de.wedoany.com-Bericht: Die neuen Beschränkungen der EU für Stahlimporte sind am 1. Juli 2026 in Kraft getreten. Die neuen Regelungen senken die jährlichen zollfreien Importquoten für 26 Stahlproduktkategorien um 47 % gegenüber dem Niveau von 2024 und erhöhen die Einfuhrzölle für über die Quote hinausgehende Importe von 25 % auf 50 %. Als eines von zwölf Ländern, die ein Freihandelsabkommen mit der EU haben, verringert sich die Quote für Brasilien um ein Drittel. Die brasilianische Regierung hat von der EU eine Entschädigung in Höhe von 180 Millionen Euro (etwa 203,6 Millionen US-Dollar) gefordert und die Welthandelsorganisation (WTO) darüber informiert, dass sie möglicherweise gleichwertige Maßnahmen ergreifen wird, um das Handelsgleichgewicht wiederherzustellen.

Die neuen Regelungen haben direkte Auswirkungen auf Brasiliens Stahlexporte. In einer gemeinsamen Erklärung des Außenministeriums und des Ministeriums für Entwicklung, Industrie, Handel und Dienstleistungen kritisierten die Behörden das neue Zollkontingentsystem der EU als „einseitige protektionistische Maßnahme“ und argumentierten, dass diese Maßnahme die Ursachen der globalen Stahlüberkapazitäten nicht beheben könne, sondern die Spannungen im globalen Stahlhandel eher verschärfen werde. Die brasilianische Regierung betonte, dass die betreffenden Probleme durch internationale und multilaterale Zusammenarbeit gelöst werden sollten, anstatt durch die Errichtung von Handelshemmnissen.
Das im Mai 2026 vorläufig in Kraft getretene Handelsabkommen zwischen dem Mercosur und der EU hätte eigentlich die Einfuhrzölle auf Stahlprodukte aufheben sollen. Dass die EU jedoch bereits im ersten Monat des Inkrafttretens des Abkommens Beschränkungen für Stahlimporte einführte, wird von brasilianischer Seite als „Wortbruch“ betrachtet. Ein Regierungsvertreter teilte Reuters mit, dass Brasilien, falls die EU eine Entschädigung verweigere, möglicherweise Zölle auf EU-Produkte erheben werde, darunter auch auf Milchpulver. Die brasilianische Regierung erklärte, sie sei weiterhin offen für Dialog und werde „die Interessen der brasilianischen Produzenten und Exporteure mit aller Kraft verteidigen“.
Dieser Streit stellt das nach über 20-jährigen Verhandlungen erzielte Handelsabkommen zwischen dem Mercosur und der EU auf die Probe. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte zuvor bereits Einwände gegen das Importverbot der EU für brasilianische Fleischprodukte erhoben. Analysten weisen darauf hin, dass die unmittelbar nach Inkrafttreten des Handelsabkommens von der EU erlassenen Beschränkungen widerspiegeln, dass die globalen Handelsregeln zunehmend durch neue einseitige Handelshemmnisse untergraben werden.










