de.wedoany.com-Bericht: Am 3. Juni gab der französische Telekommunikationsbetreiber Orange bekannt, dass der Abschnitt Marseille–Bizerte des ViaTunisia-See-Kabels betriebsbereit ist. Damit ist der neue digitale Korridor zwischen Südeuropa und Nordafrika von der Bauphase in die Phase des regulären Datenverkehrs übergegangen.
ViaTunisia verbindet Marseille (Frankreich) mit Bizerte (Tunesien) und ist ein wichtiger Bestandteil des Medusa-See-Kabelsystems. Es ist als offener Punkt-zu-Point-See-Kommunikationskanal konzipiert und auf eine Lebensdauer von 25 Jahren ausgelegt. Das Projekt durchlief die entscheidenden Schritte vor der kommerziellen Inbetriebnahme: von der Meeresvermessung über die Werksabnahmetests, das Verladen, Verlegen und Anlanden bis hin zur endgültigen Spleißung. Die Arbeiten auf See wurden von den Kabelleggern „Sophie Germain“ (Orange Marine) und „Teliri“ (Elettra TLC) durchgeführt, koordiniert von Elettra TLC. Systemdesign und Ausrüstung stammen von Alcatel Submarine Networks. Mit Erreichen der Betriebsbereitschaft entsteht nun eine direkte, redundante neue transmediterrane Kommunikationsverbindung zwischen Marseille und Nordtunesien, die regionale Datenaustausche, Cloud-Dienste, internationale Kapazitätsverteilung und die Entwicklung digitaler Dienste unterstützen kann.
Das Projekt wird durch das EU-Programm „Connecting Europe Facility Digital“ kofinanziert. Die entsprechende Zuschussvereinbarung wurde im Dezember 2022 unterzeichnet; die Mittel decken 30 % der Bau- und Verwaltungskosten.
Marseille ist einer der wichtigsten internationalen Internetknotenpunkte Europas und bündelt Seekabel-Landestationen, Rechenzentren, Cloud-Knoten und Ressourcen für die internationale Kapazitätsverteilung. ViaTunisia ist direkt an die globale Infrastruktur von Orange in Marseille angebunden und über einen vollständig redundanten städtischen Glasfaserring mit lokalen Rechenzentren verbunden. Dadurch können internationale Kapazitäten aus Nordafrika reibungsloser in das europäische Netzwerk integriert werden. Für den tunesischen und den gesamten nordafrikanischen Markt bedeutet ein solches Seekabel nicht nur eine zusätzliche grenzüberschreitende Verbindung, sondern betrifft auch die grundlegende Kapazität für Cloud-Computing, digitale Verwaltung, Content-Distribution, Finanztechnologie, Unternehmensleitungen und Rechenzentrumsdienste. Mit der Digitalisierung und dem durch KI-Anwendungen steigenden Datenverkehr benötigen Nordafrika und Europa mehr internationale Kommunikationswege mit niedriger Latenz, hoher Kapazität und nachhaltigem Betrieb, um eine übermäßige Abhängigkeit von wenigen bestehenden Kanälen zu vermeiden.
Seekabel sind auch ein wichtiger Bestandteil der Resilienz von Kommunikationsnetzen. Die grenzüberschreitenden Verbindungen im Mittelmeerraum sind dicht; Kabelausfälle, Naturkatastrophen, Meeresbodenbeschaffenheit und Schiffsaktivitäten können die Stabilität der internationalen Kommunikation beeinträchtigen. ViaTunisia erweitert die Routing-Optionen in der Region, trägt dazu bei, das Ausfallrisiko bei lokalen Leitungsstörungen zu verringern, und verbessert die Kontinuität des Datentransfers zwischen Europa und Nordafrika. Für Orange stärkt das Projekt seine Fähigkeiten im Bereich der Großhandels-Kommunikationsinfrastruktur zwischen Europa, Afrika und dem Nahen Osten und rundet sein Portfolio an Netzwerkressourcen in den Bereichen Seekabelverlegung, -betrieb und internationale Kapazitätsverteilung ab.
Der spätere Erfolg hängt davon ab, wie schnell Betreiber, Cloud-Anbieter, Content-Plattformen und Unternehmenskunden die Kapazität dieses Kanals nutzen. Wenn ViaTunisia kontinuierlich mehr regionalen Datenverkehr aufnehmen kann, wird die Route Marseille–Bizerte zu einer wichtigen Ergänzung für den digitalen Austausch zwischen Europa und Afrika. Der nordafrikanische Markt wird dann eine stabilere Infrastruktur für internationale Vernetzung, Rechenzentren und grenzüberschreitende Cloud-Dienste erhalten.
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