Deutschland investiert 1500 Milliarden Euro in die umfassende Sanierung des Schienennetzes
de.wedoany.com-Bericht: Deutschland hat ein groß angelegtes Sanierungsprogramm für sein Schienennetz gestartet. Die Bundesregierung investiert jährlich mehrere zehn Milliarden Euro, um die Infrastruktur umfassend zu erneuern, die Digitalisierung des Netzes voranzutreiben und das rollende Material zu modernisieren. Gemäß einem 2025 verabschiedeten zehnjährigen Infrastrukturplan wird Deutschland bis 2027 1500 Milliarden Euro für den Schienenverkehr bereitstellen, um die derzeitige Pünktlichkeitsrate von nur 62,5 % zu verbessern. Das erste Schieneninvestitionsprogramm „Starke Schiene“ wurde 2019 mit einem Volumen von 86 Milliarden Euro gestartet. Ende 2023 wurde ein Ergänzungsprogramm verabschiedet, das den Umfang der Arbeiten weiter ausdehnte.

Bereits im Jahr 2024 erreichten die jährlichen Investitionen der Deutschen Bahn mit 18,2 Milliarden Euro einen Rekordwert. Sascha Frölich, Deutschland-Geschäftsführer der französischen Eiffage Infra-Rail GmbH, erklärte, dass allein im Jahr 2026 die DB InfraGO AG fast 2000 Kilometer Gleise, 2100 Weichen und etwa 100 Brücken ausschreiben werde – weit mehr als die in den Vorjahren jährlich erneuerten Streckenkilometer. Die Sanierung der Strecke Hamburg-Berlin ist eines der Flaggschiffprojekte. Diese über 300 Kilometer lange Strecke kostet 2,2 Milliarden Euro, die Bauzeit erstreckt sich von August 2025 bis Juni 2026 und macht etwa 10 % des deutschen Schienen-Erneuerungsbudgets für 2025 (23 Milliarden Euro) aus. Die Deutsche Bahn plant die Sanierung von „großen Korridoren“ auf 40 Strecken mit einer Gesamtlänge von 4000 Kilometern. Die Strecke Frankfurt-Mannheim (70 Kilometer) wurde als erste von Juli bis Dezember 2024 fertiggestellt; täglich verkehren dort knapp 300 Personen- und Güterzüge.

Das deutsche Schienennetz ist dicht vermascht, was abschnittsweise Vollsperrungen und die Nutzung von Ausweichstrecken ermöglicht – ein entscheidender Vorteil für die Bauarbeiten. Rouven Althaus, Leiter der Entwicklung von Fahrzeugsystemen bei der Firma Matisa, wies darauf hin, dass sich auf deutschen Bahnbaustellen im Gegensatz zu Frankreich oft viele Geräte versammeln, die denen im Tiefbau ähneln, wie etwa Kräne; die Fahrgäste seien während der Bauarbeiten zudem an Schienenersatzverkehr mit Bussen gewöhnt, und Ausweichstrecken könnten schnell eingerichtet werden. Marktseitig bezeichnete Sascha Kettler, der deutsch-französische Geschäftsführer von Novium, Deutschland als den größten Eisenbahnmarkt Europas mit 500 Bauunternehmen. Große Projekte würden in der Regel von Konsortien aus zwei bis drei großen Firmen durchgeführt, die mit spezialisierten, kleinen lokalen Unternehmen zusammenarbeiten. Zu den namhaften einheimischen Unternehmen zählen Hochtief, Max Bögl und Leonhard Weiss, aus Österreich kommen Porr, Swietelsky Bahnbau und Strabag (mit ihrer Tochter Züblin).

Zu den in Deutschland tätigen französischen Bauunternehmen gehören ETF, Colas Rail und Eiffage. Colas Rail beteiligt sich über seine deutschen Töchter Hasselman und NTG Bau am Ausbau der Strecke Regis-Breitingen, der die Geschwindigkeit der Züge von 120 km/h auf 160 km/h erhöhen wird, sowie am Umbau des Bahnhofs Röblingen am See mit einem Auftragsvolumen von knapp 70 Millionen Euro. Eiffage ist durch die Übernahme von Wittfeld im Jahr 2004 und von Heitkamp Rail im Jahr 2009 in Deutschland verwurzelt, zur Eiffage Infra-Rail zusammengefasst, beschäftigt 700 reine Eisenbahnmitarbeiter und ist in ganz Deutschland und Skandinavien tätig. ETF trat 2017 und 2021 durch die Übernahme der THG Baugesellschaft bzw. der AGT GmbH in den deutschen Markt ein. TSO-Präsident Romuald Hugues erklärte im April dieses Jahres gegenüber dem „BTP Rail“, der deutsche Markt sei speziell; man müsse einheimisch werden, um einzusteigen. Derzeit habe TSO nicht vor, den Weg der Übernahmen zu gehen. Im Bereich des rollenden Materials und der Ausrüstung haben auch französische Unternehmen wie Alstom-Bombardier und Thales (dessen Geschäftsbereich Bodentransport 2024 an Hitachi Rail verkauft wurde) bedeutende Aufträge erhalten.
Die Markteintrittsbarrieren in Deutschland sind jedoch hoch, die Normen und Zulassungsanforderungen sind äußerst streng. Guillaume de Gavre, Projektleiter Tiefbau bei Eiffage, empfiehlt, den Markt erst zu betreten, wenn man ihn gut kennt oder Beziehungen aufgebaut hat. Xhinol Alilaj, Leiter der Zertifizierungsabteilung des Schweizer Herstellers Matisa, bezeichnete den deutschen Markt als den „Rolls-Royce unter den Zulassungsmärkten“ – jedes Detail werde geprüft. Trotzdem hat Matisa in Deutschland bereits drei Stopfmaschinen verkauft und plant den Verkauf von drei weiteren. Das „Team der französischen Eisenbahnbranche“ und Business France helfen französischen Unternehmen, sich auf dem Markt zu positionieren, Ausschreibungen zu identifizieren und Zugang zum öffentlichen Beschaffungswesen in Deutschland zu erhalten. Die massiven Investitionen Deutschlands in die Digitalisierung (ETCS, digitale Stellwerke) und Elektrifizierung bieten auch französischen Technologieexperten neue Chancen.
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