de.wedoany.com-Bericht: Rail Baltica Estland, die Stadt Tallinn und das Bauunternehmen LEONHARD WEISS OÜ haben am 16. Juni 2026 einen Vertrag über 9.826.169 Euro für die erste Bauphase des Kantsi-Tunnels und die Infrastruktur des künftigen Rail-Baltica-Bahnhofs Ülemiste unterzeichnet. Der Vertrag trägt offiziell den Namen „Erste Bauphase des Bahnhofsbereichs Ülemiste und des Kantsi-Tunnels“ und ist Teil des TEN-V-Korridors Nordsee–Ostsee von Rail Baltica in Estland.
Das Projekt schafft eine neue Straßen- und Fußgängerverbindung zwischen den Stadtteilen Lasnamäe und Ülemiste, die derzeit durch die Bahnlinie getrennt sind; die nächste Querung der Gleise befindet sich an der Smuuli-Straße und ist über drei Kilometer entfernt. Die Bauarbeiten sollen bis zum 31. Oktober 2027 abgeschlossen sein. Der Vertrag umfasst Erdarbeiten, Entwässerungssysteme, Versorgungsnetze, einen neuen Personenbahnhofssteg, Zufahrtsstraßen sowie die erste Bauphase des Kantsi-Tunnels unter der künftigen europäischen Normalspurstrecke von Rail Baltica. Der Tunnel wird die Peterburi-Straße mit der Suur-Sõjamäe-Straße verbinden und Fußgängern, Radfahrern, öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Kraftfahrzeugen dienen. Derzeit ist der Standort nur über eine Fußgängerbrücke zu überqueren. Diese Arbeiten sind Teil eines umfassenderen Projekts, in das Rail Baltica Estland, der Flughafen Tallinn und Mainor in den kommenden Jahren 500 Millionen Euro im Gebiet Ülemiste investieren wollen.
Der 9,83 Millionen Euro schwere Vertrag ist ein kleiner, aber strategisch positionierter Teil des Rail-Baltica-Projekts, dessen Gesamtkosten in den drei baltischen Staaten auf über 5,8 Milliarden Euro geschätzt werden. Zum Vergleich: Der Bauvertrag für den Rigaer Hauptbahnhof von Rail Baltica, an dem ebenfalls LEONHARD WEISS (als Teil eines größeren Konsortiums) beteiligt ist, beläuft sich auf rund 430 Millionen Euro. Der Umfang des Ülemiste-Vertrags entspricht anderen Vorbereitungsarbeiten für den europäischen Normalspurkorridor: Im Rahmen des polnischen Eisenbahnprojekts „Solidaritätsverkehrsknoten“ (Solidarity Transport Hub) wurden in der Beschaffungsphase 2023–2024 mehrere Begleitbauverträge im Wert zwischen 8 und 15 Millionen Euro unterzeichnet. Diese gestaffelte Struktur – die erste Tunnelphase wird 2027 abgeschlossen, das von Zaha Hadid Architects entworfene Linda-Terminal ist für 2028 geplant – ähnelt dem schrittweisen Auslieferungsmodell, das bei großen multimodalen Verkehrsknoten wie dem Wiener Hauptbahnhof und der Amsterdamer Zuidas angewendet wurde. Die Vertragsparteien haben keine Aufschlüsselung des Vertragswerts zwischen Bahnhofsinfrastruktur und Tunnelbauarbeiten bekannt gegeben.
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