Die Deutsche Bahn will im Jahr 2026 mehr als 23 Milliarden Euro in die Modernisierung ihres Schienennetzes investieren. Es handelt sich um eine beispiellos hohe Summe. Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGo, erklärt: „Mehr als die Hälfte der Mittel wird in das Bestandsnetz fließen. Der Rest ist für Digitalisierung, Neu- und Ausbau, kleine und mittlere Projekte, Bahnhofsmodernisierungen und einige weitere kleine Projekte vorgesehen.“

Allein im Jahr 2025 hat die Deutsche Bahn bereits rund 19 Milliarden Euro in die als veraltet und überlastet geltende Schieneninfrastruktur gesteckt. Tausende Weichen, hunderte Kilometer Oberleitung und fast 2.300 Kilometer Gleise wurden erneuert. Zudem sind 60 neue Stellwerke in Betrieb gegangen – mit Ausnahme eines einzigen in Köln Hauptbahnhof, dessen Inbetriebnahme fehlschlug.
Zu den Schwerpunktprojekten der letzten Jahre zählen die Generalsanierung der Strecke Hamburg–Berlin, die Verbesserung der Verkehrsanbindung des Flughafens Berlin Brandenburg an die Berliner Innenstadt und der Wiederaufbau der im Jahr 2021 durch Hochwasser zerstörten Ahrtalbahn in Rheinland-Pfalz.
„Wenn wir weiterhin auf dem jetzigen Niveau in das Bestandsnetz investieren, wird sich das Schienennetz kontinuierlich verbessern“, so Nagl. Die Zahl der Baustellen lag 2025 bei etwa 26.000; für 2026 wird mit einem Anstieg auf 28.000 gerechnet. Die Bahn-Tochter InfraGo berichtet zudem, dass 2024 etwa 950 ihrer insgesamt 5.700 Bahnhöfe modernisiert wurden.
Trotz der derzeit hohen Investitionen erleben Fahrgäste täglich die mangelhafte Leistungsfähigkeit des deutschen Schienennetzes. Die Pünktlichkeit im Fernverkehr ist auf einem historischen Tiefstand. Zahlreiche Baustellen beeinträchtigen den Zugverkehr weiterhin, und ungeplante Unterbrechungen sind an der Tagesordnung.
„Beispielsweise die alten Relaisstellwerke, die nie für eine so lange Zeit unter einer so hohen Belastung betrieben wurden“, sagt Philipp Nagl, „Diese Anlagen sind für eine Lebensdauer von 40 Jahren ausgelegt, manche sind aber sogar schon 70 Jahre im Einsatz.“ Irgendwann erreiche jedes Bauteil seine Lebensdauergrenze, zumal die Systeme einen immer größeren Verkehrsaufkommen bewältigen müssten.
Durch eine umfassende Modernisierung planen Bundesregierung und Deutsche Bahn, bis etwa 2035 zumindest die wichtigsten Hauptstrecken Deutschlands grundlegend zu erneuern. Die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim ist die erste dieser Strecken, deren Umbau 2024 begann. Dennoch gelingt es der Bahn auch hier noch nicht vollständig, Zugausfälle zu vermeiden. Nagl gibt an, dass seit der Wiederinbetriebnahme der Strecke die Zahl der Zugstörungen im Schnitt um mehr als 60 % gesunken sei. Das Ziel liege zwar bei 80 %, er zeige sich jedoch zuversichtlich, dieses zu erreichen.
Ein weiteres Problem für das Schienennetz ist die Digitalisierung des Zugsteuerungs- und Sicherungssystems (ETCS). Bislang kommt das System nur auf südlichen Streckenabschnitten zum Einsatz. Dies hängt auch damit zusammen, dass Züge noch nicht flächendeckend mit der neuen ETCS-Technik ausgestattet sind. Bei der derzeit laufenden Großbaustelle zwischen Hamburg und Berlin hat die Deutsche Bahn das ETCS-System auf großen Teilen der Strecke noch nicht installiert.
Insgesamt sind derzeit nur wenige Strecken im Netz mit ETCS ausgerüstet. Nach Angaben der Deutschen Bahn beträgt die mit ETCS ausgestattete Streckenlänge 683 Kilometer, wovon 157 Kilometer im Jahr 2025 hinzukamen.









