de.wedoany.com-Bericht: Die Hannover Messe 2026 sendet ein klares Signal: Technologien wie industrielle Künstliche Intelligenz, humanoide Roboter und softwaredefinierte Automatisierung bewegen sich vom Konzeptnachweis zur praktischen Umsetzung. Matthieu Kulezak, Senior Analyst bei Interact Analysis, erklärte, dass KI den Hype-Zyklus hinter sich gelassen habe und in eine reifere Phase der Einführung eintrete. Der Diskussionsschwerpunkt auf der Messe habe sich auf Anwendungsszenarien, Kundenbeispiele und messbare industrielle Ergebnisse verlagert.
Die hohe Präsenz humanoider Roboter auf der Hannover Messe steht im Gegensatz zu ihrer Zurückhaltung auf Logistikmessen wie der LogiMAT und der MODEX. Agile Robots konzentriert sich auf industrielle Anwendungen, während Schaeffler mit seiner mit dem Hermes Award ausgezeichneten Aktorplattform zeigt, dass die Skalierung humanoider Robotersysteme Fortschritte sowohl im Maschinenbau als auch in der KI erfordert. Kulezak wies darauf hin, dass Markenbildung der Haupttreiber sei; Unternehmen wollten frühzeitig Positionen in potenziell wichtigen Märkten besetzen. Interact Analysis prognostiziert, dass die Auslieferungen humanoider Roboter bis 2032 die Marke von 700.000 Stück überschreiten werden, wobei die ersten Auslieferungen hauptsächlich für Training und Tests bestimmt sind. Einige Hersteller überdenken die Notwendigkeit der Zweibeinigkeit und erkunden stattdessen radbasierte Plattformen für die industrielle Effizienz.
Die Lieferkette für humanoide Roboter nimmt Gestalt an und umfasst Präzisionsgetriebe, kompakte Aktoren, maschinelle Bildsensoren und Batterietechnologie. Laut Kulezak haben Batteriehersteller bereits Technologien für Industriefahrzeuge wie Gabelstapler entwickelt, die schnell auf Roboterplattformen übertragen werden können. Die Getriebeherstellung, insbesondere bei italienischen und deutschen Unternehmen, verzeichnet ein wachsendes Interesse. Derzeit ist China bei der Montage humanoider Roboter führend, doch die Komponentenversorgung ist über Europa, Amerika und Asien verteilt; die geografische Verteilung wird sich mit der Markterwärmung anpassen.
Der Trend zur softwaredefinierten Automatisierung zeichnet sich ab: Funktionen, die traditionell von speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) ausgeführt wurden, werden auf virtuelle SPS verlagert, die auf universellen Rechenplattformen laufen. Kulezak vergleicht diesen Wandel mit dem Übergang von der Film- zur Digitalfotografie und glaubt, dass er die Wettbewerbslandschaft der Automatisierung neu gestalten wird. Er stellte fest, dass dieses Jahr ein Wendepunkt sei; mehr Unternehmen wechselten von Pilotprojekten zur Produktionseinführung, doch die Geschwindigkeit der breiten Einführung sei noch schwer genau zu messen.
Die Konvergenz von Informationstechnologie (IT) und Betriebstechnologie (OT) bleibt eine grundlegende Herausforderung. OPC UA wird als universeller Kommunikationsrahmen propagiert, um SPS und Steuerungssysteme verschiedener Anbieter zu verbinden. Kulezak betonte, dass eine sinnvolle KI-Implementierung zunächst die Integration auf Fabrikebene erfordere.
Die Nachfrage aus der verteidigungsbezogenen Fertigung entwickelt sich zu einem versteckten Trend. Europäische Automatisierungsanbieter berichten allgemein von Chancen durch Verteidigungsprojekte, und es gibt Überschneidungen mit dem Bau von Rechenzentren (Kühlung, Belüftung, Umweltkontrolle). Kulezak ist der Ansicht, dass Anbieter den Verteidigungssektor als eng verwandte Wachstumschance betrachten, deren Nachhaltigkeit jedoch von politischen Winden abhängt.
Investitionen in Rückverlagerungen konzentrieren sich eher auf den Ausbau und die Modernisierung bestehender Anlagen als auf den Bau neuer Fabriken. Hohe Zinsen, steigende Betriebskosten und die Risiken von Greenfield-Investitionen veranlassen Hersteller dazu, eher Schichten aufzustocken, Anlagen aufzurüsten und Automatisierungsumrüstungen durchzuführen. Kulezak wies darauf hin, dass sich der Geschäftsschwerpunkt der Anbieter von Neuanlagen auf bestehende Anlagen verlagert habe.










