27-Milliarden-Euro-Hochgeschwindigkeitsbahn-Umfahrungsprojekt in Florenz: TBM-Durchbruch abgeschlossen
de.wedoany.com-Bericht: Das Hochgeschwindigkeitsbahn-Umfahrungsprojekt in Florenz mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 2,7 Milliarden Euro hat einen entscheidenden Baufortschritt erzielt: Die beiden Tunnelbohrmaschinen namens Iris und Marika haben erfolgreich die Trennwand durchbrochen und die neue Hochgeschwindigkeitsbahnhofshalle Belfiore erreicht, womit der „Durchbruch" abgeschlossen ist. Dieser Meilenstein gilt als einer der entscheidenden Schritte zur Verwirklichung dieses strategischen Projekts, das darauf abzielt, die Eisenbahnverkehrslandschaft Italiens und Europas grundlegend zu verändern.
Bei einer offiziellen Veranstaltung auf der Baustelle waren Vertreter des italienischen Ministeriums für Infrastruktur und Verkehr, der Region Toskana, der Stadtverwaltung und der Präfektur Florenz sowie der italienischen Staatsbahngruppe (Gruppo FS Italiane), der italienischen Eisenbahnnetzgesellschaft (Rete Ferroviaria Italiana), von FS Engineering und Infrarail anwesend. Der derzeit in Bau befindliche Vertrag wird vom Konsortium Florentia ausgeführt, hat einen Wert von rund 1,1 Milliarden Euro und umfasst den Bau des Umfahrungstunnels und des neuen Bahnhofs.
Technisch gesehen ist der innerstädtische Abschnitt der neuen Hochgeschwindigkeitsbahn-Umfahrung etwa 8,35 Kilometer lang, wovon 7 Kilometer unterirdisch verlaufen. Zwei parallele Tunnel werden in einer durchschnittlichen Tiefe von etwa 20 Metern unter der Erde vorgetrieben und verbinden den nördlichen Ein- und Ausgang (zwischen den Bahnhöfen Florenz Castello und Rifredi) mit dem südlichen Ein- und Ausgang (in der Nähe von Campo di Marte). Die beiden TBM starteten jeweils von der südlichen Baustelle Campo di Marte und haben bereits etwa 3 Kilometer zurückgelegt, um die Tunnel für die geraden und ungeraden Gleise auszuheben.
Mit dem Eintritt der Bohrmaschinen in die Bahnhofshalle Belfiore tritt das Projekt in eine komplexe Phase der Maschinensteuerung ein. Die TBM können erst nach dem Gießen der Bodenplatte etappenweise im unterirdischen Raum verschoben werden. Derzeit schreiten die Bodenplattengieß- und Bauarbeiten in verschiedenen Bereichen voran. Nach Abschluss der Bewegungs- und Wartungsarbeiten ist die Wiederaufnahme des Vortriebs der verbleibenden jeweils 2 Kilometer langen Tunnelabschnitte nach Norden zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 geplant.
Parallel zur Steuerung der Bohrmaschinen laufen auch die Rohbauarbeiten für den Hochgeschwindigkeitsbahnhof. Diese werden nach der „Top-down"-Methode durchgeführt, d. h. von der Oberfläche aus nach unten. Die Bauarbeiter führen derzeit Tiefbauarbeiten in der Bahnhofshalle durch, um die endgültige Planungshöhe von -25 Metern unter der Erdoberfläche zu erreichen. Der neue Hochgeschwindigkeitsbahnhof befindet sich im Bereich Belfiore-Macelli, etwa auf halber Strecke der Trasse.
Das Architektur- und Ingenieurkonzept wurde von Foster & Partners in Zusammenarbeit mit Ove Arup & Partners entwickelt. Der Bahnhof erstreckt sich über eine Fläche von rund 45.000 Quadratmetern und bildet einen unterirdischen Raum von etwa 450 Metern Länge, 50 Metern Breite und einer Tiefe von bis zu 25 Metern unter der Straßenoberfläche. Über der Erde wird eine Stahl- und Glaskonstruktion errichtet, die etwa 18 Meter über das Straßenniveau hinausragt. Sie ist mit Photovoltaikmodulen zur Steigerung der Energieeffizienz ausgestattet und übernimmt Umwelt- und Lärmschutzfunktionen, während sie gleichzeitig natürliches Licht und Belüftung für den darunter liegenden Raum gewährleistet. Dieser Bahnhofstyp ist in Italien ein Novum: Obwohl er vollständig unterirdisch liegt, ermöglicht seine vertikale Konfiguration, dass natürliches Licht bis in die unteren Ebenen der Struktur eindringen kann.
Nach Fertigstellung des Projekts wird der Fernverkehr physisch vom Regional- und Güterverkehr getrennt, was die Pünktlichkeit im gesamten Knotenpunkt Florenz verbessert. Dadurch werden auf dem oberirdischen Abschnitt zwischen Florenz Rifredi und Campo di Marte sowie am Bahnhof Florenz Santa Maria Novella erhebliche Kapazitäten freigesetzt. Dies wird nicht nur die Aufnahme von Bahndiensten am neuen Hochgeschwindigkeitsbahnhof Belfiore ermöglichen, sondern auch die derzeitigen Haltezeiten der Hochgeschwindigkeitszüge am Bahnhof Santa Maria Novella verkürzen. Die Anlage ist in den Skandinavien-Mittelmeer-Korridor des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V) integriert und festigt damit die zentrale Rolle von Florenz in den strategischen Verkehrskorridoren der EU. Nach dem aktuellen Zeitplan soll das Projekt Ende 2029 insgesamt fertiggestellt sein, der Eisenbahnbetrieb soll 2030 aufgenommen werden. Das Projekt ist Teil des Informationsprogramms „Cantieri Parlanti" (Sprechende Baustellen), das von der FS-Gruppe und dem italienischen Ministerium für Infrastruktur und Verkehr gefördert wird, um die Transparenz über den Fortschritt großer Infrastrukturprojekte zu gewährleisten.
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