de.wedoany.com-Bericht: Einem Bericht des britischen National Energy System Operator (NESO) zufolge sind die Kosten für die Modernisierung des nationalen Stromnetzes seit 2024 um rund 50 Prozent gestiegen.
Neue Daten aus dem NESO-Bericht „Nach 2030" zeigen Investitionskosten von bis zu 89 Milliarden Pfund (rund 119 Milliarden Dollar) für das Stromnetz nach 2030. Die ursprüngliche Prognose für 2024 lag bei etwa 75 Milliarden Dollar – ein Anstieg von rund 50 Prozent. Die Kosten für die Netzmodernisierung sind kurzfristig stark gestiegen. NESO nennt den Ausbau kohlenstoffarmer Energieprojekte im Rahmen des staatlichen „Clean Power 2030 Action Plan" als einen Faktor. Diese Projekte seien zwar vorteilhaft für die nationalen Netto-Null-Ziele, aber kostspielig. Die Inflation sei ein direkterer Treiber, der die Preise für neue Hochspannungsleitungen und Umspannwerke in die Höhe treibe.
Das britische nationale Stromnetz ist eines der ältesten der Welt. Sein Grundgerüst wurde zu einer Zeit gebaut, als Kohle- und Gaskraftwerke in der Nähe von Verbrauchszentren lagen. Heute liegen die Standorte der Stromerzeugung weit entfernt von den Verbrauchsregionen. Offshore-Windparks und andere erneuerbare Energiequellen befinden sich oft in abgelegenen Küsten- oder ländlichen Gebieten, fernab der Städte und Industriegebiete mit dem höchsten Stromverbrauch. Neben der veränderten geografischen Verteilung der Energie wird auch ein deutlicher Anstieg der Stromnachfrage erwartet, angetrieben durch die Elektrifizierung von Verkehr und Heizung sowie den Boom von Rechenzentren. Die eigene Analyse von NESO deutet darauf hin, dass der Strombedarf bis 2035 um über 30 Prozent steigen könnte. Der Betreiber warnt, dass ohne Verstärkung und Modernisierung die Engpasskosten (Kosten, die entstehen, wenn das Netz nicht die gesamte Stromerzeugung aufnehmen kann) zwischen 2031 und 2035 um das Dreifache steigen könnten. NESO schätzt, dass allein die Engpasskosten im Jahr 2030 bei etwa 12,7 Milliarden Pfund (rund 16,5 Milliarden Dollar) liegen könnten, wenn das bestehende Netz unverändert bleibt.

Der NESO-Bericht enthält eine Reihe von Empfehlungen und plant, das Netz in den 2030er Jahren durch 43 Netzprojekte zu modernisieren, darunter 16 Optionen, die in der ursprünglichen Studie von 2024 nicht enthalten waren. Diese Projekte reichen von neuen Offshore-Leitungen zur Anbindung von Windparks in der Keltischen See (über drei Standorte in Südwales und Südwestengland) bis hin zu verstärkten Onshore-Korridoren durch Nordengland, Nordwales und die Midlands. NESO gibt an, dass der Plan bewusst Seekabel gegenüber neuen Freileitungen bevorzugt, mit der Begründung, dass Seekabel geringere Auswirkungen auf Umwelt und Gemeinden hätten; die vorgeschlagenen neuen Seekabel sind mehr als dreimal so umfangreich wie die neuen Onshore-Leitungen.
Der britische Energieminister Michael Shanks sagte, diese Zahlen sollten als Teil einer langfristigen Strategie der Regierung betrachtet werden, nicht als einmalige Ausgabe. Er erklärte, die Regierung verfolge einen strategischen Ansatz, um ein für die Zukunft geeignetes Energiesystem aufzubauen, das Energieunabhängigkeit gewährleiste und die Rechnungen senke, während gleichzeitig das Wirtschaftswachstum in ganz Großbritannien gefördert werde. Der Plan biete eine Blaupause für das benötigte Netz, um Künstliche Intelligenz und die Industrie mit Strom zu versorgen und sicherzustellen, dass Haushalte und Unternehmen von der sauberen, heimischen Energie Großbritanniens profitieren. Alice Delahunty, Präsidentin von National Grid Electricity Transmission, begrüßte die Klarheit, die der Bericht bringe. Sie wies darauf hin, dass mit dem steigenden Strombedarf klare und konsistente Signale für den zukünftigen Netzbedarf erforderlich seien, unter anderem durch Reformen bei Netzanschlüssen.
NESO betont, dass die Zahlen empfehlenden Charakter haben und keine endgültigen Entscheidungen darstellen. Die tatsächliche Entscheidungsbefugnis über die Finanzierung liegt bei der Regulierungsbehörde Ofgem. Die konkreten Routen, Technologien und Genehmigungsverfahren liegen weiterhin in der Verantwortung der jeweiligen Übertragungsnetzbetreiber. Ein detaillierterer, umfassender Systemplan für Strom, Gas und Wasserstoff, der „Central Strategic Network Plan", wird voraussichtlich 2028 veröffentlicht. Bis dahin ist dieses Update das klarste Signal für die möglichen Kosten einer Neuverkabelung des britischen Stromnetzes und die Geschwindigkeit, mit der sich diese Schätzung ändert.










