Polen entwickelt Horizontfahrplan 2034/2035 zur Förderung der europäischen Eisenbahnintegration
2026-08-04 11:15
Merken

de.wedoany.com-Bericht: Der in Polen entwickelte Horizontalfahrplan (Horizontal Timetable, HRJ) bietet einen langfristigen Planungsrahmen für den Eisenbahnfahrplan 2034/2035. Das Projekt treibt die Gestaltung des nationalen Personenverkehrsnetzes und künftige europäische grenzüberschreitende Verbindungen gleichzeitig voran und liefert ein referenzfähiges Planungsbeispiel für die europäische Eisenbahnintegration.

Diese Planung wird im Rahmen des Investitionsprogramms Port Polska vom polnischen Infrastrukturministerium (Polish Ministry of Infrastructure), dem Infrastrukturbetreiber PKP PLK, dem Zentrum für EU-Verkehrsprojekte (The Centre for EU Transport Projects) und dem Amt für Eisenbahnverkehr (Office of Rail Transport, UTK) erarbeitet. Der HRJ ist keine reine Fahrplankonstruktion, sondern entwirft auf Basis von Prognosen zur künftigen Personenverkehrsnachfrage ein Leistungsnetz und leitet daraus die Ausrichtung künftiger Investitionen, Marktorganisation und internationaler Zusammenarbeit ab.

Der HRJ integriert Fern-, Regional- und Metropolverkehre in ein koordiniertes System, das auf Taktfahrplänen, verlässlichen Umstiegen und vorhersehbaren Bedienungsmustern basiert. Die Planung berücksichtigt sowohl gemeinwirtschaftliche Verpflichtungen (Public Service Obligation, PSO) als auch kommerzielle Open-Access-Dienste und zielt darauf ab, die Infrastrukturkapazität in einer Weise zu verteilen, die Wettbewerb und Netzeffizienz gleichermaßen berücksichtigt.

Das Besondere an diesem Projekt ist seine Entwicklungsmethodik: Neben Verkehrsmodellen und Nachfrageprognosen wurde eines der größten Eisenbahnkonsultationsprogramme Polens durchgeführt. Zwischen 2024 und 2026 deckten vier Konsultationsstränge Fahrgäste, regionale Verkehrsbehörden, Eisenbahnverkehrsunternehmen und internationale Partner ab. Die öffentliche Konsultation ergab über 1.800 Kommentare, von denen rund 60 % in die überarbeiteten Vorschläge eingeflossen sind. Auf Basis der Workshops mit regionalen Behörden erstellte das Planungsteam Zugleistungsannahmen für 16 Regionen, den Warschauer Metropolraum sowie die Oberschlesische und Zagłębie-Metropole (Upper Silesian and Zagłębie Metropolis) – die erste Studie in Polen, die das regionale und metropolitane Verbindungsnetz landesweit einheitlich darstellt.

Die Konsultation der Betreiber stieß auf breites internationales Interesse. Insgesamt wurden 53 Organisationen eingeladen, darunter 51 Eisenbahnunternehmen und zwei Branchenverbände; letztlich beteiligten sich 23 Organisationen, die die meisten aktiven Betreiber in Polen und Mittel- und Osteuropa abdecken. 15 Eisenbahnunternehmen beantworteten einen detaillierten Fragebogen, darunter sieben polnische und acht internationale Betreiber, sowohl etablierte Unternehmen als auch Neueinsteiger. Ihre Anregungen betrafen die künftige Marktorganisation, öffentliche Dienstleistungsverträge, kommerziellen Betrieb und Infrastrukturzugang.

Die internationale Zusammenarbeit begann bereits in der Anfangsphase des Projekts. Polen nutzte europäische Planungsinitiativen, bilaterale Treffen sowie Dialoge zwischen Infrastrukturbetreibern und Verkehrsministerien, um während des gesamten HRJ-Prozesses kontinuierlich langfristige Planungsannahmen mit Nachbarländern abzustimmen – statt erst nach Fertigstellung des Fahrplanentwurfs Partner um Stellungnahme zu bitten. EuroLink spielte dabei eine zentrale Rolle, eine unverbindliche Initiative von RailNetEurope zur Entwicklung langfristiger internationaler Personenverkehrskonzepte. Durch die Beteiligung von Port Polska und PKP PLK trug Polen zu internationalen Trassenkonzepten für den Horizont 2035 bei; die Initiative steht im Einklang mit der Logik der neuen europäischen Kapazitätsverordnung (CAP). Polnische Experten wirkten in zwei EuroLink-Planungsräumen mit: Raum 8 (Via Vindobona+), der Polen, Tschechien, Österreich und Ungarn umfasst, sowie Raum 9, der Polen mit Deutschland und den baltischen Staaten verbindet. Beteiligte Institutionen sind DB InfraGO, Správa železnic, ŽSR, ÖBB Infra, LTG Infra, Rail Baltica und KTI.

Bei der Gestaltung grenzüberschreitender Verbindungen ist ein zentraler Vorschlag die Verlegung der Prag-Dienste über Wałbrzych, Mieroszów, Meziměstí und Hradec Králové, um schnellere und zuverlässigere Verbindungen zu schaffen, gleichzeitig größere städtische Zentren zu bedienen und den bestehenden Korridor über Międzylesie zu entlasten. In Kombination mit der künftigen polnischen Hochgeschwindigkeits-„Y“-Linie (die Warschau, Łódź, Breslau und Posen verbindet) würde dieser Vorschlag die Bahnverbindung zwischen Warschau und Prag deutlich stärken. Eine weitere Priorität betrifft den Korridor Frankfurt (Oder)–Berlin: Polen fordert zusätzliche Trassen, um dem Wachstumsbedarf gerecht zu werden, kommerziellen Betreibern Raum zu bieten und künftige Dienste aus Warschau und Südpolen zu unterstützen. Weitere Vorschläge umfassen die Stärkung der Verbindung Warschau–Wien über Brünn, eine neue Verbindung nach Budapest über Košice sowie verbesserte Verbindungen zwischen Stettin und Berlin.

Die erste polnische Hochgeschwindigkeitsbahnlinie, die Warschau mit dem neuen zentralen Flughafen des Landes und Łódź verbindet, soll 2032 eröffnet werden. Bis zum Planungshorizont 2035 des HRJ soll sich das Netz auf Posen und Breslau erweitern und einen „Y“-förmigen Korridor bilden, der viele künftige nationale und internationale Dienste des Projekts trägt. Initiativen der Nachbarländer wie der Deutschlandtakt, die tschechischen Hochgeschwindigkeitsbahnpläne und Rail Baltica werden parallel vorangetrieben. Der HRJ versteht sich nicht als passive Anpassung des polnischen Bahnsystems an künftige europäische Entwicklungen, sondern als aktive Mitgestaltung dieser Entwicklungen durch die Verbindung von evidenzbasierter Planung und kontinuierlicher internationaler Zusammenarbeit.

Diese Kurznachricht stammt aus der Übersetzung und Weiterverbreitung von Informationen aus dem globalen Internet und von strategischen Partnern. Sie dient lediglich dem Austausch mit den Lesern. Bei Urheberrechtsverletzungen oder anderen Problemen bitten wir um rechtzeitige Mitteilung, und wir werden die notwendigen Änderungen oder Löschungen vornehmen. Die Weitergabe dieses Artikels ist ausdrücklich ohne formelle Genehmigung verboten.E-Mail: news@wedoany.com