de.wedoany.com-Bericht: Der brasilianische nationale Werkzeugbaukongress (ENAFER 2026) fand kürzlich im FIESP-Gebäude an der Avenida Paulista in São Paulo statt. Die vom brasilianischen Verband der Werkzeugbauindustrie (ABINFER) organisierte Veranstaltung versammelte rund 900 Fachleute. In der Eröffnungsrede fasste eine Metapher den Ton der Debatte zusammen: „Werkzeuge sind die Mutter der Industrie, und wir behandeln unsere Mutter sehr schlecht." Dieser Satz verlieh den Diskussionen Dringlichkeit und betonte, dass die Branche weit mehr als nur ein unterstützender Produktionsschritt ist, sondern die technologische Grundlage verschiedener Industriebereiche darstellt.
Die Konferenz erörterte technologische Innovationen und Produktivitätssteigerungen im Hinblick auf Industrie 4.0 sowie die Notwendigkeit der Integration von Unternehmen und Regierung. Die Teilnehmer analysierten zudem technische und managementbezogene Hindernisse in der Produktionskette, Ausbildungsmodelle, Fortschritte des ROTA 2030-Plans und die Dynamik der digitalen Technologieanwendung. ABINFER wies darauf hin, dass Brasilien ohne moderne und gut strukturierte Werkzeugfabriken seine Produktions-, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit in der globalen Lieferkette verlieren werde.
ABINFER-Präsident Christian Dihlmann stellte das Podium-Programm vor – den wirtschaftlichen Industriekomplex für Werkzeuge. Das Programm basiert auf zwölf Säulen wie Governance, Gewinnung junger Talente, Fabrikqualifikation und Erneuerung nachhaltiger Ausrüstung und zielt darauf ab, historische Probleme der Branche zu beheben. Vertreter des Verbandes erklärten, das Programm strebe an, die Werkzeugkosten Brasiliens innerhalb des nächsten Jahrzehnts an das aktuelle Niveau Chinas anzugleichen und mit einer um 7 % niedrigeren Gewinnspanne zu operieren. Dies soll durch intensive Schulungen und Massenproduktion zur Senkung der Fixkosten erreicht werden.
Bei der Diskussion über Herausforderungen wie steigende Rohstoffkosten und die Digitalisierung von Prozessen warnte Marcos Silva, Vertreter von Iscar do Brasil, vor einem „beispiellosen Anstieg" der Kosten für Wolfram, dem Hauptrohstoff für Zerspanungswerkzeuge, was die Gewinnmargen der Branche unter Druck setze. Er stellte das Max Value-Programm vor, das sich auf das Konzept „niedrigste Kosten, höchste Ergebnisse" konzentriert. Durch Lösungen wie Mehrschneidenplatten und Werkzeuge mit austauschbaren Köpfen wird der Hartmetallverbrauch reduziert, und die direkte Unterstützung durch die Anwendungstechnikabteilung stellt sicher, dass Werkzeugfabriken auch in Krisenzeiten gesunde Gewinnmargen aufrechterhalten können.
Glauber Longo von TopSolid plädierte dafür, Technologie als Verbündeten im Kampf gegen den Mangel an qualifizierten Fachkräften zu nutzen. Bei der Betonung der Bedeutung der Konferenz im FIESP wies er darauf hin, dass die Zukunft der Werkzeugbauindustrie direkt davon abhänge, wie schnell die Branche junge, talentierte Fachkräfte anziehen könne. Er hob hervor, dass Neueinsteiger, die integrierte Technologien wie CAD (Computer Aided Design), CAE (Computer Aided Engineering), CAM (Computer Aided Manufacturing), TDM (Tool Data Management) und ERP (Enterprise Resource Planning) beherrschen, der entscheidende Wendepunkt für die Modernisierung und Wettbewerbsfähigkeit von Werkzeugfabriken seien.
Roberto Cardoso, Vertreter von SKA, ergänzte die Perspektive der technologischen Modernisierung. Er argumentierte, dass die Kernaufgabe von Unternehmen heute nicht nur darin bestehe, Technologie einzusetzen, sondern zu wissen, wie man sie integriert. Er erklärte, dass die Digitalisierung eine intelligente Vernetzung aller Bereiche von der Konstruktion und Kalkulation bis hin zur Fertigung und Fabrikverwaltung erfordere. Dafür seien spezialisierte technische Teams nötig, die bereichsübergreifende Lösungen für alle Abteilungen einer Werkzeugfabrik bieten.
Die Schlussfolgerungen des ENAFER 2026 zeigen, dass die Zukunft der brasilianischen Werkzeugbauindustrie von der Integration des Ökosystems und der Wahrnehmung einer globalen Rolle abhängt, nicht von isolierten Bemühungen. Die Konferenz brachte die Dringlichkeit der technologischen Modernisierung mit der beruflichen Ausbildung in Einklang und betonte, dass die Beendigung des internen Wettbewerbs und die gemeinsame Teilnahme am globalen Wettbewerb der einzig mögliche Fahrplan für das Überleben der Branche sei. Es wurde festgestellt, dass Investitionen in hochmoderne Ausrüstung ohne Schulung des Bedienpersonals zu Produktionslücken führen; die Konzentration auf das Management ohne Sicherstellung der Fabrikgröße das Wachstum begrenze. Die Konferenz forderte, die Stärkung der Werkzeugbasis von einer Branchenforderung zu einem dynamischen, zukunftsorientierten Kernstück der nationalen Politik zu erheben.
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