de.wedoany.com-Bericht: Der kanadische Telekommunikationsanbieter Videotron hat den kanadischen Netzwerkausrüster Vecima Networks ausgewählt, um für sein DOCSIS-Breitbandnetz der nächsten Generation das Entra virtualisierte Kabelmodem-Terminalsystem, die EN9000 Universal Access Platform Nodes und die ERM3-Serie von Remote-Phy-Geräten zu installieren. Dieser Ausbau wird die Entwicklung des bestehenden Hybrid-Fiber-Coax-Netzwerks von Videotron hin zu einer cloudnativen, softwaredefinierten und verteilten Zugangsarchitektur vorantreiben und die Netzwerkgrundlage für zukünftige Multi-Gigabit-Breitbandverbindungen für Privat- und Geschäftskunden schaffen.
Bei dieser Installation von Videotron handelt es sich nicht einfach um den Austausch einzelner Kernkomponenten in herkömmlichen Rechenzentren, sondern um eine Neuanpassung der Funktionsverteilung im Kabelbreitbandnetz. Herkömmliche Kabelnetze konzentrieren die Signalverarbeitungskapazität typischerweise in zentralen Kopfstellen. Mit steigender Nutzerzahl und Bandbreitennachfrage stoßen zentralisierte Systeme auf Probleme wie komplexe Erweiterungen, hohen Platzbedarf in den Rechenzentren und ineffiziente Netzwerkkonfiguration in verschiedenen Regionen. Die Remote-PHY-Architektur verlagert einen Teil der physikalischen Schichtverarbeitung in die näher am Nutzer gelegenen optischen Knoten. Digitale Signale werden über Glasfaser zu den Zugangsbereichen der Gemeinden übertragen, wo die entfernten Geräte an das bestehende Koaxialkabel-Endnetz anschließen. Dies verkürzt die Signalübertragungswege und schafft die Voraussetzungen für eine Erhöhung des nutzbaren Spektrums und der Zugangskapazität.
Das Entra vCMTS übernimmt die zentrale Steuerung und Datenverarbeitung im neuen Netzwerk. Die Plattform verwendet eine vollständig containerisierte Cloud-native Architektur, die Rechenressourcen dynamisch an das Nutzerverkehrsaufkommen und die Betriebsgröße anpassen kann. Über Anwendungsprogrammierschnittstellen und Befehlszeilenschnittstellen wird sie in die bestehenden Betriebsabläufe des Betreibers integriert. Im Vergleich zu herkömmlichen CMTS, die auf dedizierte Hardware angewiesen sind, kann das virtualisierte System einen Teil der Netzwerkfunktionen auf universellen Rechenplattformen ausführen, sodass Geräte-Upgrades, Kapazitätsanpassungen und Dienstkonfigurationen stärker über Software erfolgen. Videotron gab an, dass die Plattform die Anforderungen an Netzwerkskalierbarkeit, Betriebsflexibilität und Leistung erfüllen muss, um die kontinuierliche Weiterentwicklung seiner DOCSIS-Infrastruktur zu unterstützen.
Die auf der Zugangsseite installierten EN9000 Universal Access Platform Nodes und ERM3 Remote-PHY-Geräte verbinden das Glasfasertransportnetz mit den Koaxialkabelleitungen in den Gemeinden. Der Betreiber kann unter Beibehaltung eines Großteils der bestehenden Hausanschlussleitungen die Kopfstellensysteme, optischen Knoten und verteilten Zugangsgeräte aufrüsten, ohne kurzfristig alle Endleitungen zu den Haushalten neu verlegen zu müssen. Für Betreiber, die bereits über großflächige Kabelfernseh- und Kabelbreitbandnetze verfügen, ermöglicht dieser Ansatz eine schrittweise Freisetzung der Kapazität des bestehenden Koaxialnetzes, während gleichzeitig die Voraussetzungen für einen zukünftigen Übergang zu Technologien mit höherer Bandbreite erhalten bleiben.
Die neue Plattform unterstützt Netzwerkentwicklungswege wie DOCSIS 3.1+, Unified DOCSIS und DOCSIS 4.0. DOCSIS 4.0 ermöglicht es Hybrid-Fiber-Coax-Netzen, weiterhin Multi-Gigabit-Breitbanddienste zu tragen, indem der Spektrumsnutzungsbereich erweitert, die Upstream- und Downstream-Kapazitäten erhöht und die Netzwerkarchitektur angepasst wird. Der tatsächliche Aufrüstungsprozess umfasst auch die Installation der Rechenplattform im Rechenzentrum, die Migration bestehender Nutzerkonfigurationen, die Umrüstung optischer Knoten, die Installation von Remote-PHY-Geräten, die Anbindung an das Netzwerkmanagementsystem sowie die Umschaltung der Dienste in verschiedenen Regionen. Der Projektverantwortliche hat derzeit keine Angaben zur Anzahl der Geräte, zur Abdeckung der Nutzer oder zum vollständigen Bauzeitplan gemacht. Daher markiert diese Ankündigung die Festlegung der technischen Lösung und des Geräteportfolios; der Umfang des weiteren Ausbaus muss noch vom Betreiber bekannt gegeben werden.
Aus Sicht des Informations- und Kommunikationsinfrastrukturaufbaus entsteht mit diesem Projekt eine Breitbandzugangsarchitektur aus „Cloud-nativem vCMTS – Glasfaserübertragung – verteilten Zugangsknoten – Koaxial-Hausnetz". Die Kernsteuerung und -berechnung werden zunehmend softwarebasiert, ein Teil der Signalverarbeitungskapazität wird zur Nutzerseite verlagert. Dadurch können Betreiber die Netzwerke verschiedener Regionen zentraler verwalten und Ressourcen basierend auf Verkehrsschwankungen anpassen. Mit erhöhter Automatisierung können auch die Bereitstellung neuer Dienste, Parameteränderungen und die Fehlerlokalisierung mit weniger manuellen Eingriffen an einzelnen Geräten durchgeführt werden.
Videotron und Vecima arbeiten bereits seit langem zusammen. Diese Aufrüstung des Netzes der nächsten Generation wird die Zusammenarbeit auf die virtualisierte Kernplattform, universelle Zugangsknoten und DOCSIS 4.0-fähige entfernte Geräte ausweiten. Zukünftig zu beachtende technische Meilensteine umfassen die Inbetriebnahme der ersten vCMTS-Plattform, die Installation von Remote-PHY-Knoten, die Migration bestehender Nutzer und die Aktivierung von Multi-Gigabit-Breitbanddiensten. Die Stabilität des Netzes unter großflächigen Betriebsbedingungen und die Effektivität der automatisierten Verwaltung werden ebenfalls Schwerpunkte der Projektvalidierung sein.






