstahlstäben an der Hallendecke aufgehängt, auf denen zudem 2.380 laufende Meter, 120 Millimeter hohe Stahlstützen montiert sind. Die sichtbaren Aluminiumrohre werden über Rohrverbinder an die Stützen geschraubt. Trotz der Komplexität der Struktur wurde kein BIM-Modell erstellt; stattdessen wurde der Parameter eines gleichbleibenden Rohrabstands festgelegt. Das Team wandte evolutionäre Algorithmen für die Rohr- und Kabelverlegung an, mit dem Ziel einer glatten Geometrie, minimalen Biegeradien und der Einhaltung von Hindernisfreiheitsgraden. LAVA stellte die Daten im Austauschformat .3dm/.igs dem Stahlhersteller Arnold zur Verfügung, der daraus Produktionsdaten für Biegeroboter generierte.


Für die Innenflächen der Oberlichttrichter verwendete das Team eine dreieckige Verkleidung aus Aluminiumblechen, um Blendung zu vermeiden; die Oberfläche wurde gebürstet, um Spiegelungen zu verhindern. Neben den Lichttrichtern sind in die Röhrendecke runde Leuchten integriert.

Dieses Design schafft ein organisches Raumgefühl, das einen Kontrast zu anderen Bereichen des Terminals 3 bildet. Gäste der VIP-Lounge im Zwischengeschoss können durch Schaufenster auf die zweigeschossige Marketplace-Halle hinabblicken. Die Architektur des Projekts wurde von LAVA (Laboratory for Visionary Architecture) verantwortet, der Eigentümer ist die Fraport AG, und die Tragwerksplanung übernahm B+G Ingenieure - Bollinger und Grohmann GmbH.










